Mi 25.06.2025
Mt 7:15–20 An ihren Früchten
Der Text
15 Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, innen aber sind sie reißende Wölfe.
16 An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Sammelt man etwa Trauben von Dornen oder Feigen von Disteln?
17 So bringt jeder gute Baum gute Früchte, der faule Baum aber bringt schlechte Früchte.
18 Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte bringen, und ein fauler Baum kann keine guten Früchte bringen.
19 Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.
20 Also: an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.
Hinweis aus der Peschitta (Aramäisch):
Für “reißende Wölfe” wird das Bild von „עֲרִיֵי טָרְפֵי“ verwendet – reißende Löwen oder Raubtiere.
Die Väter
Die Worte Jesu berühren nur einen Teil der Thematik. Es ist gut, die Väter zu befragen. Augustinus, Chrysostomos, Gregor, Origenes.
Die Summe daraus:
- Es geht um bleibende Wirkung, nicht spektakuläre Ereignisse.
- Oft kann man Frucht erst ganz am Ende beurteilen.
- Besonders die Treue im Leiden zeugt von Frucht.
- Erst im Langmut, manchmal auch im Versagen oder in der Not, zeigt sich die echte Frucht.
Aber wenn ich bei anderen solches erkenne – was bedeutet es für mich? Kann ich nicht einfach Schaf sein, und dann sind Früchte kein Thema für mich?
Frucht
Ohne Frucht bin ich das Ende der Frucht der Väter. Ich bezeuge dann nicht das Leben, sondern das Nichts.
Mein eigenes Sein ist Frucht anderer – und ich bestätige, dass es „gut ist, dass ich bin“, indem ich auch will, das Gutes ist, also Frucht.
Bestätige ich es nicht, lösche ich rückwirkend die Fruchtbarkeit aus!
Niemand kann nur er selbst sein. Auch, wenn Selbst-Sein Bedingung für Mit-Sein ist. Und niemand ist außerhalb der Fruchtbarkeit. Er ist selbst Frucht und wird erst seiend, indem er fruchtbar ist.
Mir scheint es so klar, dass ich dafür keine Worte finde.
Dies gilt zuerst und zumeist biologisch.
Das Erste, was von Jesus gesagt ist, ist, in welchem Stammbaum Er ist. Wer Seine Mutter ist, wer Vater ist und welches die Väter sind.
Aber es bleibt nicht bei der biologischen Frucht.
Der Atem Gottes ist ein Keimling im Menschen. Ein Keimling, der erst in der Fruchtbarkeit dem Geber recht gibt.
Wer laut Lobpreislieder singt, aber seine eigene Heiligung ist ihm kein Thema, der lästert Gott. Es ist grotesk, Ihn mit Worten zu ehren – aber ohne Frucht im Leben.
Als wenn man schöne Kleider für seine Kinder kauft – aber keine hat.
Geistige Frucht
Sie entsteht in der Nähe und durch Nähe.
Menschen, die mir nahe sind, erben die Frucht meines Wesens. Ich gebe sie nicht, sie ist da – oder nicht da.
Und ich sehe: Meine Frau ist fruchtbarer als ich.
Unsere Kinder gedeihen durch ihre Nähe – viel mehr als durch meine.
Darum hüte ich meine Frau – denn vor Gott zählen wir zusammen, wenn wir denn eins sind.
Nicht ohne meine Frau!
Nähe und Wahrheit
Die Wahrheit erweist sich in der Nähe. Wer mir nahe ist, spürt, wer ich bin. Und es nährt ihn – oder es vergiftet ihn.
So auch ich.
Wer ich bin, werde ich durch Nähe zu Dir, Vater. Durch den „Stallgeruch“ des Himmels. Lieblich für die Freunde des Hauses – ein Gestank für seine Verächter.
Zeuge meiner Substanz vor Gott ist meine Frau. Sie „schmeckt“ mich und kennt mich. Ihr Zeugnis ist gültig.
Ich habe Hoffnung, denn sie gewährt mir die Zeit für die Stille. Vielleicht nur aus Geduld – vielleicht weil sie den Geruch doch mag, der daraus kommt?
Giftig
Faule Früchte können sich als giftig erweisen.
Wer losläuft und unreife oder faule Früchte in die Welt bringt, ist ein Minus in der Welt. Einer, der den Kindern Gottes faule Frucht bringt.
Selbst ein äußeres, gutes Werk ist keine Frucht, die bleibt. Nur die Frucht ist Frucht, die in Berührung entsteht.
Jesu Frucht sind zwölf Jünger. Nicht Tausend.
Größe ist eitel – welcher Leiter eines großen Werkes ist nicht gefallen?
Von Natur aus will ich viel Frucht – Gott gebe mir aber lieber gute Frucht. Und: dass die Frucht fruchtbar sei!