So, 12.01.2025, Taufe des Herrn
Lk 3:15-16; 21-22 Jesus lässt sich von Johannes taufen
Zum Text
Das Volk ist voller Erwartungen. Ist Johannes der Messias? Johannes weist es von sich. Wie beiläufig wird dann die Taufe Jesu berichtet, und die Bestätigung vom Himmel: „Du bist mein geliebter Sohn, an Dir habe ich Wohlgefallen.“
Verborgenheit
Johannes beteuert, er ist nicht der Messias. Aber der Messias redet nicht davon, dass Er es ist. Auch nach der Taufe nicht. Jesus schweigt über sich, wenn es um das geht, was Er wirklich ist. Was sagen andere über ihn? Was sagt Johannes?
Was sagt der Himmel?
Sünder
Jesus lässt sich taufen, mit der Taufe des Johannes. Der Taufe der Sünder.
Ist es nicht unehrlich? Schließlich ist Er ohne Sünde.
Als ich zum ersten Mal in einer Kirche gebeichtet habe, gab es eine lange Schlange vor dem Beichtstuhl. Im ersten Moment war es mir unangenehm, vor allen Menschen zu bekennen, dass ich es nötig habe, meine Sünden zu beichten. Die Schlange hat mir jedoch auch Trost gegeben – alles Sünder, alles Sünder die es öffentlich machen, dass sie Sünder sind.
Kein heimliches Beichten durch die Hintertür des Pfarrhauses, sondern: hier bin ich, ein Tatsünder.
Jesus ist der Sohn Gottes. Nicht nur, dass Er darüber schweigt. Im Gegenteil. Er wird so sehr Mensch, dass es wahr ist, das Er Sünder ist. Sünder als Bruder des Sünders.
Wäre Er nicht wahrhaft Sünder, könnte Er nicht für meine Sünde eintreten. Er ist wahrhaft Sünder, wenn auch nicht aus eigener Tat, aus eigener Quelle.
Jesus sagt von sich, Er sei Menschensohn. Über 80-mal im Neuen Testament. Nichts sagt Er öfter von sich selbst.
Und Gott stimmt zu.
Indem Jesus Sünder ist, ist Er der geliebte Sohn, an dem Gott gefallen hat.
Gott sagt nicht: Lieber Sohn, Du stehst in der falschen Schlange, in der Schlange der Sünder. Komm her, damit ich Dich mit Purpur umhülle und jeder vor Dir aufs Angesicht falle.
Die Sünde verschwindet nicht
Jesus erlöst mich nicht von der Sünde.
Er erlöst mich von der Knechtschaft der Sünde.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Ich erhalte nicht einen Schluck Zaubertrank, etwa wie Asterix, um dann sündenfrei zu leben. Zumindest so lange er wirkt.
So ist es nicht.
Sondern es kommt etwas Neues in die Welt.
Etwas, was mit dem Frankl’schen dennoch zu tun hat.
Die Liebe Gottes berührt den Aussatz (siehe gestern) und offenbart damit, dass die Liebe größer ist als die Sünde.
Jesus stellt sich in die Schlange der Sünder und offenbart damit, was die Stimme aus dem Himmel dann bestätigt: Das ist mein geliebter Sohn.
Gott liebt durch den Aussatz hindurch.
Der Aussatz ist Bild für etwas, was ich selbst sein wollte. Ich wollte, dass die Welt weiß, wer ich bin, und dass ich liebenswert bin – und so wurde ich aussätzig.
Gottes Sohn ist insofern offenbar, als er als Sünder offenbar ist.
Als Sünder für den Bruder. Als Bruder vor aller Sünde und über aller Sünde.
Das bestätigt die Stimme.
Sie bestätigt es gerade darin.
Sohnschaft Gottes ist nicht Herrlichkeit, sondern Liebe. Liebe, die den Aussatz berührt. Liebe, die sich schmutzig macht in der Schlange der Sünder.
Niemand kann den Aussatz der Eitelkeit abkratzen.
Aber ich kann die Liebe so annehmen, dass das in mir, was Liebe ist, zum Vorschein kommt.
Erst der Kuss Gottes offenbart mir, dass ich einen Mund zum Küssen habe.
Ich vollziehe, was mich berührt – die Liebe.
Mein Zepter ist die Fähigkeit, zu lieben. Es übertrifft das Schwert in meiner Hand, das Liebe erzwingen will.
Praxis
Im Alltag sorge ich mich spontan immer noch, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle. Gerade, was mein wichtigstes Schwert, die denkerische Wahrheit, angeht.
Wenn ich in meinem klugen Denken meine, recht zu haben.
Der Himmel öffnet sich, wenn ich mich verberge UND den schmutzigen Mantel der Ungerechtigkeit trage. Der andere sieht in mir einen Sünder.
Ist es eine ungerechte Sicht, weil ich endlich mehr lieben will, als recht haben?
Dann höre ich: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“.