Do 20.03.2025
Lk 16:19-31 Vom reichen Mann und armen Lazarus
Der Text
Die allseits bekannte Geschichte vom Reichen, der allezeit in Freuden lebte und nach dem Tod gequält ist. Und vom armen Lazarus vor dessen Tür, der in Abrahams Schoß ist. Der Reiche verhandelt mit Abraham, zuerst ob seiner selbst, dann aber für seine Brüder.
Ausgleichende Gerechtigkeit?
So scheint es zunächst. Aber ist das das Wesen Jesu? Ausgleich? Gerechtigkeit? Strafe für Reichtum und Lohn für Armut?
Ich kenne Dich anders, mein Herr.
Was verbirgst Du in dieser Geschichte?
Namen
Die Geschichte steckt voller Namen und expliziter Nicht-Namen. Der reiche Mann hat keinen Namen.
Im Judentum bedeutet das mehr als bei uns, viel mehr. Nicht nur, dass er niemand ist, sondern dass auch niemand seiner gedenkt.
In meinem Bericht zu Jad Vashem schreibe ich davon, dass dieser Ort die Namen bewahrt. Schmah Israel, höre Israel. Wer keinen Namen hat, kann nicht gerufen werden. Dieses Schmah steckt in Va-Shem.
Ein ausgelöschter Name ist erst der wahre Tod.
Lazarus kommt von El’Azar. Oft Eleasar geschrieben. Es war der dritte Sohn Aarons. Dieser hat nach dem Tod der beiden Erstgeborenen den Dienst des Hohepriesters übernommen.
Und Lazarus ist der, den Jesus doch von den Toten auferweckt (Joh 11). Und viele glauben – aber nicht die „Reichen“ des Volkes, so wie es Abraham vorhergesagt hat.
Abraham ist der Vater des Glaubens. Er ist überhaupt „der Vater“. Denn sein Leben ist nur Saat. Alles, was er ersehnt, ist Nachkommenschaft. Es geht immer um den Sohn, um die große Schar, die ihm von Gott verheißen wird. Schau in den Himmel und zähle die Sterne. Das wird dein Lohn sein.
Söhne
Die Geschichte des Lazarus wird nicht weiter beschrieben. Aber der Name deutet es an: Er ist ein Segen für das Volk. El’Azar: Gott hilft.
Die Qual des reichen Mannes ist auch bestimmt dadurch, dass er nichts für seine Brüder tun kann. Das Feuer hat ihm die Augen geöffnet – was auch der Sinn des Feuers ist – aber er selbst kann nichts tun. Er ahnt: Nur Lazarus könnte es tun. Nur Lazarus kann zu den Lebenden gehen und ihnen vom Heil erzählen.
Ich habe dieses Mal nur den Rest meines Dialogs mit der KI bei Craft hinterlegt, Lazarus und Abraham, denn dort steckt drin, was ich aus dieser Geschichte empfangen habe.
Kotel
Die Mauer, von der ich vor ein paar Tagen sprach (17.03.2025 „Ein lebendiger Tempel“).
Ich befinde mich an einer Stelle in dieser Mauer und denke Gerechtigkeit zumeist horizontal. Du aber lebst Gerechtigkeit als Vaterschaft.
Wenn ich recht lebe, wird meine Nachkommenschaft auf dieses Fundament aufgebaut. So wie ich auf meinem Vater Armin aufbaue. Sein Leben hat das Meine fundiert. Ohne ihn wäre ich nicht der, der ich bin. Mit großem Dank gedenke ich seiner.
Abraham hatte kein Land, obwohl Gott es ihm verheißen hatte. Er war Nomade, der umherzog. Erst für das Begräbnis seiner Frau Sara kauft Abraham die Höhle von Machpela (siehe Begleittext).
Ich habe mir früher nicht vorstellen können, wie so viele Juden ohne einen Glauben an Auferstehung leben können. Es ist meine egoistische Weltsicht. Ich und mein ewiges Leben.
So ist Dein Reich nicht.
Diese Selbstbezogenheit erscheint mir wie eine Burg in meinem Herzen. So will ich nicht mehr leben.
Ausgegossen für den anderen, so wie meine Frau es schon immer ist.
Welch einen Umweg bin ich gegangen –