Mi, 28.05.2025
Joh 16,12–15 Ordnungen im Himmel
Der Text
12 „Ich habe euch noch vieles zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.“
13 „Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird Er euch in alle Wahrheit leiten; denn Er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was Er hört, wird Er reden, und das Zukünftige wird Er euch verkündigen.“
14 „Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird Er nehmen und euch verkündigen.“
15 „Alles, was der Vater hat, ist mein; deshalb habe ich gesagt: Von dem Meinen wird Er nehmen und euch verkündigen.“
Worauf läuft das hinaus? Was ist die Botschaft? Was soll ich nun tun?
Kompliziert
Ein einzelner Gott wäre einfacher. Nun aber:
Der Sohn kommt aus dem Vater, ebenso der Geist. Der Vater übergibt alles dem Sohn und der wird es Ihm zurückgeben. Der Geist nimmt von dem Sohn und offenbart es dem Menschen – zu seiner Zeit.
Und auch der Mensch: Zunächst war er gottesbildlich. Dann kam der Fall. Zwar wird der Gerechtigkeit in Jesus Genüge getan – aber die Aufgabe des Menschen bleibt: Werde ein Liebender.
Dazu braucht er Zeit, denn selbst die besten Schüler Jesu (diese 11 Apostel) können auch am Ende Seiner Meisterschule das nicht tragen, was noch kommen wird.
Warum so kompliziert?
Zusammenhang mit der Ordnung
Die jüdischen Ordnungen heißen מִצְוָה (mitzvah). Sie kommen aus der Wurzel aus der auch צִוָּה (tzivah), der Befehl, kommt (siehe gestern). Daher kommt bei Luther: Herr der Heerscharen = Elohim Zebaoth אֱלֹהִים צְבָאוֹת.
Das Ganze ist ein geordnetes Ganzes – keine Summe von einzelnen Dingen.
Mir scheint, es liegt alles an der Liebe.
Die Liebe braucht die Unterschiedlichkeit, die je eigene Person. Und: sie will den Überschuss, das je mehr.
Es ist wie ein großer Kampf zwischen der Allmacht und der Liebe. Die Liebe kann nur ohne Allmacht Liebe sein. Aber Gott ist Liebe. Die Liebe muss das Größere sein, denn nur die Liebe ist fruchtbar. Alles Seiende kommt nicht aus der Allmacht, sondern aus der Liebe.
Der Vater ist der Vater. Und Er äußert sich, indem Er Fleisch wird (Jesus). Lokal und zeitlich wie der Mensch. Der Geist könnte dem Menschen nicht auf Augenhöhe begegnen – Er ist zu jeder Zeit überall. Alles muss so sein, damit der Mensch ganz eingebunden werden kann.
Der Mensch
Ich sage: Der Mensch ist weniger die Krönung der Schöpfung als vielmehr ihr Sinn. In der Leiblichkeit des Menschen und seiner Gottesbildlichkeit durch den Atem Gottes ist allein er Gott ein Gegenüber. Und er allein kann lieben, ohne dass die Allmacht Gottes ihn erschlägt. Ich rede hier nur von der Schöpfung – nicht von der Trinität selbst.
Die Schöpfung ist für einen allmächtigen Gott nicht interessant. In Seinem Reich ist alles ohnehin viel schöner und größer.
Aber der Mensch verbindet die Schöpfung mit der Liebe Gottes.
Ohne den Menschen könnte Ihm die Schöpfung egal sein.
Gott braucht keine Blumen. Außer, Er kann damit Seinen Menschen erfreuen.
Praxis
Das alles klingt sehr philosophisch. Es hat aber ein Ergebnis, eine Folgerung:
Gott ist nicht für den Menschen, sondern der Mensch für Gott.
Mein „Amt“ als Mensch ist existenziell für die Schöpfung.
Gott wird niemals am Menschen vorbei die Schöpfung retten, pflegen, verwalten.
Ein Menschenleben ist das Hineinwachsen in diese Aufgabe. Es geht nicht darum, „gut“ zu leben und dann, als Krönung, auch noch in den Himmel zu kommen.
Was auch immer man sich darunter vorstellt.
Ohne Heiligung ist eine Bekehrung sinnlos. Sinn hat sie nur als Anfang von etwas, vom Eigentlichen.
Der Mensch, (ich) lebt in der Zeit, nicht, damit sie verstreicht. Sondern dass sie „auf seinem Antlitz Falten hinterlasse“ (symbolisch).
Ein getaufter Mensch ist wie ein leeres Tagebuch.
Versuche nicht, es leer zu halten. Oder es nur mit Verzierungen zu schmücken.
Sonst wird der Geist keinen Raum darin finden, zu bleiben.
Alles, was mir begegnet, kommt von dem Lehrmeister. Es fragt mich: Willst du ausweichen – oder willst du lernen oder besser: reifen.
Alles, damit wir den Platz einnehmen können, an dem die Schöpfung auch in Ewigkeit uns braucht. In der Ordnung des Vaters.