So, 29.12.2024, Fest der Heiligen Familie
Lk 2:41-52 Der zwölfjährige Jesus im Tempel
1. Sam. 1:20-22.24-28 Hanna bringt Samuel in den Tempel
Der Text
Jesu Eltern gingen alle Jahre nach Jerusalem zum Passahfest. Als Jesus zwölf Jahre alt ist, ereignet sich, was berichtet wird. Er bleibt im Tempel, in Seines Vaters Haus. Dort lernt Er etwas. Maria und Josef sind voller Sorge, weil sie Ihn zunächst nicht finden.
Tradition
Viele Christen fragen, was an christlicher Kultur oder gar an christlichem Ritus in ihr Leben passt. Oder was sie vielleicht mindestens tun sollten. Auch: „Was bringt mir dies oder das“ ist eine beliebte Frage.
So ähnlich behandeln sie dann auch ihre Ehefrau. Was hab ich von dir, was muss ich tun, um ein hinreichender Ehemann zu sein. Bin ich nicht, was ich bin und muss garnichts tun?
Christliches Gestrüpp sage ich dazu. Was bringt so jemand Gott? Wer weinerlich glaubt, er komme zu kurz, wenn er dies und das für andere oder für Gott tut, gehört nicht dazu.
Alles, was ich für mich denke und tue, wird verbrennen.
Was bleibt dann noch?
Wie muss ich mein Leben gestalten, damit ich seinen Inhalt – den Dienst an Gott – bestmöglich tun kann. Das Wichtigste im Jahr ist für Maria und Josef die Pilgerreise nach Jerusalem – sicher keine kleine Sache in der Zeit.
Jesus war ganz Thoraschüler
Zuhören – Fragen – Antworten.
Das geschah im Tempel. Tagelang.
Dazu muss und war Jesus in der Thora, in der Tradition, im Judentum zu Hause. Er hat die Bibel nicht nur einmal gelesen, Er lebte und atmete in ihr.
Ein Minimum ist der Thorahabschnitt der Woche (Parashat haShavua). Aktuell: 1. Mo 41:1 bis 44:17.
So liest ein Jude jedes Jahr die ganze Thora.
Wie will ich sonst Jesu Worte verstehen?
Der zwölfjährige Jesus
Mir scheint, Jesus hat im Tempel etwas Besonderes gelernt.
Es ist: „… und Er ging mit ihnen hinab nach Nazaret und war ihnen untertan.
Er musste im Hause des Vaters sein, so sagt Er. Nun aber lautet sein Auftrag: Steig hinab in diese Welt der Menschen und in die Welt des Gehorsams.
Als nun religionsmündiger Mann tut Er das aus sich heraus, ganz frei.
„Hochzeitspolitik“
Die 1. Lesung heute handelt von Hanna, die Samuel in den Tempel bringt. Dort sagt Hanna zu Eli:
“Um diesen Knaben bat ich. Nun hat der HERR meine Bitte gegeben, die ich von ihm bat. Darum gebe ich ihm dem HERRN wieder sein Leben lang, weil er vom HERRN erbeten ist. Und sie beteten daselbst den HERRN an.”
Hanna gibt Samuel, ihren ersten, einzigen und späten Sohn an Gott zurück, von dem sie ihn erbeten hat.
Die Bibel ist voll von diesem Thema:
Gott bittet den Menschen um seine Erstgeburt.
Abraham und Isaak. Pharao und die ganze Erstgeburt. Israel und die Leviten. Hanna und Samuel.
Und: Gottes erstgeborenes Volk Israel. Wie oft hat genau dieser Status, dass Israel erstgeborenes Volk ist, Israel zum Opfer in der Welt gemacht.
Einmal, einmal ist es besonders.
Sieh die Pietas (Michelangelo).

Maria hält den Leichnam Jesu in ihrem Arm. Sie gab Ihn als Lebenden in die Welt – so erhält sie Ihn von der Welt zurück.
Und: Es ist Gottes Sohn.
Gott und Mensch geben den Erstgeborenen den Menschen der Welt.
Von den Habsburgern habe ich gehört, sie würden weniger durch Kriege als durch strategisches Heiraten Politik machen.
„Bella gerant alii, tu felix Austria nube!“
(„Kriege mögen andere führen, du, glückliches Österreich, heirate!“)
Aber nicht die Heirat ist der Schlüssel.
Es ist zunächst die Sohnschaft.
In einem gemeinsamen Sohn ist ein neues Eins-sein entstanden.
Gott und Mensch verbinden sich.
Und so wird der Mensch in die Liebe hineingenommen, die Gott zu den Menschen hat. Indem auch der Mensch in das Leiden Gottes hineingenommen wird.
Gottes Liebe will es nicht ohne den Menschen tun.
Stimme ich Gott zu, in diesem kühnen Vorgehen – dann gebe ich Ihm als ebendiesem Gott die Ehre.
Gott ist nicht einfach Gott: Er ist dieser Gott.
Eigentlich gehört Jesus zum Vater. Aber der Vater ist jener Gott, der hinab zu den Menschen geht, ihnen zu dienen – in ihnen zu leiden.