Fr 28.03.2025
Mk 12:28b-34 Die Frage nach dem höchsten Gebot.
Der Text
Ein Schriftgelehrter hat gehört, wie Jesus in der Frage der Auferstehung die Sadduzäer widerlegt. Er fragt Jesus daraufhin: Welches ist das höchste Gebot? Jesus antwortet mit zwei Schriftstellen aus sehr verschiedenen Quellen. Er spricht von der Gottesliebe und der Nächstenliebe.
Der Schriftgelehrte führt es weiter aus – Jesus sieht die verständige Antwort und sagt: Du bist nicht fern vom Reich Gottes.
Ich bin in Lebensgefahr
Das meine ich konkret. Die Diagnose ist „schwere koronare Dreigefäßerkrankung“. Eine große OP ist geplant. Ich weiß das seit acht Tagen.
Seitdem suche ich nach Alternativen zu dieser großen OP.
Es gibt vielleicht eine Möglichkeit – aber die bedeutet ein radikal anderes Leben. Mit radikal meine ich radikal – mehr als ich es jemals vorhatte. Für den Rest des Lebens.
Aber es geht um mein Leben.
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von all deinen Kräften“.
Ist das nicht diese Radikalität, diese Entschiedenheit, die ich mir im Blick auf mein physisches Leben plötzlich vorstellen kann?!
Ist es nicht genau das?
Der Herzspezialist Esselstyn redet bei dem Konzept davon, dass es keine Ausnahme geben darf. Keine Unschärfe, keine „Kleinigkeiten“.
Redet Jesus nicht hier genau so?!
Ist mir mein Herz, mein Körper, denn näher als Gott?
Nicht fern vom Reich Gottes
Die Antwort des Schriftgelehrten ist wunderbar. Was sollte mehr möglich sein?
Warum konstatiert Jesus ihm nur eine Nähe zum Reich Gottes – nicht eine Zugehörigkeit?
Darüber habe ich gestern geschrieben.
Der Tag, an dem das Reich Gottes da ist, wird mich in eine Entschiedenheit bringen, wie es nie vorher war.
Die Notwendigkeit, mich darauf vorzubereiten, braucht „die Nähe“ des Reiches Gottes. Je näher es ist, desto klarer wird mir, wer ich wirklich bin.
Wie tief ich doch noch in Selbstsucht und Misstrauen feststecke.
Wusste ich es denn nicht vorher?
Von meinem Herzen wusste ich es zwar nicht – aber an anderer Stelle staune ich, wie leichtfertig ich mit meinem Körper umgehe. Mein LDL Wert ist 175, bei meiner Diagnose sollte er unter 55 liegen. Das wusste ich im Prinzip.
Aber.
Ich habe viele Ausreden.
Gute Ausreden.
Man kann sie sogar „Gründe“ nennen.
Aber jetzt, wo mir alles so nahe ist, scheinen sie mir lächerlich.
Vollkommen lächerlich.
So auch vor Gott, vor Dir Vater.
All meine Ungenauigkeit, meine Lauheit, mein Zögern – viele gute Gründe.
Wirklich?
Ich bitte Dich, dass mir Dein Reich so nahe kommt, wie mir der Tod gerade nahe ist – wenn nötig noch näher.
Dass Tränen die Härte der Kompromisse wegspülen und die Regungen meines Herzens in Deinem Licht aufgedeckt und gereinigt werden.
Dass die Versorgung des Herzens nicht stockt, an der Bequemlichkeit des Alltags.
Jeder Kompromiss lagert sich ab. Am „LAS, Cx, RCA“ und anderen Stellen. Die Sauerstoffversorgung leidet – mein Herz verliert Kraft – aber mehr noch: Es verliert Zukunft.
Literarische Entfernung
5. Mo 6,4-5 steht im „Schma Israel“. Im täglichen jüdischen Bekenntnis. Höre, höre mein Volk.
3.Mo 19,18 steht bei den Heiligkeitsgesetzten, dem ethischen Verhalten innerhalb der Gemeinschaft.
Nur Jesus verbindet es.
Ein Leben in der Nähe des Reiches Gottes fügt den Alltag an das Heilige an. Meine Gottesnähe erkenne ich an meinem Alltag.
Zuerst am Umgang mit Dir, Bruder.
Aber auch am Umgang mit Dingen.
Und nun: auch am Umgang mit meinem Leib.
Ohne Ausnahme!
An dieser Stelle bin ich nun. Toleranz gab es genug – das Gewackel muss ein Ende haben.
PS
Toleranz im Maschinenbau ist die noch mögliche Abweichung vom absolut genauen Mass. Z. B. einer Welle durch eine Buchse. Ist die Toleranz zu groß, nutzt die Welle schnell ab, wackelt und verklemmt am Ende vielleicht.