Sa 08.02.2025
Mk 6:30-34 Jesus hält eine lange Rede
Der Text
Die Zwölf kommen von ihrer Aussendung zurück. Jesus will ihnen Ruhe verschaffen und geht mit ihnen an einen einsamen Ort. Doch die Menschen folgen ihnen.
Er sieht sie an, sie jammern Ihn, sie sind wie Schafe ohne Hirten. Und Er fängt eine lange Predigt an.
Einordnung
Was predigt Jesus da so lange? Davon steht hier nichts. Und auch sonst steht bei Markus erstaunliche wenig über den Inhalt der Predigten Jesu, anders als bei Matthäus und Lukas.
Markus wendet sich zumeist an die Römer. Sein Evangelium ist vermutlich das früheste, die Paulusbriefe sind schon bekannt.
Marks schreibt also etwas an Römer von einem Handeln Jesu an Juden.
Die Juden sind ein altes Haus Gottes. Hier geht es nicht um Mission, wie vorgestern dargelegt.
Das ist bei den Römern anders. Der Inhalt der Lehre Jesu wird später wichtiger werden. Zunächst steht das Wirken Jesu und besonders das Leiden und Sterben Jesu im Vordergrund.
Zeiten des Hauses Gottes
Israel wird geboren, als es aus Ägypten geführt wird. Es ist eine wahre Geburt. Die Lehre kommt erst in der Zeit der Wüste. Alles hat seine Zeit – aber zu jeder Zeit gibt es viel Verschiedenes. Es gibt heute Mission – aber es gibt auch eine alte Kirche. Eine Kirche, deren Treue zur Lehre hier angefragt wird.
Offenbar war diese hoch entwickelte religiöse Gemeinschaft wie ein trockner Schwamm. Ein Schwamm, der die Lehre Jesu aufsaugte, wie ein Dürstender in der Wüste.
Meine Kirche
Besonders die katholische Kirche hat einen Schatz an Lehre, der in Qualität (aber auch an Quantität) mit dem Judentum mithalten kann – vielleicht noch mehr hat?
Die Freikirche, in der ich zudem aktiv bin, hat diesen Schatz nicht. Für ihr Selbstverständnis der Mission ist es auch nicht ganz so wichtig.
Aber: Die Kirchen sind getrennt.
Und:
Die alte Kirche predigt den Gläubigen in der Regel die Lehre nicht in der Weise, dass sie nicht auch wie dürstende Schafe nach Hause gehen.
Die neue Kirche gebiert Lämmer – aber führt sie nicht weiter, denn sie hat den alten Schatz der Lehre nicht. Oft weiß sie nicht einmal, dass sie ihn nicht hat.
Ja, es gibt unterschiedliche Phasen des christlichen Lebens. Aber sie gehören doch zusammen. Bei einigen Pastoren erlebe ich dafür Offenheit – wunderbar.
Denn: bleibt es getrennt, entsteht geistige Krankheit.
Das erlebe ich viel, sehr viel. Und es schmerzt mich sehr.
Gerade habe ich wieder jemanden gesprochen, der seine Abkehr aus einem sehr ernsthaften katholischen Elternhaus als Befreiung zu Christus erlebt hat. Andererseits erlebe ich freikirchliche Christen, die unter dem „System Freikirche“ zu geistigen Krüppeln geworden sind. Es kann nicht weniger hart gesagt werden.
Ein Jammer
Jesus jammert die Menschen.
Es ist nicht weniger. Es ist nicht möglich, zur Ruhe zu kommen, wenn diese Menschen hier zu Jesu Füßen sind.
Die Jünger sind erschöpft. Aber ich vermute, sie spüren den Jammer Jesu – ich jedenfalls spüre ihn.
Ein Wort zum Schluss.
Der Jammer ist nicht nur der Jammer der getrennten Kirchen. Es ist auch der Jammer der Trennung der Kirche von Israel.
Meine katholische Kirche hatte sich auf einen Weg gemacht, als Johannes Paul II. 1986 als erster Papst wieder in eine Synagoge ging und die Juden als ältere Brüder bezeichnet hat. Im Jahr 2000 hat er Jad Vashem besucht.
In die Klagemauer hat er einen Zettel mit der Bitte um Vergebung gesteckt. Um Vergebung für das Leid, das die Kirche über die Zeiten dem älteren Bruder zugefügt hat.
Erst Johannes Paul II.! So spät – ach.
Und wo stehen wir heute?