Mo 24.02.2025, Hl. Apostel Matthias
Joh 15:9-17 Das Gebot der Liebe
Der Text
Abendmahlssaal, nach der Fußwaschung und der Rede vom in-Ihm-bleiben (Weinstock). Nun das Gebot der Liebe. So wie der Vater Jesus liebt, so liebt Jesus diese Jünger im Saal. Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe. Und Jesu Gebot ist die Liebe untereinander.
Nicht mehr Knechte, sondern Freunde – denn Jesu hat ihnen alles offenbart.
Nüchterne Betrachtung
„Wenn ihr meine Gebote haltet“.
Nicht: Weil ich euch so liebe, werdet ihr meine Gebote halten oder werdet einander lieben. Im Judentum kommt zuerst die Tat. Meine Tat.
Es ist ganz unromantisch, selbst mit der Liebe Gottes. Ohne Tat bleiben wir nicht in der Liebe Jesu. Nur wer den Willen meines Vaters tut, ist mir Mutter, Bruder und Schwester.
So, und es wird noch rauer:
Die erste und unverzichtbare Tat ist die Liebe zum Bruder. Zu dem, der Jesus auch liebt. Dem, den Jesus berufen hat (V16).
Wie sieht es denn bei mir damit aus?
Wer ist mir Freund und wem bin ich Freund? Und Freundschaft ist erst die Vorstufe.
Knecht oder Freund
Bin also ich wirklich Freund Jesu?
Und habe ich Freude, die Deine Freunde sind?
Ich fürchte, ich bin noch gar nicht ganz Knecht – und weiß von kaum jemandem, der Dir in diesem Sinne Freund ist.
In diesen Sinne:
- Dass Du ihm alles offenbart hast.
- Dass er seine Brüder liebt, wie der Vater Dich liebt.
Nehme ich das Bild des Abendmahles als Feuer in der Mitte. Dort ist Freundschaft, die füreinander stirbt – das ist der Maßstab.
Weiter außen sitzen Menschen, die Dir mit Ernst zuhören und als Knechte leben wollen. Die einander Essen machen und vom Herzen ablesen, was gebraucht und ersehnt wird.
Noch weiter außen sitzen Leute, die „die Sache so ähnlich sehen“. In manchem „gleiche Meinung“ sind. Sie reden vielleicht von einer persönlichen Beziehung zu Dir – aha.
Sind wir wirklich Deine Freunde?
Oder reden wir uns das nur ein – wie so vieles.
Wird ein Dritter sagen: Oh, die sind so Freunde, die lieben einander, sie stehen füreinander ein und haben ganz Anteil aneinander.
Oder sind viele einsame Jünger Jesu – wie ich mich sehe.
Sie können dann kaum Freunde Jesu sein – denn das würde man an der Liebe sehen.
Frucht reift
Die Liebe trägt immer Leid. Denn sie hat immer Mangel.
Der Satte hat keine Liebe. Der Lachende hat keine Liebe.
Habe ich auch wenig Freundschaft in diesem Sinne – so ersehne ich sie doch.
Und ich leide unter ihrem Mangel.
Ich will mir nicht einreden, dass etwas sei, was (noch) nicht ist. Ich kenne gute Männer und Frauen – aber es ist ein weiter Weg bis zu der Jüngerschaft von der ich hier lese – und deren Mangel ich wie ein Loch in meinem Herzen spüre.
Manchmal möchte ich schreien, so schmerzt es.
Du aber fragst mich – wem bist du ein Liebender?
Wo übersehe ich Menschen?
Wo werde ich Menschen nicht gerecht?
Wo bin ich träge und suche das Meine in Selbstsorge und Bequemlichkeit?
Jesus sagt dies am letzten Tag, es ist Seine letzten Worte. Sein Vermächtnis. Das, was bis zum Schluss in Seinem Herzen brennt.
Nicht weil es gar nicht da ist – aber auch nicht, weil alles schon gut ist.
Gott hat uns vom Himmel her besucht – mache dich auf und besuche die Menschen.