Mi 05.03.2025, Aschermittwoch. Beginn der Fastenzeit.
Mt 6:1-5, 16–18. Vom verborgenen Almosen geben und verborgenen Fasten
Der Text
„Habt acht auf eure Frömmigkeit, dass ihr sie nicht übt vor den Leuten“. Und: „Ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater“.
Jesus bezieht das beispielhaft auf das Almosen geben und auf das Fasten.
Verborgenheit und Tod
Der Tod führt in die Verborgenheit vor der Welt – und: vor das Angesicht Gottes.
Erwarte ich mein Zuhause bei Dir, meine Geborgenheit, meinen köstlichen Geliebten?
Ich sehe es daran, ob ich schon jetzt Dinge nur mit Dir teile.
Warum soll ich damit erst morgen anfangen – warum nicht heute?
Der Tod wird meine Wahrheit vor Dir offenbaren – die Verborgenheit macht mich vertraut mit Dir und nimmt dem Tod den Schrecken, die Unsicherheit.
Wahrheit der Verborgenheit
Verborgenheit vor den Augen der Welt erleichtert die Wahrhaftigkeit. Nicht automatisch, denn ich kann Dich und mich auch belügen.
Aber im verborgenen Werk und im verborgenen Fasten übe ich vor Dir zu leben, nur im Licht Deiner – und meiner Augen.
Almosen
Almosen ist in der heutigen Zeit weniger das Geld als mehr die Zeit. Nicht einfach verstreichende Zeit, sondern hingegebene Zeit. Zeit des Sinnens über den Bruder vor Dir (Gebet). Zeit, mir von Dir über den Bruder berichten zu lassen. Zeit, mein Herz von Dir her für ihn einnehmen zu lassen. Zeit der heimlichen Tränen.
Denn so ist der Himmel – später ebenso wie schon jetzt.
Was ich vor der Welt berge bei Dir, ist geborgen.
Verborgenes schafft Heimat. Heimat bei Dir, unverlierbare Heimat.
Mit wem ich meine Geschichten teile, der ist mir Heimat, bei dem bin ich daheim.
Im irdischen Leben sind es auch Wege und Bäume und Landschaften. Erlebnisse und Berührungen.
Sie sind nicht virtuell, sie sind nicht für jeden – sie sind Dein und mein.
Verkaufte Heimat ist zerstörte Heimat. Ich entehre Dich, indem ich Intimität aufdecke.
Verborgenheit ist wie das Einzahlen auf ein geheimes Bankkonto, eine „stille Bank“. Es ist ein Anteil bei dem, der es allein kennt.
Auch mit mir selbst verborgen zu sein kann helfen, mir selbst ein vertrautes Geheimnis zu werden. Ein Geheimnis, dass nicht auf dem Verkaufstresen der Ichsucht zur Schau gestellt wird. Es schafft eine Identität mit mir selbst.
Wie viel mehr mit Dir.
Du bist zumeist verborgen. Und ich lerne: Du willst nicht allezeit ans Licht gezogen werden. Du heilst gern im Verborgenen, denn Du bist Dir selbst ein Geheimnis (kein Rätsel!).
Sich selbst ein Geheimnis zu sein heißt auch, sich selbst mehr zu vertrauen als zu kennen. Mehr sein als denkbar oder sagbar ist.
Und Du kennst mich so viel mehr als ich. Ich will mehr in Deinem Geheimnis sein, als in dem erkannt werden von der Welt. Denn in der Heimat bin ich mehr als erkannt – ich bin Teil der Heimat.
Und doch
Und doch lebe ich in der Welt. Und Du lebst in der Welt. Nicht zuerst – aber doch mit ganzem Herzen.
Du und ich sind der Anfang. Und nun: ich bin für Dich nicht wie eine Beute – sondern ein Freund. Als Freund, um Deine Liebe für den anderen zu spüren.
Mit der Heimat im Herzen den Bruder umspannen (ähnlich dem Abendblatt-Slogan).
Dazu muss ich meine leiblichen Impulse zügeln.
Denn der Leib ist der Ort der Begegnung.
Zu fasten, ist ein Ausdruck von Freiheit. Freiheit von der Dynamik des Leibes. „Wer sich nicht selbst knechtet, wird immer ein Knecht bleiben.“ (Goethe).
Faste ich, so geschehe es aus den rechten Gründen, mit dem rechten Ziel. Nur wer Herr ist in seinem Leben, dessen Hingabe hat Bedeutung. Jemand, der nur emotional liebt, dessen Emotionen lieben – aber nicht er als Person.
Liebe ich aber mit dem Willen, bin ich es.
Ich will meinen Bruder lieben, weil ich Dein Freund bin – nicht weil ich „Lust“ dazu habe.