Fr, 04.07.2025
Mt 9:9-13 Die Berufung des Levi
Der Text
9 Und als Jesus von dort weiterging, sah er einen Menschen namens Matthäus am Zollhaus sitzen, und Er spricht zu ihm: Folge mir! Und er stand auf und folgte Ihm.
10 Und es geschah, als Er in seinem Haus zu Tisch lag, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und lagen mit Jesus und seinen Jüngern zu Tisch.
11 Und als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Warum isst euer Lehrer mit den Zöllnern und Sündern?
12 Als Er es aber hörte, sprach Er: Nicht die Starken bedürfen des Arztes, sondern die Kranken.
13 Geht aber hin und lernt, was es bedeutet: Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer. Denn Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.
Jesus zitiert Hosea 6,6.
„Denn Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer,
und Erkenntnis Gottes mehr als Brandopfer.“
Kontext bei Hosea
Israel ruft zur Rückkehr zu Gott. Sie erhoffen Heilung bei Gott.
Gott aber nennt ihre Liebe eine „Liebe wie eine Morgenwolke, wie der Tau, der früh vergeht.“ Gott aber will mehr.
Was es nicht ist
Es ist keine Bekehrungsgeschichte.
Denn nirgends ist von Buße und Umkehr die Rede. Nichts von Sündenbekenntnis oder „Lebensübergabe“.
Auch im Haus des Matthäus ist davon nicht die Rede.
Stattdessen ist davon die Rede, dass viele Zöllner und Sünder kommen und mit Jesus zu Tisch sitzen. Eine herzliche, große Gemeinschaft – mit Jesus.
Denn es ist eine Erweckungsgeschichte.
In Matthäus ist etwas, was Jesus erweckt, belebt, wachküsst.
Eine herzliche Verbundenheit zu Menschen aller Art, besonders den „komischen“.
Wenn ich die Rede Jesu mit Nikodemus im Kopf habe, oder überhaupt Johannes, dann denke ich schnell: Im Menschen ist nichts, was gerettet werden kann, er muss neu geboren werden.
Eine theologisch lutherische Vorstellung.
Hosea
Gott will sich mit Israel verloben – für alle Ewigkeit. Aber Er hat es schon getan und Gott ändert sich nicht.
Alles, was ist, ist schon im Wesen Gottes vorhanden.
Und so auch im Menschen – so behaupte ich.
Neu geboren zu werden, bedeutet nicht, ein anderer zu sein. Sondern schon immer ist der Keim Gottes in mir.
Dieser Keim ist aber nichts, was wesenhaft auf sich bezogen wäre. Es ist der Keim des „Du“.
In Israel ist dieser Keim eher ein Sprössling. Bei den Heiden eher ein Samenkorn.
Gottes Wort kann nur im Heiligen Geist verstanden werden – nicht jedoch wörtlich.
Denn Worte sind Bilder, sind Puzzleteile, sind Symbole – aber nicht das Eigentliche.
Was das Eigentliche ist, kann ich nur daran sehen, was aus dem Wort in der Wirklichkeit wird. Nur an der Frucht erkenne ich das Wort.
Hosea redet von einer Erweckung des Volkes zu etwas schon gegebenen. Gottes Bund ist vor Ewigkeit in Ewigkeit. Er wandelt sich nicht.
Und wir sind „vom Stamme Gottes“.
Weniger als Einzelne, vielmehr als Volk Gottes, als Kirche, als Braut.
Aber vollzogen am Einzelnen – für die Gemeinschaft.
Bekehrung oder Erweckung
Beides sind Aspekte, die nicht gegeneinander stehen.
Auch die Bekehrung macht keinen „neuen Menschen“ in dem Sinn, dass dieser noch nie da war.
Sie zieht ihm das neue Kleid an. Nicht als Tarnung – sondern als Wiederentdeckung von etwas, was auch im Menschen ist.
Ein Polizist in Uniform IST Polizist. Und doch ist er noch jener, den ich auch abends zum Hauskonzert treffen kann.
Wenn ich nicht lebe, was ich bin, ist es egal, was ich tue – egal wie from.
Es geht darum, zu sein wie Gott. Keinesfalls weniger.
Und da kann jemand, der mit Freunden Fußball schaut, Gott näher sein, als jemand, der den Gottesdienst „absitzt“.
Ich möchte die Texte in der Bibel so lesen, wie sie dastehen. Und nicht alles schon vorab durch eine theologische Brille betrachten.
Matthäus lebt Gemeinschaft, mit Jesus und Freunden – das ist Verwirklichung der Gottesbildlichkeit. Auch wenn es nicht homogen in manche Theologie passen will.
Meine Männergruppe ist gemeinsam auf die Zugspitze geklettert – genau das ist „Gottesdienst“.
Herrlich.
PS: Bekehrung ist damit NICHT unnötig geworden.