Am 14.Juni 2025
Es war ein Tag nach dem Angriff Israels auf die Militär- und die Atomanlagen des Iran. Der Iran hatte dann in der Nacht mit Drohnen und etwa 200 ballistischen Raketen geantwortet.
Ich habe den Stand vor 14 Tagen angemeldet.
Am Tag zuvor hatte ich noch einen Rückruf der Polizei aus der Abteilung politisch motivierte Straftaten (ein Polizist sagte dann auch „Staatsschutz“ dazu).
Wir besprachen die Lage – die Polizei war vorher von mir informiert worden.
Am heutigen Morgen fügte sich die Andacht zum Thema Zeugen.
Es geht nicht darum, zu überzeugen, sondern Zeuge der eigenen Sohnschaft zu sein.
Ich habe mich sehr gefragt, was uns erwartet. Aber die leichte Nervosität fiel schnell ab, als Freunde und Familie erschienen und wir einen schönen Tisch gestaltet haben.
Es gab wunderbare Gespräche. Auch kritische, auch seelsorgerische, auch solidarische und viele dankbare Gespräche.
Eine Frau schilderte z. B. dass ihre Oma im KZ umgekommen ist und ihre Mutter lange versteckt worden ist. Und nun spürt sie, wie Ihre Freiheit, sich als Jüdin zu bekennen schwindet, verschwunden ist.
Gegen Mittag brannte die Sonne und wir wurden auf eine Prise Leid für Israel vorbereitet.
Und so kam es dann.
Gabriel war tapfer am Stand, wir anderen haben uns gerade in den nahen Schatten geflüchtet.
Ein Mann verwickelt Gabriel mit schweren Vorwürfen in ein Gespräch. Laut und bedrängend. Wir kommen herzu, andere kommen herzu. Zunächst offenbar seine Bekannten mit derselben Haltung wie er.
Meine Schwester wird schwer beschimpft und beleidigt, ebenso Gunda und Gabriel.
Ich komme mit ins Getümmel – und das mündet in merkwürdige Entgleisungen.
Der kräftig wirkende Mann baute sich vor mir auf und stellte lautstark fest, dass ich offenbar ein Schwein sei. Er steigert sich in diese Bezeichnung derart rein, dass es wie Peitschenhiebe eines enthemmten Menschen auf mich einprasselte. Ich weiß nicht, wie viel Dutzendmal das geschah. Ebenso ging es auch bei allen – auch den Frauen – um Erniedrigung.
Auch eine weitere, tapfere ältere Dame, die dazu kam und uns beistand, wurde auch wild beleidigend zurückgewiesen.
Es war insgesamt eine Atmosphäre der Enthemmung. Des dauerhaften, lustvollen Freilassens von aggressiven Gefühlen.
Das ist auch, was mich bedrückt.
Mit verzweifelten Wutanfällen kann ich recht gut umgehen. Auch mit leidenschaftlicher Kritik. Aber diese Lust am Hass auf dem Markt in Buchholz will nicht in mein Herz. Ich möchte nicht, dass es so ist.
Nicht für unsere Stadt, nicht für meine Heimat.
Im Nachgespräch bei der Polizei ermutigte der Polizist mich, mich nicht einschüchtern zu lassen. Im Zweifel würden sie sehr schnell präsent sein.
Ein Dank an diese Menschen, die oft wie Weizen in Mühlstein der Gesellschaft sind.

2 Kommentare zu „Israelstand auf dem Markt in Buchholz“