So 18.05.2025
Joh 13:31-33a, 34-35
Der Text
Judas ist gegangen. Jesu redet von der Liebe. Er nennt es neues Gebot: „dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe.“ Und: „Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid.“
Begleittext:Lieben ist aktiv
Tätige Liebe
Mir scheint, die Liebe hat zunächst zwei Aspekte:
Die Bundestreue
Liebe im Mosaischen Bund ist Bundestreue Gottes und die Aufforderung zur Antwort des Volkes Israel. Wer glaubt, er liebe und trennt sich, kennt die Liebe nicht.
Konkret:
Bleibe in dem, in dem du berufen bist.
Besonders in der Ehe. Aber auch die Gemeinde, dann das Land, die Freundschaft.
Dieser Bund ist der Ort der Tat. Der Ort, in den hinein ich meine Lebensvollzüge für den anderen einbringe.
Liebe ist nicht „frei“ in dem Sinne, dass sie sucht, was und wen sie will. Sie ist ein gegebener Bund. Liebe ist wesentlich Antwort, nicht Impuls.
Unser Sein ist generell mehr Antwort als Ursprung.
Die Versöhnung
Liebe ist in der realen Welt kein Status. Kein Modus. Kein Zustand.
Sie ist ein Weg, der gegangen werden muss. Ein Weg nach oben, gegen den natürlichen Widerstand.
Vorfindlichkeit von Kameradschaft oder Sympathie oder Erotik sind Randerscheinungen – nicht der Kern.
Das neue Gebot
Es ist zunächst ein Gebot – also keine Vorfindlichkeit.
Habe ich das Gefühl, ich liebe jemanden, dann ist es noch nicht das, was ich meine.
Etwas, das ich vorfinde, braucht kein Gebot!
Auch was mich zieht, braucht kein Gebot.
Ein Gebot ist das Aufdecken einer noch nicht vollzogenen Wahrheit.
Die Einheit in Christus ist der einzige Weg der Teilhabe am ewigen Leben. Er ist Ausdruck des eigentlichen Menschen, wie ihn Gott geschaffen hatte.
Und diese Einheit drückt sich in dem Ergreifen der Liebe aus.
Gegen Widerstände und gegen Unlust!
Darin drückt sich der Geist in der Materie aus, im Leib.
Hormone und Neurotransmitter sind z. B. wie im Auto der Motor. Der Fahrer soll bestimmen, was damit geschieht. Die Augen des Fahrers entscheiden, wo es hingeht.
Jemand sagte: Wo ich hinschaue, da fahre ich hin.
Von allein
Schaue ich auf die aktive, versöhnende, tätige Liebe im Gegebenen – geschieht Wachstum „von allein“.
Der Missionsbefehl ist bei weitem nicht das Erste und Wichtigste. Sondern der Liebesbefehl.
Jedermann erkennt die Liebe an den Jünger – wenn sie da ist. Er fragt dann: Was ist das?
Eine Mission, die den anderen allein in eine Beziehung zu Christus führen will, irrt. Es ist immer und unverzichtbar, die Beziehung in die lokale, liebende Gemeinde.
Habe ich keine Gemeinde, in der ich liebe – was soll mir dann Mission?
Nicht ein Nutzen
Ein selbstverständliches Merkmal der Liebe ist, dass es nicht um Nutzen geht. Gehe ich in eine Gemeinde, weil sie mir nützt, hat das nichts mit Liebe zu tun. Genau genommen noch nicht einmal mit Christentum.
Es ist vielleicht geistige Befriedigung – ein Missbrauch des Geistlichen (eine Art Selbstbefriedigung).
Ich gehe, und will gehen, um zu lieben – ganz unabhängig von meiner Lust und zumeist gegen meine Unlust.
Nicht an der Homogenität erkennt man Einheit. Auch nicht am kleinsten gemeinsamen Nenner. Sondern am dennoch, am aktiven Annehmen des anderen, an der Versöhnung und der Suche der eigenen Schuld zwischen uns.
Ich vermute, da ist zuerst das Salz gefragt. Der Christ, der so viel Gnade und Liebe von Jesus empfangen hat, das er mit leichtem Herzen geben kann und will. Was hat die Gemeinde, die Gemeinschaft von mir? – Denn ich habe genug, ich habe „ein überfließendes Maß“.
Das „Neue“ an Jesu Gebot ist besonders, dass Du, Herr, allezeit das Knecht-Sein vorgelebt hast. Der Himmel zeigt sich in Knechtsgestalt. Knecht am Bruder!
Das ist die schmale Pforte.