Mi 22.01.2025
Mk 3:1-6, Heilung am Sabbat
Der Text
Am Sabbat in der Synagoge. Ein Mann mit einer verdorrten Hand ist dort. Jesus fragt, ob man am Sabbat Gutes tun soll oder nicht.
Sie schweigen. „Und Er sah sie ringsum an mit Zorn und war betrübt über ihr verstocktes Herz“.
Verdorrte Hand
Die Art der Krankheit ist vermutlich immer ein Symbol.
Von einer verdorrten Hand wird berichtet, als König Jerobeam seinen Propheten angreifen will. Ihm verdorrt die Hand (1.Kö 13,4). Verdorren ist völlige Ohnmacht. Vielleicht Ohnmacht aus einer Rebellion.
In Hesekiel 37 werden die Gebeine als „sehr vertrocknet/verdorrt“ bezeichnet. Vollkommen ohnmächtig.
Hier ist also eine partielle Ohnmacht.
Gefühle Jesu
Im Neuen Testament wird etwa an 30–40 Stellen von Gefühlen Jesu berichtet. Mitleid ist dabei die häufigste Emotion.
Mir scheint, Gefühle sind ein Phänomen in der Zeit. Ohne Zeit gibt es keine Gefühle. Daraus folgere ich, dass Gott keine Gefühle hat – besser gesagt hätte, wenn Er nicht durch – oder in Jesus Anteil an der Zeit hätte.
Zorn Jesu
Jesus schaut jeden einzelnen Menschen an und sucht Erbarmen.
Aber Er findet es nicht.
Stattdessen findet er Herzenshärte.
Ich bezeuge aus der Seelsorge/Therapie: Wie oft schaue ich Menschen an und finde diese Erbarmungslosigkeit in ihnen. Es ist das Häufigste, was ich sehe. Und es ist das, worum die Menschen kämpfen. Sie wollen kein Erbarmen haben.
Gerade in der Familie nicht, in der Ehe am schlimmsten.
Nun wird berichtet, dass Jesus zornig wird.
Zorn ist ein unbedingter Anspruch, der auf eine eigene Ohnmacht stößt.
Die Ohnmacht Jesu ist offenbar.
Er kann eine vertrocknete Hand heilen – aber Er, Gott, kann das Herz des Menschen nicht erweichen.
Der Wille des Menschen ist sein König, siehe Der innere König.
Ein König, den Gott immer respektiert.
Warum dann Zorn?
Wäre es nicht klug, mit den Schultern zu zucken und den Menschen seinem Willen zu überlassen.
Der Zorn gegen das verhärtete Herz ist zunächst an den Menschen fruchtlos. Er führt aber dazu, dass Jesus selbst betrübt ist.
Im kurzen Begleittext Zorn Gottes habe ich einen Ausschnitt meines Dialogs mit der KI wiedergegeben. Meine Aussage ist:
„Der Zorn Gottes kann also nur ein Zorn in der Zeit sein, der der unsichtbaren Welt einen Raum öffnet, in dem Busse möglich ist.“
Die Antwort der KI ist z. T. wunderbar.
Ich zitiere hier zwei Stellen:
„Der Zorn Gottes ist nicht willkürlich, sondern eine Bewegung innerhalb der Geschichte, die den Menschen zur Umkehr ruft.“
Und:
„In der sichtbaren Welt erleben Menschen den Zorn Gottes als Krise, Not oder Gericht.
In der unsichtbaren Welt (der geistlichen Dimension) ist dieser Zorn vielleicht eher eine Durchdringung der Seele mit Wahrheit, die zur Erkenntnis und Umkehr führen kann.“
Die Durchdringung der Seele mit der Wahrheit – welch ein Satz.
Der Zorn verkündet den vollen Einsatz Gottes für Zweierlei:
a) Für die Wahrheit
b) Für das unbedingte Interesse Gottes an mir.
Ein Interesse, das Gott selbst in das Leiden, in das Betrübt sein führt.
Konsequenz
Ich stehe ganz am Anfang.
Aber ich erlebe es so: Die Härte des Herzens des Menschen vor mir verbindet sich mit meiner Ohnmacht zu einem Leiden in mir.
Einem Leiden, das auch Gott empfindet.
In der Summe des Leidens entsteht ein Raum für den anderen, für den Himmel. Eine Tür geht auf.
Ob und wann jener hindurchgeht, ist nicht in meiner Hand.
Ich will diesem nicht ausweichen, sondern mich an Deine Teilhabe an diesem Leiden erinnern und trösten.