Wo der Wurm nicht stirbt

Do 27.02.2025

Mk 9:41-50 Warnung vor der Verführung zum Abfall

Der Text

Im Kontext des bisherigen beginnt der Text freundlich mit: „Wer euch einen Becher Wasser zu trinken gibt deshalb, weil ihr Christus angehört, wahrlich ich sage euch, es wird ihm nicht unvergolten bleiben.“

Dann aber die überaus harten Worte von Abhauen der Hand, die mich zum Abfall verführen will – bis hin zum Auge.

Auch das wird noch gesteigert durch die Worte von der Hölle, in der der Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht verlöscht. Es bezieht sich direkt auf Jesaja 66:24, den letzten Vers von Jesaja überhaupt.

Es gibt wieder einen Begleittext zu dem schweren Thema: Wo der Wurm nicht stirbt.

Zu schwer?

Der Text ist so gewaltig, das verschiedene Gefahren bestehen. Eine Gefahr ist, ihn abzumildern oder weg zu interpretieren. Z. B. als veralteten Drohtext.

Oder ihn an dem zu messen, was ich meine, ertragen zu können. Ich kann es menschlich nicht tragen.

Oder ihn zu allgemein zu fassen; oder ihn einfach wegzulassen, oder, oder, oder.

Ich werde ihn nicht voll erfassen – aber das Verantworten zu sagen, was ich höre.

Jesaja 66

Es lohnt sich unbedingt, das Kapitel 66 aus der Jesajarolle zu lesen. Natürlich hatte Jesus diesen Text vor Augen, als er sprach, und sicher auch Markus.

Keine Auslegung darf dies weglassen.

Jesaja schaut aus einer hohen Perspektive auf das Volk Gottes in seiner Geschichte. Und die Verbindung und das Verwoben-sein der Völker mit Israel.

In diesem Kontext ist von dem ewigen Wurm die Rede, im Tal Ben-Hinnom. Besonders als Anschauung für die, die dieses Tal kennen und sehen.

Ich habe es mir angeschaut und gehört, was die Historiker sagen. Gehenna, das Tal südlich von Jerusalem, war Müllhalde. Dort brannte Feuer, vielleicht ohne Unterlass. Und es ist der Ort, an dem Maden, die Leichname durchfressen, ihr dauerhaftes Werk tun.

Das „kleine Israel“

Im AT bezeichnet Gott Israel oft als kleines Volk, ja als kleinstes Volk. Die „Kleinen“ meint zwar auch allgemein „Kleine“ – aber im Besonderen meint es Israel. Im Begleitext ist ausführlicher vom Umgang der Völker mit Israel die Rede. Und es gibt einen entscheidenden Unterschied, ob ein Volk gegen Israel einen Krieg führt – oder ob ein Volk versucht Israel zu verführen.

Für ein Volk, das Israel verführt, gibt es keinerlei Gnade.

Das kann auch nicht sein – ich komme noch drauf.

Ohne Willkür

Ich staune, wie klar die KI versteht, dass Himmel und Hölle keine Willkür sind. Es sind existenzielle Notwendigkeiten. Es geht dabei um die Würde des Menschen – und die Würde Gottes.

Ich habe das oft beschrieben. Es ist aber immer wieder schwer dies gegen die milde des Alltags festzuhalten.

In Kürze werde ich eine eigentlich harmlose Endoskopie des Herzens erleben. Die erste, mit der ich darüber gestern sprach, erzählte mir, dass ihr Bruder genau daran verstorben ist.

Die brutale Endlichkeit des Lebens wird durch das „Phänomen des Truthahns“ vertuscht. Das Vertrauen in das Leben bei den Menschen nimmt bei einem Truthahn sein ganzes Leben lang zu. Die Erfahrung bestätigt es ihm: Der Mensch ist harmlos.

Bis zu Thanksgiving. Dort ändert sich die Erfahrung abrupt. Ein Beispiel des großen Beobachters Nassim Taleb (siehe Begleittext).

Wer heute keine Lust hat und dieser Unlust folgt, und nicht weiter über diese Frage nachdenkt, der ist in gewisser Weise einem Truthahn ähnlich.

Darüber hinaus

Jemand, der Thanksgiving (also den Tod) vergisst, ist vielleicht nur ein Tor. Wer aber dies – halb bewusst, halb unterbewusst – bedenkt und die Präsenz dieser Würde des Menschen seinen Stachel nehmen will – der ist nahe an dem ewigen Feuer.

Seinen Stachel nehmen heißt, die Sichtbarkeit Gottes aus der Welt zu nehmen.

Wo ist Gott sichtbarer als in Israel!

Die Sichtbarkeit zu nehmen, ist die Verführung zur Beliebigkeit.

Gott aber hat sich mit dem Menschen schon vermählt. In der Fleischwerdung durch Maria. Für immer.

Und Er hat uns in Seinem Kreuz den Raum geöffnet. Wir haben keine Ausrede mehr, sondern wir stehen mit der wiederhergestellten Würde vor Gott.

Wir können!

Es ist jetzt ganz unsere Verantwortung und Schuld, wenn wir dieses können negieren. Es in ein „man“ verwandeln und Verantwortung relativieren.

Der Jesaja Text macht es klar. Es gibt keinen neutralen Ort in Bezug auf Israel. Ebensowenig wie in Bezug auf Jesus Christus, sobald Er mir wahrhaft bekannt ist.

Nicht sosehr um meines Heils willen – sondern um der Ehre, ja der Würde Gottes willen.

PS:

Ich lese mit Freude die Berichte von meinem Freund Matthias Hoppe. Er dient für eine Zeit als Volontär in der Wüste Negev diesem Volk – und vollzieht wovon ich schreibe.

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