Unterschiedlich geliebt

Di 28.01.2025 Jerusalem

Mk 3:31-35 Jesu Mutter, Jesu Geschwister

Der Text

Viele Jünger umgeben Jesus. Jesu Mutter und Brüder stehen vor dem Haus und lassen Jesus rufen.

Er blickt auf die Menschen, die im Kreis um Ihn sitzen, und sagt: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder.

Wer den Willen Gottes tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.

Schmerz

Ich habe an anderer Stelle schon darüber geschrieben. Es ist keine Abwertung der Familie, es ist eine Aufwertung derer, die dem Vater gehorsam sind.

Woher aber kommt der anfängliche Schmerz beim Lesen dieses Textes?

Wie wäre es, wenn Jesus jemanden mehr liebt als den anderen?

Es wird berichtet von dem Lieblingsjünger Jesu, Johannes.

Wieso?

Ist Jesus Liebe nicht für jeden gleich?

Wie kann ich damit umgehen, nicht genauso geliebt zu werden wie jemand anderes?

Weniger geliebt

Mein Vater hat seine Kinder von ganzem Herzen geliebt.

Aber doch nicht alle gleich.

Viele sagen mir, sie lieben ihre Kinder alle gleich.

Ist das so?

Oder ist es eine heimliche Sorge, ungerecht zu sein? Ein lieben Wollen, vielleicht sogar sich selbst für gut und gerecht zu halten in dieser wichtigen Sache?

Ich möchte dieser Wirklichkeit nicht ausweichen.

Was höre ich in meinem Herzen dazu?

Lieben

Liebe ist Teilhabe an dem „Lagerfeuer Gottes“, wie ich es in „Die Freude ist nicht in mir“ beschreibe.

Sie ist weniger ein Begriff der Quantität, als der Teilhabe und, ja und der Teilgabe.

Die Freude der Liebe hängt zumeist an meiner eigenen Teilgabe, meiner eigenen Hingabe. Wichtiger als geliebt zu werden ist – zu lieben.

Das beutet nicht, dass die Liebe keine Antwort will oder braucht. Aber zunächst ist sie nicht davon abhängig. Ich kann schon lieben, lange bevor ich geliebt werde. Und ich kann intensiver lieben, als ich es von dem Geliebten vermute.

Das ist doch gerade die Liebe: Sie ist stiftende Kraft. Sie ist „Holzscheit im Feuer“, wie ich es sinngemäß von Johannes vom Kreuz gehört habe.

Praxis

Ich habe in meinem Leben genau solche Dinge. Menschen, die mir sehr wichtig sind, lieben andere Menschen mehr als mich.

Was kann ich tun?

Ich entschließe (im wörtlichen Sinn schließe ich mich dafür auf) diesen Dritten, von jenem Geliebten, mit zu lieben.

So wie ich mich an der Freude dessen erfreue, den ich liebe, so erfreue ich mich ebenso an seiner Liebe und dem Objekt seiner Liebe.

Ich schaue jenen Menschen an, der von dem geliebt wird, den ich liebe. Und erlebe die Freude des Gönnens. Die Mitfreude an der Liebe, die ich erlebe. Ich freue mich – im Bild – an der Freude, die ich sehe.

Tore der Liebe

Eigentlich schreibe ich nicht gern über die Liebe. Sie wird so oft unterschiedlich gedeutet. Nun habe ich es begonnen und hoffe, das Wort zu füllen.

Wenn ich die Tore meines Herzens öffne, um aus mir heraus an die Orte der Liebe zu gehen, dann bin ich immer auch persönlich Teil davon. Der Freund des Bräutigams freut sich an der Freude des Bräutigams – ohne Einschränkung, mit restloser Freude.

Israel ist der geliebte Sohn Gottes, ich denke: die eigentliche Braut.

Ich freue mich daran, mit überfließender Freunde und bin darin glückselig. Jesus redet von den geladenen Gästen.

Ich bin Gast. Egal, wo ich sitze, es ist wunderbar.

Hinterlasse einen Kommentar