Elisabeth: Annahme und Hoffnung

So 22.12.2024 🕯️🕯️🕯️🕯️

Lk 1:26-38 Maria besucht Elisabeth

Der Text

Es ist derselbe Bibeltext wie gestern. Zunächst zuckte ich etwas, als ich es gestern Abend las – ich weiß doch aber, das Wiederholung zur Vertiefung führt – ja am Ende besser mit Ergründen und beschenkt werden zu tun hat.

Heute beziehe ich Elisabeth ganz auf mein persönliches Begegnen mit meinem Altwerden.

Elisabeth ist eine alte Frau

Die Klarheit der Menschen damals, gerade der Juden, war heller als die unsere.

Abrahams Hoffnung, der Inhalt seines ganzen Lebens, war nicht sein Leben, sondern die Erwartung des künftigen in seinen Nachkommen.

Abraham ist der Anfang der Sohneserwartung – und damit der Messiaserwartung.

Die Opferung Isaaks kann ohne diesem Inhalt dieses großen Lebens nicht erahnt werden. Sein Sohn ist so viel mehr für ihn als sein Leben.

Das Zacharias und Elisabeth keine Kinder hatten, war für diese alten Menschen wie ein verworfen sein von Gott.

Geht es denn nicht um Annahme?

Meine Frau hat mir gesagt, ein längerer Bart würde ihr gefallen.

Für mich ein Symbol.

Denn wie viele Gedanken drehen sich bei mir um das nicht-mehr. Um das Vorbereiten auf die Ohnmacht des Alters. Auf die Annahme von Wirkungsarmut und dass mein Leben nicht die sichtbare Frucht brachte, wie ich es gern wollte.

Resignation steht auch im Raum, der Bruder der Annahme.

Bonhoeffer spricht von Widerstand und Ergebung (im 3. Reich).

Ich erlebe immer klarer die Folgen vom „Dahingegeben-sein“. Wie bei Pharao.

Menschen sind ihrem Denken, ihrer Blindheit, ergeben. Alles, was sie hören, bringt sie weiter weg vom Ziel, von Wahrheit, von Dir, Herr.

Es ist, als wenn man bei einem Hühnerei einen Eingang suchen würde. Alles perlt vor dem Auge ab, da ist nichts, keine Offenheit, kein kleines Muster der Hoffnung.

Es ist wie der erstorbene Leib von Elisabeth.

Also steht da die Resignation im Gewand der Annahme vor meiner Tür – wie bei Zacharias.

Er hat so viel gehofft – nun aber nicht mehr.

Dennoch und zugleich

Die Annahme der Ohnmacht ist nicht die Annahme der Hoffnungslosigkeit.

Das kann ich für meine Kinder annehmen und leben.

Was aber bleibt für mich noch zu leben, welche Hoffnung für einen alten Mann?

Ich bin sehr in Versuchung zu hoffen – aber ohne ein eigenes, nennenswertes beteiligt sein.

Ist ja auch so schön demütig.

Nun aber: Maria eilt zu der alten Frau Elisabeth.

Der Frau, die wider allem noch eine Hoffnung in sich trägt.

Ein Beteiligt sein an dem, was sie für Israel erwartet, erhofft.

Johannes ist der Sohn dieser Hoffnung. Denn er ist ganz Hoffender. Sein Wirken gilt in keiner Weise sich selbst, sondern der Hoffnung Israels. Er lebt die lebendige Hoffnung Elisabeths – die bei ihr schon im Sterben lag.

Kreuzweg

Ich habe schon empfohlen, den Kreuzweg zu meditieren. Ich tue es mit „Folge mir nach“, von Ivancic.

Jesus fällt dreimal.

Sollte Er sich diesem Fallen nicht ergeben?

Sollte Er sich nicht für erledigt halten?

Warum erneut aufstehen?

Ergebenheit ist schön bequem.

Solange noch Hoffnung in mir ist, tut es viel mehr weh.

Solange noch ein Auftrag da ist, scheint die Ohnmacht übermächtig.

Aber: Der Kreuzweg muss bis zu Ende gegangen werden.

Die Frucht wartet auf meine Hoffnung auf sie.

Ohne Hoffnung ist sie keine Antwort. Denn das Wesen der Frucht ist, dass sie Antwort auf die Liebe ist, die geglaubt hat.

Und die glaubende Liebe, das ist die Hoffnung.

Die Frucht der Hoffnung auf Anteil am Wirken Jesu darf nicht vor der Zeit gepflückt werden. Jesus hat mich nicht zum Nicht-Wirksam-Sein gerettet. Sondern zur Teilhabe.

Zur Teilhabe an eben jenem Weg Jesu.

Praxis

Ich bin nicht übermäßig gesund und würde mich nicht wundern, nicht mehr allzu lange Zeit zu haben. Aber ich weiß es nicht.

Aber ich bin in diesem Jahr Pate geworden. Zeugnis für die Hoffnung.

Ich lerne Hebräisch, für dessen Nutzung ich noch etwa drei Jahre lernen muss.

Ich gehe nach Israel um zulernen, später andere Gruppen zu führen.

In all dem leugne ich nicht, dass ich all das evtl. nicht erleben werde.

Aber ich will die Frucht der Hoffnung nicht vorzeitig begraben.

Nicht, dass ich nachher noch stumm werde 😉

Ich sehe die Kerze im Vordergrund. Sie ist heute mein Licht. Heute – aber die Hoffnung ist schon da.

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