So 08.12.2024
Lk 3:1-6 Johannes tritt in der Wüste auf
Jesaja 40:1-11 Trostbuch Israels
Der Text
Lukas nennt sechs öffentliche Personen und konkretisiert das Ereignis, das er so nennt: „Es geschah das Wort Gottes zu Johannes“.
Dann zitiert er die oben genannte Jesaja-stelle.
Der Text bei Jesaja fängt an mit „Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott“.
Das ist das Wort
Das ist das Wort das ich meine, wenn ich sage, das Wort Gottes ist nicht einfach die Bibel. Es ist dieses Wort, dass Lukas mit viel Aufwand in einen Kontext setzt. Er nennt sechs Herrscher der Zeit und den Hohepriester. Er nennt die Quelle („den Bibeltext“, der „Stift und Papier“ ist, wie ich es manchmal nenne). Und er nennt die Person genau – inkl. des Vaters Zacharias.
Der Jesaja-text ist nicht jederzeit gültig oder irgendwann gültig. Er ist für dieses geschichtliche Ereignis gültig.
Ich sehe ihn mit dem Vollzug durch Johannes nicht als erledigt an – es wird ein anderer Tag kommen, da dieser Text erneut gültig ist.
Die Bibel nimmt Gott nicht Seine Souveränität des Redens, weil ich Ihn ja schon in der Hand halte.
„<Dem> Johannes wurde die Rede Gottes“, so könnte man den Text auch übersetzen. „Werden“ (ginomai) ist dabei das innere Geschehen in und an Johannes.
(Siehe erneut meine Diskussion mit der KI Das werden des Wortes)
„Bereitet dem Herrn Seinen Weg“
(Eigene, interpretierende Übersetzung).
Es ist nicht irgendein Weg, den der Herr gehen wird.
Im Gegenteil – es ist der Weg, der durch die Beeinflussung des Menschen und die Liebe Gottes als einziger Weg möglich ist. Ich komme darauf noch zurück.
Wir bereiten Gott immer einen Weg. Welcher Weg wird das sein? Welchen Weg kann Gott mit uns gehen?
Den Weg, den wir bereiten, ist Sein und unser „Schicksal“. Das Wort passt nicht recht. Vielleicht: Das ist die Frucht, die zwischen mir und Gott möglich ist.
Dabei passt Gott Seinen Weg so sehr an mich an, dass Er gerade noch Gott ist (also souverän) und doch Sein Ziel zu erreichen sucht – mit mir, der auch Person ist.
Genauer bin nicht ich gemeint, sondern das Volk, zu dem ich gehöre!
So wie diese Stelle Israel betrifft – nicht uns.
Trostbuch?
Der Text hat in Jesaja einen Zusammenhang des Heils für Israel.
Aber so ist es nicht gekommen.
Der Messias kam – aber das Heil für Israel geschah nicht – im Gegenteil.
Jesaja deutet es leise an, wenn er sagt: „Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.“ (Vers 8)
Ist das denn der Trost, von dem Jesaja spricht?
Ist es nicht vielmehr ein Scheitern?
Johannes wird der Kopf abgeschlagen und Jesus wird gekreuzigt.
Siehe so Sieg aus?
Nein, so sieht Sieg nicht aus – aber Trost!
Denn es tröstet über alle Maßen, dass Gott in Jesus einen Weg für Mensch und Gott gefunden hat – den Weg durchs Leid und ans Kreuz.
Bevor „der Tod in den Sieg verschlungen wird“ (1. Kor 15:54-55), wird der Sieg aus Jesaja in den Tod verschlungen.
Niemand kann den Sieg erkennen. Und es ist doch Sieg.
Unser Weg
Der Weg des Christen, genauer: der Weg der Kirche, ist ein Weg in dieser Nachfolge. Nicht im Sinne eines Aufgebens oder inneren Scheiterns. Aber im Sinne einer Übergabe an den einzigen Weg der möglich ist.
Jesajas Botschaft ist nicht erfüllt. Oder es ist wie die eine Seite des Weges. Die Seite, die niemand erwartet hat und 1:1 auch kaum aus dem Text erkennbar ist.
Die Offenbarung der Herrlichkeit steht noch aus, es ist das Ziel und die Frucht dieses Weges.
Das Saatkorn muss in die dunkle, finstere Erde fallen. Ja, es muss sterben. Im Sterben wird es Keim, Halm und vielfache Frucht bringen.
Keine Frucht ohne solche dunkle Zeit.