Mo, 26.05.2025
Joh 15:26 – 16:4a Der Geist und die Welt.
Der Text
Hier vollständig:
26 Wenn der Beistand kommt, den ich euch vom Vater senden werde – der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht –, wird er Zeugnis über mich ablegen.
27 Auch ihr werdet Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei mir gewesen seid. 
1 Dies habe ich euch gesagt, damit ihr keinen Anstoß nehmt. 
2 Sie werden euch aus den Synagogen ausschließen; ja, es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen Dienst zu erweisen.
3 Und dies werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben.
4a Ich habe euch dies gesagt, damit ihr euch, wenn die Stunde kommt, daran erinnert, dass ich es euch gesagt habe.
Der Begleittext behandelt eine theologische Frage, um die ich seit vielen Jahren ringe. Heiliger Geist. Dazu gibt es auch andere Texte auf Nachfrage.
Wahrheit
Menschen nennen ihr Erleben mit dem Heiligen Geist im Zusammenhang mit starken Gefühlen und einer Kraft und Ergriffenheit. Sie meinen plötzlich zu wissen oder zu empfangen.
Ich bestreite ihnen das nicht.
Jedoch sind die Ergebnisse nicht immer, oder sogar eher selten so, dass ich darin klar den Geist Gottes erkenne.
Zudem gibt es ein grundsätzliches Problem.
Eine starke beeinflussende Kraft ist kaum mit dem Wesen Jesu noch mit der Würde des Menschen vereinbar. Am Samstag hatte ich Abel (Hauch) genannt, den Typos Christ.
Das heißt nicht, dass Kraft nicht vorkommen kann – aber nicht als wesentliches Merkmal.
Im I Ging (Buch der Wandlung) wird gesagt, dass wahre Wirksamkeit nicht aus Macht oder Kraft erwächst, sondern aus der Einsicht in den richtigen Moment – den Moment, an dem das, was noch formbar und beeinflussbar ist, erkannt und behutsam gelenkt werden kann. (Aus meiner Zeit als Zen Freund).
Ich sage: Wahrheit braucht kaum Kraft!
Je genauer ich in der Wahrheit lebe, desto selbstverständlicher sind die Abläufe. Vielleicht brauche ich auch Kraft – aber sie ist genau angemessen vorhanden, weil sie Bestandteil der Wahrheit ist.
Geist der Lüge
Der Geist der Lüge kommt ebenso überzeugend daher, wie der Geist der Wahrheit.
„Es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen Dienst zu erweisen“.
Ganz offenbar werden sie denken, sie handeln im Namen Gottes.
Es werden also Christen sein, die mir das Leben schwer machen werden, ja nehmen wollen. Im Zentrum der Wahrheit ist, ganz nahe, auch der Ort der Lüge – und der Ort der seiner Kraft.
Ich suche also nicht nach Kraft, sondern nach Wahrheit zunächst ohne Kraft. Denn die Lüge kommt allzumal mit Kraft einher. Sie will töten – so sagt es Jesus.
„Das Böse töten“ – so meinen die Menschen mit guten Gewissen.
Und zu glauben, man tue etwas Gutes, ist kein Merkmal der Wahrheit.
Wo finde ich Wahrheit
Die Textstelle heute sagt etwas zunächst Erschreckendes:
„Auch ihr seid meine Zeugen“.
Die Wahrheit Jesu ist auch eine Erinnerung an die Wahrheit, die die menschlichen Zeugen benennen.
Puh.
Nicht: „Der Heilige Geist und ich.“
Auch nicht allein: „Die Bibel und ich“ – darüber schrieb ich gestern.
Sondern unverzichtbar das, was ich früher weit von mir gewiesen habe:
Katholische Dogmatik.
Puh.
(Ich meine nicht den KKK, den katholischen Katechismus, ich meine die Dogmatik).
Nirgends habe ich Wahrheit in reinerer Form gefunden.
Und ebenso unverzichtbar: die Lebensgeschichte der Heiligen, ja vielleicht noch mehr ihr jetziges Wirken von Himmel her.
Dogmatik ist nicht das Ende des eigenen Denkens!
Sondern es ist die Konfrontation des eigenen Denkens, mit dem je schon gedachten und gehörten Denken.
Und: Das Eigentliche ist ja nicht die Erkenntnis, es ist die Entscheidung für die Wahrheit.
Und die ist immer sehr, sehr schwer.
Praxis
Sich hingeben ist stärker als jede andere Kraft.
So suche ich Hingabe – nicht Macht.
Nicht als Aufgabe – sondern im „Ringen mit Gott“, bis Er mir auf die Hüfte (= Kraft) schlägt und ich hinkend dem Licht entgegengehe.