Verleiblichung

Do, 19.06.2025 Wohlenberg (Ostsee). Fronleichnam.

Lk 9:11b-17 Die Speisung der 5000.

Der Text

11 ‭b Und er ließ sie zu sich und sagte ihnen vom Reich Gottes und machte gesund, die es bedurften. Aber der Tag fing an, sich zu neigen.‭

12 ‭‭Da traten zu ihm die Zwölf und sprachen zu ihm: Laß das Volk von dir, daß sie hingehen in die Märkte umher und in die Dörfer, daß sie Herberge und Speise finden; denn wir sind hier in der Wüste.‭

13 ‭‭Er aber sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen. Sie sprachen: Wir haben nicht mehr denn fünf Brote und zwei Fische; es sei denn, daß wir hingehen sollen und Speise kaufen für so großes Volk.‭

14 ‭‭(Denn es waren bei 5000 Mann.) Er sprach aber zu seinen Jüngern: Lasset sie sich setzen in Schichten, je 50 und 50.‭

15 ‭‭Und sie taten also, und es setzten sich alle.‭

16 ‭‭Da nahm er die fünf Brote und zwei Fische und sah auf gen Himmel und dankte darüber, brach sie und gab sie den Jüngern, daß sie dem Volk vorlegten.‭

17 ‭‭Und sie aßen und wurden alle satt; und wurden aufgehoben, was ihnen übrigblieb von Brocken, zwölf Körbe.‭

Heute ist das Hochfest des Leibes und Blutes Jesu Christi.

Das Fest „Herrenleib“ = Fronleichnam

An vielen Orten wird der Leib des Herrn in einer Prozession unter das Volk getragen.

Unterschiede

Obwohl ich glaube, dass es richtig ist, für jeden richtig ist, katholisch zu sein oder zu werden, lebe ich zugleich in der Pfingstkirche an meinem Heimatort mit. Dort erlebe ich das Erinnerungsmahl mit kleinen Plastikbechern und Brotstückchen.

Mit meiner katholischen Kirche sind wir einmal mit dem konsekrierten Brot, also dem Leib Jesu, in einer festlichen Prozession durch Buchholz gezogen. Vorbei an staunenden Gesichtern in der Fussgängerzone.

Es ist schon nicht ganz das Gleiche.

Ich verstehe, wie befremdlich das für meine freikirchlichen Brüder ist. Und wie befremdlich die Erinnerungsfeier als „Abendmahl“ für einen rechten Katholiken sein kann. Ich erlebe es nicht mit Schmunzeln – sondern mit Schmerzen.

Mein Traum

Heute Nacht habe ich geträumt. Mein sehr warmherziger und guter Freund Wolfgang sprach mit mir darüber, dass ich so sehr abstrakt und intellektuell erscheine. Es ging zwar um einen Messeauftritt – aber ich spürte auch im Traum: Es geht um Leiblichkeit.

Beim Aufwachen fiel mir ein, dass Fronleichnam ist, Leib des Herren.

Leib.

Ich rufe es heraus, weil es mir so wenig selbstverständlich ist.

Ich bin nicht zufällig evangelisch aufgewachsen. Nicht zufällig Ing. Vermutlich fällt mir auch nicht zufällig Stille Zeit leichter als manchen.

Und ich verwerfe das Geistige und Geistliche nicht.

Aber geistig zu sein ist nicht genug!

Jesus Christus ist Leib geworden.

Und Er hat mich nicht von meiner Leiblichkeit erlöst. Garnicht.

Stattdessen ist Er selbst Leib geworden.

In all seinen Ausprägungen. Von geboren werden und Leben, bis zum Leiden und Sterben.

Leiblichkeit ist nicht Weltlichkeit

Die Speisung der 5.000 könnte, und wird, zu schnell als ein Auftrag zur Diakonie missverstanden.

Ja, es ist konkrete Speisung.

Aber eigentlich ist es Eucharistie.

In Johannes, Kap 6 wird es ganz deutlich.

Die Menschen werden nicht „vom Brot allein“ satt – und ich ergänze: aber auch nicht ohne Brot.

Wenn mein Glaube sich nicht leiblich ausdrückt, ist er nicht von der Art Jesu.

Das Speisen der Menschen mündet bei Jesus in ein sich verzehren lassen.

Wunderbar, dass unsere Sprache diese Doppeldeutigkeit erlaubt, ja beinhaltet.

Mein Leben soll also nicht ein mich bewahren sein, sondern ein sich verzehren lassen. Damit bin ich Salz der Erde.

Mein leiblicher Vater hatte viel davon. Er hat so sehr für andere gearbeitet, dass sein Leben, sein Leib dabei verzehrt wurde.

Ich habe es damals gesehen – und es entsetzte mich.

Aber hat er nicht seinen Leib in die Erfüllung gebracht?

Ich denke schon.

Immer wieder: Versuche ich zu halten, bis es mir genommen wird, oder gebe ich Leib und Leben in die Anrufe Gottes, die Er mir täglich entgegen ruft?

Eben als Leiblicher.

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