Di 13.05.2025
Joh 10:22-30 Jesus wandelt in der Halle Salomon
Der Text
Zu Chanukka, im Winter, geht Jesus in den Hallen Salomon umher. Die Juden sagen: Wie lange hältst Du uns in der Schwebe? Jesus sagt: Meine Schafe hören meine Stimme. Am Ende der Satz von vorgestern: Ich und der Vater – wir sind eins.
Voller Atmosphäre, voller Symbole
Im kurzen Begleittext Der letzte Ruf des Hirten nenne ich einige Symbole etwas ausführlicher.
Chanukka – Winterfest. Fest des eigenen Erfolges, des letzten großen erfolgreichen Aufstandes der Juden.
Winter – seit Jahrhunderten hatten die Propheten nicht gesprochen – selbst damals beim Makkabäeraufstand nicht. Zeit der Kälte, der Dunkelheit, des verborgen seins.
Halle Salomos – in gewissem Sinn ein Missbrauch. Denn es war die Halle, die Herodes der Große gebaut hat. Er wollte einen Bezug zum weisen Salomo – Anmaßung eines Königs. Heute ist die Halle unter der Tempelplatte, nur für Moslems zugänglich. Ort des nicht jüdischen, im Herzen Israels.
Jesus wandelt – wie ein suchender Hirte. Vermutlich in innerer Unruhe. Denn es ist das letzte große öffentliche Auftreten Jesu. Danach kommt schon der Auftakt des Endes, denn so deute ich die Auferweckung des Lazarus.
Herz Jesu
Im Sinne meiner vier Säulen schaue ich auf das Herz Jesu.
Es ist ein wenig, als wenn Jesus sich selbst predigt. Zwei Herzen schlagen in Seiner Brust. Das eine weiß, dass es ist, wie es ist. Dass fast alle Menschen Ihn ablehnen. Dass Sein geliebtes Volk Ihn zumeist verlassen hat, die Führer Ihn töten werden.
Aber zugleich brennt ein Sehnen in Ihm, ein Sehnen um jedes Schaf.
Wennschon um ein einziges Schaf – wie viel mehr um die Herde Seines Vaters, hier in Israel, in Jerusalem – auf dem Tempelplatz.
Es ist die ganz große Katastrophe des Gottes, der sich ein Volk gebildet hat, es an Seiner Brust genährt hat, es geführt und geleitet hat. Es war eine Perle unter den Völkern, der Augapfel Gottes.
Jesu steht hier vor einem Scherbenhaufen.
Auf diesem Tempelplatz wird das Blut von Tausenden fließen, in Jerusalem das Blut von Millionen. Es wird kein zweites Chanukka geben, alle Aufstände werden blutig enden, am Ende die völlige Zerstreuung des Restes.
„Für einen kleinen Augenblick habe ich dich verlassen“.
„Im Sturm meines Zorns verbarg ich mein Angesicht einen Augenblick vor dir.“
Jes 54:7-8
Es ist schrecklich, diesen Moment zu erleben. Wenn es auch eigentlich ein Trostvers ist – denn er geht weiter – so ist es doch in jenem Moment großer Schmerz.
Gestern war ich in der kleinen Thora-Gruppe von Bettina v. B. und wir sprachen über die vier Söhne Aarons. Und den schrecklichen Tod der zwei Älteren (siehe Begleittext).
Die Geschichte geht zwar weiter. Weiter mit den verbliebenen zwei Söhnen.
Aber nicht mit den Älteren.
Ein ungeheuer Schmerz für Aaron – vielleicht ein wenig der Schmerz Jesu, des eigentlichen Priesters vor Gott.
Keine Vergebung
Nicht alles wird immer einfach so vergeben.
So ist Gott nicht – sorry.
Gerade in der Nähe Gottes gilt die Heiligkeit Gottes. Die Würde Gottes.
Also auch für Christen!
Eines Tages kommt der letzte Aufruf des Hirten – für die Christen.
Und die Christenheit wird denken, sie sei es, die über die Kirche richtet – so wie damals die Pharisäer.
Sie wird „fremdes Feuer“ bringen und meinen, sie tue etwas besonders Gutes. Heute vielleicht das fremde Feuer der neuen Moral.
An mir ist es, das Herz Jesu zu teilen – nicht zu richten.
So soll es sein.