Empfange das Reich

Sa 01.03.2025

Mk 10:13-16 Die Segnung der Kinder

Der Text

Sie bringen Kinder zu Jesus, dass Er sie anrühre. Die Jünger wehren ihnen. Aber: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.

Nicht süßlich

Der Text steht da nicht, weil Jesus Kinder niedlich findet.

Er steht mitten in der Reihe der drei Leidensankündigungen. Dreimal kündigt Jesus Leid und Tod an und dreimal verhalten sich die Jünger schrecklich unverständig (siehe z. B. die Worte nicht verstehen).

Das Reich Gottes ist zwar nahe und Kinder können hinein – wir Erwachsenen haben aber solch ein Problem damit. Denn wenn es den Jüngern so schwerfällt, wie viel mehr mir.

Kann ich denn wie ein Kind werden?

Nikodemus fragt ähnlich. „Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?“ Kann ich mit all meiner Prägung und all meinem Denken wieder wie ein Kind werden?

Und wenn ich wie ein Kind werden soll – warum predigt und lehrt Jesus denn soviel? Offenbar hat die Lehre Jesu auch eine Bedeutung. Und Kinder verstehen diese Lehre nicht. Wie gehört das zusammen?

Es geht um die Annahme

Um das Empfangen.

Es gibt dies und das und jenes.

Aber das Empfangen ist etwas ganz Eigenes.

Es ist das Verlassen von allem Vorhandenen, aller Sicherheit, allem Vorwissen.

Es ist das ganz leer werden vor Dir.

Klavier

Ein Klavier hat viele Saiten. Selbst der einzelne Ton hat mehrere Saiten. Ich vergleiche die Saiten mit allem, was es gibt, bevor jemand darauf spielt.

Kein Wissen, keine Erfahrung, kein Denken ist die Musik.

Die Musik wird von jemandem anderen auf mir gespielt.

Er findet etwas in mir vor – und berührt es.

Es ist ganz von woanders her – aber doch an mir.

Nicht was ich tue, nicht was ein Klavierstimmer tun kann, ist der Sinn von mir. Das Klavier ist nichts ob seiner selbst.

Und Gott kann auch auf einem Triangel spielen. Das ist besser als ein Steinway-Flügel ohne Pianist, ja ohne Komponist.

Spannung

Im „Evangelium Tag für Tag“ kommt die Hl. Theresia vom Kinde Jesu zu Wort. Sie bleibt beim Klein-sein und will eher noch kleiner sein, um all die Verheißungen des Kleinen zu empfangen.

Wunderbar.

Und ich glaube, sie schaut mir jetzt über die Schulter – ja, sag mir, ob ich auf der rechten Spur bin.

Nichts von dem, was Du sagst streiche ich durch, liebe große „kleine Schwester“. Und muss doch dort gehen, wo ich stehe. Ich muss und will meinem Namen (Andreas) treu sein – ja treu werden.

Mir scheint, wir berühren uns an der Stelle des Empfanges. Und es ist nichts, was vorübergeht.

Nachdem und indem ich empfange (nicht davor) werde ich – so glaube ich – geführt werden: hin zu einer Stellungnahme.

Es ist ein Weg. Dazu ist es nötig, Kind gewesen zu sein und in gewisser Weise dieses Kind-sein nie zu verlieren.

Und dann weht mir manches ins Gesicht, und manch eine Begabung wird von mir als eine einzusetzende Tat gefordert.

Ist es so?

Ich empfange die Geburt – immer wieder neu. Aber doch reife ich auch und in dem Reifen verändert sich etwas.

Du, Herr Jesus, hast die Jünger belehrt und erzogen – noch bevor sie geboren wurden. Denn Du sagst zu Petrus: Wenn du dich dereinst bekehrst, so stärke deine Brüder. Die drei Leidensankündigungen verstehen sie nicht, und Du sagst es dennoch.

Das Leerräumen aller Erwartungen und Egoismen ist noch nicht vollendet – wenn es aber geschehen ist, wird die Saat Frucht bringen.

Insofern deute ich diese Stelle in gewisser Weise auch als Prophetie an die Jünger. Als „Geburtsvorbereitung“.

Ich empfange als Kind und erbe doch Dinge, die vor meiner Geburt waren.

Das ist der Stand meines Herzens – Dein Licht leuchte hinein.

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