Mo 09.12.2024 Hochfest der Jungfrau und Gottesmutter Maria
Lk 1:26-38 Der Engel Gabriel und Maria
Hintergrund
Ich bin in der ev. Landeskirche getauft und aufgewachsen. Meine Belebung (Lebensübergabe) fand in einer Zeltmission statt und viele Jahre war ich evangelisch evangelikal. Vor etwa 14 Jahren bin ich aus theologischen Gründen zur katholischen Kirche konvertiert.
Heute habe ich erneut deutlich mehr mit evangelikalen Christen zu tun als mit Katholiken.
Die Frage mit Maria ist zwar für meinen Glauben nicht mehr offen – ich bin ganz katholisch. Aber für mein Denken, gerade auch im Blick auf meine ev. Geschwister, ist Maria immer „fragwürdig“.
Muss es ein Thema sein?
Könnte man nicht bei dem bleiben, was Konsens ist? Maria einfach Maria sein lassen und das Thema beiseitelegen? Ich stand heute Morgen erneut vor dieser Frage. Soll ich schreiben „Gottesmutter“?
Aus der Seelsorge weiß ich, dass das Tabuisieren von Themen das Leben einschränkt – und letztlich meiner Würde als Mensch nicht gerecht wird.
Ich will meine Sehnsucht nach der Wahrheit nicht einschränken. Denn Christus ist die Wahrheit und ich will Ihm alles erlauben.
So prüfe ich meinen Glauben mit meinem Herzen (nicht mit meinem Gefühl!).
Ist Maria ein Werkzeug Gottes?
So sagt es die ev. Seite.
So sehen sich die Menschen auch selbst – im günstigsten Fall sind sie Werkzeug Gottes.
Es ist in etwas so, als wenn ich in dem anderen nur Jesus sehe, entsprechend dem Weltgericht (Was du einem meiner geringsten Brüder angetan hast, das hast du mir angetan). Oder wenn ich sage, die Liebe Jesu genügt mir.
Ich halte das für eine Konsequenz dieses Denkens.
Der Mensch verschwindet aus der Rechnung. Am Anfang verschwindet der andere als je eigener Mensch, und dann verschwinde ich selbst und Gott bleibt alles in allem.
Hört sich vielleicht fromm an.
So ist Gott aber nicht.
Er nimmt den Menschen ernst. Nicht einfach als Werkzeug, also als Objekt. Auch nicht als Kanal – wieder nur Objekt.
Das Kreuz
Mir scheint, damit wird am Ende das Kreuz entwertet.
Es repariert nur einen Konstruktionsfehler.
Ursache der Sünde ist Satan, Ursache des Heils ist Jesus.
Wirklich?
Kann Satan Ursache, also „Erste Sache“ sein? Augustinus macht klar: Für alles Existierende ist Gott die erste und einzige Ursache.
Warum sollte Gott etwas verursachen, das Seinem Sohn solch Leid einbringt?
Gott ist Ursache der Liebe.
Und die Liebe setzt wesenhaft Freiheit, Würde und Verantwortlichkeit ein.
Der Mensch ist Gottes gegenüber – als Geliebter, aber auch als Liebender.
Als Liebender (oder an Liebe mangelnder) steht er ganz in der Verantwortung.
Adam war nicht Ursache der Sünde – er war Verwalter der Liebe.
Und er hat ihr eine blutende Wunde zugefügt.
Adam und Eva
Adam wird zumeist als Name für den ersten Menschen genannt – aber als Mann und Frau, das ist der Mensch.
Im Detail ist aber der Anfang des „Liebe-falls“ (also des Fallens der Liebe = Sündenfall) durch Eva geschehen.
So wie der Anfang des Heils durch Maria geschehen ist.
So wenig wie Eva ein Werkzeug war, so wenig ist Maria ein Werkzeug.
Sollte denn der Bräutigam, Jesus Christus, ein „Werkzeug“ zur Braut nehmen?
Eva wird im 1. Mo 15:1 nicht Eva genannt, sondern Frau (oder Weib). Jesus nennt Maria mit eben demselben Namen: Frau. Denn Maria ist diese Frau, von der das erste Evangelium in 1.Mo 3:15 ff spricht.
Liebe deinen Nächsten
Einfach ist ein: entweder oder. Und das gibt es.
Aber auf Erden ist es oft ein: sowohl als auch.
Wer immer nur Jesus liebt, und nicht seine Frau, der ist auf dem Weg, Jesus zu einem Bild zu machen.
Jesus liebt den Dritten. Siehe den Text Rette sich, wer kann?.
Ringe um die Liebe deiner Frau. Die Ehe ist ein Vorläufer des Himmels.
Ich erlebe es in der Beratung, dass fromme Menschen in ihrer Frommheit den Menschen neben ihnen entwürdigen.
Viele wollen in den Himmel, um Jesus zu treffen.
Vielleicht wird Er sagen: Schau Maria an, meine liebe Mutter. Dann siehst du das eigentliche von Mir – Meinen Blick auf Menschen.
Nicht auf dich, Freund, sondern auf den anderen.
Liebe ist substanziell – sie meint den Menschen als Person, als Menschen.
Ein Kommentar zu „Mein Ringen um Maria“