Freiheit gebiert – und zerstört die Liebe

Sa 22.02.2025 Cathedra Petri

Mt 16:13-19 Bekenntnis des Petrus und die Verheißung an ihn

Der Text

Nach der Speisung der 4.000 und der Warnung vor dem Sauerteig der Pharisäer kommt dieser Text. Was sagen die Leute, wer ich bin – fragt Jesus. Und was sagt ihr? Petrus antwortet mit dem Messiasbekenntnis.

Daraufhin setzt Jesus ihn zum Fels der Gemeinde (Kirche) und gibt ihm die Schlüssel des Himmelreiches.

Katholisch und Evangelisch

Dieses Thema will ich heute beiseitelassen. Nur ein Impuls:

Wenn mein Model hinarisch ist, nehme ich den Text als Beweis dafür.

Will ich eine neue Kirche, muss ich eine Auslegung finden, die mir eben das erlaubt.

Was is zuerst: Das Wort in seiner Auslegung, oder das, was ich damit begründen will?

Viele Ängste

„Was du auf Erden binden wirst, wird im Himmel gebunden sein“.

Als ich evangelisch war, dachte ich bei dem Satz, ein Priester könne jemanden vom Reich Gottes ausschließen. Aber zum einen kann auch eine Exkommunikation nicht von Gott ausschließen – das lehrt die Kirche nicht.

Und zum anderen geht es hier vermutlich mehr um eine zu schaffende Ordnung als um Heilsfragen.

Das zeigt mir, dass Ängste meine Auslegung von Texten fast unmöglich machen.

Es ist auch eine Angst vor einem Verlust von Freiheit.

Insgesamt ist die Angst vor einem Verlust an Freiheit vielleicht die zentrale Angst. Auch der Tod ist das Ende aller Freiheit.

Es ist ein großes Thema, und ich schaue heute nur auf die Frage im Blick auf menschliche Hierarchie.

Zufällig finde ich:

  • ερός (hierós) = „heilig“
  • ἄρχω (archō) = „herrschen, führen“

Eine heilige Ordnung.

Wenn die Ordnung heilig ist, es eine heilige Ordnung gibt – dann scheint sie die Freiheit auszuquetschen.

Wer bin ich dann noch?

Mit Mensch oder mit „Evangelium“

Die Evangelischen sagen, der Fels ist das Evangelium.

Es scheint besser, sich einem selbst interpretierten Evangelium zu unterwerfen, als einem Menschen, einer Ordnung.

Ich treibe aber das Evangelium Jesu geradezu aus, wenn ich mich einem Evangelium ohne Menschen, ohne Ordnung, ohne Bindung und Verantwortung unterwerfe.

Das Evangelium ist die Offenbarung der Demut Gottes. Seiner Bindung! an uns Menschen.

Ich kann das Evangelium Jesu nicht ohne Bindung haben.

Evangelium und Kirche sind eins – unauflöslich.

Niemand kommt für sich in den Himmel – niemand.

Geisel

Die Wirkung der Geiselnahme von z. B. Shiri Bibas und ihren Kindern durch die Hamas kommt von der Bindung, die Menschen zueinander haben. Konkret zu dieser Familie.

Ich will lieber zerbrochenen Herzens sein als ohne innere Bindung an diese Familie. Ohne Bindung an dieses Volk.

Israel wird an seiner empfindlichsten Stelle getroffen – der Liebe.

Gerade das Geiseldrama zeigt, wo der Mensch Gottes verwundbar ist. Ob und wieweit er Mensch Gottes ist.

Auch heute Nacht stehen in Israel viele Menschen an der Straße und begleiten die Überführung des Körpers von Shiri Bibas zurück nach Israel. Ich weiß nicht, welches Volk solch eine Liebe hat.

Ich möchte nicht frei von Menschen allein einem Evangelium dienen.

Aber Jesu Evangelium macht mich nicht frei – es bindet mich an Menschen.

Ausgegossene Freiheit

Ich habe die Freiheit nur zu einem Zweck: Dass ich sie frei ausgieße in die Liebe zum Menschen. Zu konkreten Menschen heute.

Freiheit, die nicht investiert wird, wird zu fauligen Blättern eines Baumes – ein ständiges Rufen: Du bist es mir nicht wert, mich in dich zu investieren.

Ein Missbrauch meiner Gaben für mich selbst.

Auch ein Streben nach Heil ist ein Irrtum, wenn es kein Streben nach Heil für meinen Bruder ist.

Schlimmer als eine falsche Bindung ist keine Bindung.

Hinterlasse einen Kommentar