Di, 27.05.2025
Joh 16:5-11 Das Werk des Heiligen Geistes
Der Text
5 Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und keiner von euch fragt mich: „Wohin gehst du?“
6 Doch weil ich dies zu euch gesprochen habe, erfüllt Traurigkeit euer Herz.
7 Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich Ihn zu euch senden.
8 Und wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht:
9 von Sünde, weil sie nicht an mich glauben;
10 von Gerechtigkeit, weil ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht;
11 von Gericht, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist.
Ausführlich im Begleittext (BT) unter Ordnung und Befehl .
Semitisches Denken
In unserer kleinen Thora-Gruppe sagte gestern jemand sinngemäß: Wir sollten keine großen Pausen machen, denn das semitische Denken ist uns so fremd, wir brauchen viel Begegnung damit.
Mir scheint es heute erneut wichtig, mich dem Semitischen anzunähern. Ich benutze darum gern die Peschitta, siehe Anmerkungen am Ende des BT.
Heute verbindet sich das Wort „Gericht“ (V11) mit dem Erleben aus der Thora-Gruppe gestern Abend.
Semitisch ist Gericht nicht einfach eine gerechte Entscheidung. Ein Urteil. Sondern ein Wiederherstellen der Ordnung.
Auch das Wort Gerechtigkeit hat nichts mit Gleichheit zu tun, sondern mit Reinheit, einem neuen Stand vor Gott.
Sünde ist entsprechend weniger moralisch als vielmehr das Verfehlen des Ausführens meiner Berufung.
Ich habe in den vergangenen Tagen öfter angemerkt, dass es nicht darum geht, das Gute zu tun, sondern das Richtige.
Gestern Abend sprachen wir über 2. Mo 6,26-30. Im Vers 26 steht:
Das sind Aaron und Mose, zu denen der HERR sprach: „Führt die Kinder Israel aus dem Land Ägypten heraus nach ihren geordneten Scharen.“
Das Wort צִבְאוֹתָם (tziv’otam) ist der Plural von צָבָא (zavá) und bedeutet „ihre geordneten Scharen“ oder „ihre Heere“.
Zava ist das Verb dazu, im Text steht das Substantiv.
Die Ordnung ist nicht etwas, was da ist, und nun einen Befehl erhält.
Im Gegenteil: Der Befehl schafft erst die Ordnung.
Sein ist gerufenes Sein
Wir sind, weil Gott sprach. Alle Welt ist aus dem Ruf Gottes.
Darum auch der Hinweis aus der Gruppe: Das steht auch Zebaoth .
Also das Wort, das Luther mit Heerscharen übersetzt, wenn vom Gott Zebaoth die Rede ist.
In gewissem Sinne steht also hier wieder der Prolog des Johannes.
Und nebenbei bemerkt: Das, wovon die Logotherapie ihren Namen hat.
Der Logos. Der Logos, der aus dem Chaos den Kosmos macht.
Der Sinn des Seienden.
Es ist vorher nicht nur das Nichts. Vorher ist das Tohuwabohu – תֹהוּ וָבֹהוּ
Zwar ist es auch nichts – denn ohne Ordnung ist es nichts. Aber auch ausgedrückt im Chaos.
Der Mensch ist mehr als Ordnung
Im Unterschied zur Schöpfung ist der Mensch auch gerufen, selbst Teilhabe an der Schöpfung Gottes zu haben. Der Mensch hat Sprache – wie Gott.
Das Gute ist somit die Ordnung.
Das Richtige aber: das Ordnende.
Als Mensch genügt es nicht, geordnet zu sein.
Sondern im lebendigen Wort Gottes selbst Ordnender zu sein.
Vergleiche die Rede des Hauptmanns von Kapernaum.
In der nächsten Thora-Stunde geht es mit Kap 7 weiter. Zum Zerreißen spannend:
Und der HERR sprach zu Mose: Siehe, ich habe dich zum Gott für den Pharao gesetzt, und Aaron, dein Bruder, wird dein Prophet sein.
Ich sehe: Hier steht der Grund für die Ordnung, die aus dem Gehorsam kommt!
Mose wird Pharao zu Gott. Pharao, das Symbol der Welt.
Mose, der erste Israelit im Vollzug.
Im Begleittext steht es ausführlicher.
Rebellion gegen Israel erhält so eine andere Dimension.
Judenhass ist Gotteshass.
Dass unsere Verwurzlung in Israel hinreichend werde, daran teilhaben zu dürfen, ist der ganze Sinn des Christ-Seins.
Es geht letztlich nicht um Erlösung von uns – sondern es geht immer um Gott!