Wer ist die Braut?

So, 19.01.2025, Familiensonntag

Joh 2:1-11 Die Hochzeit zu Kana

Zum Text

Am dritten Tag war eine Hochzeit in Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war auch da. Ebenso Jesus und Seine Jünger.

Als der Wein ausgeht, sagt Maria es Jesus. Er antwortet mit Worten, die zunächst hart klingen. Maria aber sagt zu den Dienern: Was Er euch sagt, das tut.

Der weitere Verlauf ist bekannt.

Über die Dynamik des Tages habe ich am 04.01.2025 geschrieben, siehe die Dynamik jeden Tages.

Ich spreche heute weiter dazu. Was bedeutet die Hochzeit.

Das Weinwunder

Zuerst spanne ich den Bogen in die andere Richtung.

Sechs steinerne Krüge, für die Reinigung nach jüdischer Sitte.

Johannes verschwendet kein Wort – was bedeutet dies?

Gestern gab es eine kritische Anmerkung zu meiner Frage, ob der Gelähmte vielleicht Israel sei. So fiel es mir schwer, die Auslegung zu prüfen, ob es ein Symbol der alten Ordnung Israels ist, die hier angedeutet wird.

Aber ich bleibe bei dem, was ich höre – auch wenn es falsch sein könnte, ich kann doch nur dies sagen und nicht Erwartungen entsprechen.

Der Wein Jesu ist so viel mehr als das Wasser Israels bis dahin, dass es überwältigt. Mehrere Hundert Liter bestens Weines.

Israel ist als Volk bis heute beim Wasser geblieben.

Aber hat die Kirche diesen Wein?

Wenn ich zu Simcha Thora Israel mit der Thora im Arm tanzen sehe, sehe ich den Wein bei Israel. Das sehe ich in meiner Kirche eher nicht.

Bisher, so scheint mir, ist der Wein in Krügen – aber noch nicht am Speisemeister vorbei zur Hochzeitsgesellschaft gelangt.

Aber eine andere Frage bedrängt mich schon seit Langem mehr:

Wer ist die Braut?

Ist die Kirche die Braut?

Im Begleittext habe ich dies ausführlich betrachtet, siehe: Wer ist die Braut? .

Wenn ich das Apriori, die Kirche sei die Braut, suspendiere, erklären sich so viele Geschichten Jesu viel besser und einfacher.

Wer sind denn die zehn Jungfrauen? Sie sind nicht Braut, sie sind Brautjungfern.

Wer sind die, die von den Hecken und Zäunen gesammelt werden? Sie sind nicht Braut, sie sind Brautgäste. Wer sind diese?

Sind es die Heiden? Nein.

Ist es Israel? Sicher nicht.

Israel wird so oft als Gottes Bräutigam genannt, das kann nicht aufgehoben werden.

Israel ist die Braut

Das scheint mir die richtige Auslegung.

Und mehr: Ist Israel nicht Braut, so ist keine Braut.

Es gibt keinen Ersatz.

Ich, ich möchte mich ganz ans Ende der Tafel setzen und mich an der Braut freuen, die endlich ihren Bräutigam küssen darf, wie es die alte Regel ist.

Keinesfalls will ich die Braut beiseite schieben und mich selbst so nennen – oder meine Kirche.

Ich bin Katholik und somit der Lehre der Kirche unterworfen.

Ich freue mich zu lesen, dass das Bild von der Kirche als Braut keine Lehre ist, deren Hinterfragen mich vom Boden der Kirche ausschließt.

Wenn ich, z. B. von mir als jemand rede, der in die Sohnschaft eintreten will, sage ich auch nicht, dass das Bild vom Schaf falsch ist. Es hat eine Aufgabe, es ist nicht die Sache selbst! Vielleicht so auch das Bild von der Kirche als Braut.

Wann?

Ob und wann der Hausher zu mir als Katholiken sagen wird: Rück ein wenig auf Freund, das weiß ich nicht. Vielleicht gar nicht.

Zumindest nicht, wenn ich es selbst tue.

Dass ein unendlicher Gott Unterschiede macht, ist nur ein Problem für ein philosophisch griechisches Weltbild.

Gott ist Gott und keinem irgendeine Rechenschaft schuldig.

In jedem Fall möchte ich lieber im Hause Gottes Betten machen und aufräumen, als in einem Palast König zu sein.

Ich freue mich an der Freude des Bräutigams an Seiner Braut – auch wenn ich es nicht bin.

Sollte ich meinem Gott nicht gerne gönnen, den langen Weg mit Seinem Volk Israel so zu vollenden, dass Er sie in Sein Brautgemach führt?

Nur eines will ich nicht vergessen.

Die Hochzeit ist die Hochzeit Israels mit Jesus – mit niemand anderem.

Mit dem, der von einer langen Reise (zu uns Gojim) endlich zurückkommt.

Der, dessen Wein noch so viel mal mehr ist, als selbst die schönste Thorafeier.

Es ist eine Andacht – kein theologisches Manifest.

Hinterlasse einen Kommentar