Von Saba nach Jerusalem

Mi 12.03.2025

Lk 11:29-32 Ablehnung der Zeichenforderung

Der Text

Viele Menschen drängen sich an Jesus heran. Er aber sagt: Dies Geschlecht ist ein böses Geschlecht. Ihm wird kein Zeichen gegeben als das des Jona.

Dann das Vorbild der Bekehrung von Ninive und die Reise der Königin von Saba nach Jerusalem.

Das billige Evangelium

In dem Versuch, das Evangelium möglichst vielen zu bringen, haben wir es oft zu billig gemacht. Statt zu retten, haben wir vielleicht verdorben, indem wir Menschen mit einer kleinen Dosis immun gegen das eigentliche Evangelium gemacht haben.

Ein oft zu seichtes Evangelium haben wir gebracht – und ein teures Evangelium ist kaum irgendwo zu finden.

Kommen die Menschen aus 100, 200 oder mehr km, um das Evangelium zu hören?

Sie könnten es nicht einmal – denn wo wird es so verkündet? So, dass es recht ist, diesen Weg zu gehen?

Wenn ich wüsste, da wäre jemand, der will mich zu einem Gottessohn machen – würde ich nicht bis an das Ende der Welt fahren?

Nicht ohne Mühe

Keine Mühe, keine Anstrengung der Welt kann mich erlösen. Das habe ich auf meinem Weg im Zen-Buddhismus erlebt.

Aber das Gegenteil ist genauso falsch. Ohne Anstrengung erbe ich das Reich nicht.

Erlösung geschieht nicht durch Anstrengung, aber ohne Anstrengung gibt es keine Erlösung

Denn kein Evangelium, für das ich nicht jede Anstrengung auf mich nehme, kann mich erlösen.

Menschen sagen mir, es ist „nichts als Gnade“.

Die eine Sorte Mensch, die das sagen, haben alles gegeben und alle Mühe auf sich genommen und dann entdeckt: Das alles ist nichts im Verhältnis zur Gnade.

(Paulus, Luther, Hudson Taylor u. a.)

Die andere Sorte erzählt es mir und lebt mir keine Gottessohnschaft vor. Die billige Gnade führt zu einem billigen Leben – genauer: zu einem zu billigen.

Zur Erinnerung: Ich beziehe mich mit dem Begriff „Billige Gnade“ immer auf das zentrale Werk von Dietrich Bonhoeffer: Nachfolge (1937).

Wie kostbar bist Du mir?

Ich erkenne zunächst zwei Dimensionen der Mühe:

Zum einen den Wert dessen, um was ich mich mühe.

Denn Mühe ist, wie Liebe, Glaube und Freiheit auch, kein Wert an sich.

Sondern sie ist intentional, es geht darum, um was ich mich mühe, wen ich liebe, an wen ich glaube und wem ich meine Freiheit schenke.

Wenn Du mir nahe bist, spüre ich ein Verlangen, das jede Mühe leicht macht.

Die andere Dimension ist die Richtung.

Wofür mühe ich mich?

Gebe ich meine Mühe für anderes aus? Für meine Bequemlichkeit, meine Sicherheit, meine Ehre, meine Interessen – ja, mein jetziges Leben?

Ja, ich zweige eine Menge meiner mentalen Kraft dafür ab. Welch eine Schande.

Eine dritte Dimension

Mir scheint, es gibt doch noch eine dritte Dimension.

Sie ist verbunden mit der Treue, über die ich gestern mit einem jungen Mann sprach.

Die Treue trägt eine Entscheidung über eine Zeit hinweg, in der die Kräfte der Intention und der Wahl nicht präsent sind.

Sie mobilisiert eine Klarheit der geistigen Entscheidung über die Zeit der Wüste der Irritationen hinweg. Die Wüste der Widerständigkeit und der Reinigung.

Treue, griechisch pistis (πίστις) im Hebräischen am besten mit אֱמוּנָה (’emunáh) übersetzt. ’emunáh, z. B. in 5. Mo 32,4: „Gott ist treu“.
Und: Habakuk 2,4: „Der Gerechte wird durch seine Treue/Glauben leben“.

Luther übersetzt hier „Glaube“, was die Menschen aber heute eher in die Irre führt.

Interessant ist, dass das Wort „Amen“ אָמַן aus ebendieser Wurzel stammt!

Der Normalzustand

Die Erlösung ist der Anfang. Das gelobte Land, das (vorläufige) Ziel. Dazwischen ist die Wüste.

Das ist das Leben.

Wer meint, das schöne Leben auf der Erde wäre das Ziel, der irrt.

Das Leben ist der Preis, den ich gebe, für mein Leben als Sohn Gottes.

Da hilft es, dass das ewige Leben schon jetzt anfangen soll und kann. Die Lust der Welt vergeht ohnehin. Warum soll ich sie nicht darbringen, um die Freude an Dir zu erben?

Aus der Freude an Dir, Herr Jesus, lerne ich ein anderes, gutes Leben auf der Erde.

Die Freude an der Familie z. B. ist direkt mit dem Himmel verbunden. Noch mehr ist es die heilige Ehe. Die Pflege des Erbes gehört dazu und das pflanzen eines Baumes (als Symbol).

Und: die Heilung meines Bruders durch seine Annahme, gerade in seiner „Merkwürdigkeit“, ja vielleicht seiner Krankheit.

Koste es, was es wolle. Ich will mich auf den Weg machen – von Saba nach Jerusalem.

Hinterlasse einen Kommentar