Kopfschütteln

Mi 04.02.2024

Mk 5:21-43 Die Tochter des Jaïrus und die blutflüssige Frau

Der Text

Es ist die verschachtelte Geschichte von der Auferweckung der Tochter des Jaïrus und davon, dass Jesus auf dem Weg dorthin von dieser leidenden Frau berührt wird. Eine wichtige, prophetische Erzählung, die ich schon des Öfteren betrachtet habe.

Z. B. in Kirche und Israel Nur das eine wollen

Heute wieder ein Aspekt, der scheinbar beiläufig erwähnt wird. Für mein Leben aber praktische Bedeutung hat.

Wer hat mich berührt?

Das fragt Jesus – und Seine Jünger wiederholen die Frage. Wie mir scheint, mit einem Kopfschütteln: Du siehst, dass Dich die Menge umdrängt – und fragt diese Frage?

Vielleicht war es wirklich eine Frage der Jünger – ich vermute aber, es war ein gewisses Kopfschütteln darin. Wie kannst Du solch eine Frage stellen?

Wie oft tue ich eben solches selbst. Ich erlebe jemanden oder jemand sagt etwas und ich frage mich, wie er das sagen kann.

Geschieht solches nicht schnell bei Gesprächen über andere, über Politiker, über Putin oder andere? Oder über „den Staat“?

Ich selbst hatte die Frage gestern, im Zusammenhang mit ultraorthodoxen Juden. Es fällt mir schwer, nicht zu denken „wie können sie bloß?“ – nicht nur als Frage, sondern auch als Kritik.

Ich habe schon ein paar mal darüber geschrieben. Die Torheit des Kopfschüttelns.

Ganz praktisch in der Ehe!

Wie oft höre ich dies in der Eheberatung. Menschen denken, der andere wäre in diesem oder jenem ein unfassbar törichter Narr.

Markus notiert dieses Verhalten der Jünger. Es ist ihm wichtig.

Sie verlachten Ihn

Noch mehr an dieser Stelle. Jesus sagt, die Tochter des Jaïrus schläft nur – und sie verlachten Ihn. Sie meinten gewiss, sie wüssten es besser.

Die Jünger werden hier nicht genannt – vielleicht haben sie etwas gelernt.

Jesus treibt die Lachenden hinaus.

Sie stören – denn dieses Lachen ist Unglaube, ist das Festlegen des anderen auf meine Erwartung.

Jesus sagt immer wieder: Dein Glaube hat dir geholfen. Und die Evangelien betonen, dass dort, wo Unglaube ist, Jesus wenig tun kann. Selbst der Unglaube der umherstehen, oder des Dorfes, wie es morgen, in der Heimatstadt Jesu, sein wird.

Betrachtung zum Kopf schütteln

Mir scheint, es geht dabei um die Verbundenheit.

Jesus kommt und begibt sich hinab in die Welt der Menschen. Damit wir nicht hinaufsteigen müssen in die Welt Gottes.

Du begegnest mir in gewisser Weise auf Augenhöhe.

Weil Du mir begegnen willst. Du bist Gott, aber lässt dieses ganz beiseite – um mit mir „am Lagerfeuer“ sitzen zu können.

Wenn Du nun herabkommst, sollte ich nicht aufsteigen und mich über Dich stellen. Über Dich, indem ich Dir und mir sage, was lächerlich ist, unmöglich und eine komische Frage (wer hat mich berührt).

Ich will ganz da bleiben, wo Du bist.

Das wird mich immer wieder und mehr und mehr ins Staunen bringen – nicht mehr ins Kopfschütteln.

Wenn Du fragst, wer „hat mich berührt“, und ich darüber staune, ist alles anders.

Ich öffne mich für das Neue, das ich noch nicht in mir habe.

„Ahh – Du spürst, wenn Dich jemand glaubend berührt. Du erkennst Unterschiede. Dein Gewand ist Teil Deines Spürens. Es ist Dir sehr wichtig, den Menschen anzuschauen, der Dich berührt. Dazu bleibst Du stehen – egal, wie wichtig Dein Gang gerade ist.“ Und mehr.

Praxis

„Es gibt immer auch einen guten Grund“. Das ist mir ein ständiger Begleiter, wenn ich den Kopf schütteln will. Wenn ich nur Schlechtes erkennen kann – stopp. Halte inne und suche zuerst Stille. Dann: habe Respekt vor jenem anderen.

Ich bin nicht sein Richter.

Sei es Putin oder die Hamas, sei es der lieblose Mensch in meiner Nähe. Auch der, der mir als Narzist erscheint oder der, der gewalttätig ist. Der sonst Dinge tut, die für mich unverständlich sind, vielleicht dumm erscheinen.

Wenn ich über jemanden stehe, kann ich ihm nicht recht begegnen. Ich nehme ihm einen Teil seiner Würde. Das Wesen Gottes wird verletzt – dass, weswegen Du doch Mensch geworden bist.

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