Es gibt ein Gericht

Do 10.07.2025

Mt 10:7-15 Aussendung der Zwölf

Der Text

7 Geht aber und predigt, indem ihr sagt: Das Reich der Himmel ist nahe gekommen.

8 Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebt!

9 Verschafft euch nicht Gold, noch Silber, noch Kupfer in eure Gürtel,

10 keine Tasche auf den Weg, auch nicht zwei Röcke, noch Sandalen, noch einen Stab! Denn der Arbeiter ist seiner Nahrung wert.

11 In welche Stadt oder welches Dorf ihr auch hineingeht, da forscht, wer darin würdig ist, und dort bleibt, bis ihr weiterzieht.

12 Wenn ihr aber in das Haus eintretet, so grüßt es!

13 Und wenn das Haus würdig ist, so komme euer Friede auf es; wenn es aber nicht würdig ist, so wende sich euer Friede zu euch zurück.

14 Und wenn jemand euch nicht aufnehmen und eure Worte nicht hören wird, so geht hinaus aus jenem Haus oder jener Stadt und schüttelt den Staub eurer Füße ab!

15 Wahrlich, ich sage euch: Es wird dem Land Sodom und Gomorra erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als jener Stadt.

Anmerkungen aus der Peschitta (Syrisch-Aramäisch):

In Vers 7: Das aramäische Wort für „ist nahe gekommen“ (קריב, qariv) drückt große Unmittelbarkeit aus, oft als „steht vor der Tür“ verstanden.

In Vers 15: In der Peschitta wird das Gericht als „Tag der Entscheidung“ (יומא דדינא, yoma d-dina) bezeichnet, was den Aspekt der göttlichen Abwägung betont.

Einordnung

Es geht nicht um Mission oder Rettung von Heiden, wie gestern schon gesagt. Es geht um uns Christen, um mich. Israel ist Volk Gottes. Wer getauft ist, ist Volk Gottes.

Vollmacht ist kein Spielzeug oder nur zur Erbauung oder Segnung. Es bringt kaum erträgliche Klarheit – und damit Gericht. Von Natur aus wünsche ich es mir nicht – aber ich bleibe nicht bei der Natur stehen.

In der Lesung zum heutigen Tag geht es um Josef und seine Brüder. Genauer um die Prüfung der Brüder durch Josef. Josef hat die Brüder sehr hart behandelt – über lange Zeit. Es gab keine billige Vergebung – sondern Feuer bis in die Knochen.

Missbrauch

Gestern sprach ich über den möglichen Missbrauch des Gehorsams. Und dass der Missbrauch den Wert bei richtigem Gebrauch verborgen anzeigt.

Heute ist es das Gericht.

Die Kirche hat lange Zeit ihre Vollmacht für eigene Zwecke missbraucht. Dafür hat sie nach meiner Kenntnis kaum Buße getan.

Daraus sind Abspaltungen gekommen, die zumeist von Gnade reden, ja von „allein aus Gnade“ – eine Irrlehre, aber verständlich aus dem Hintergrund.

Die Vollmacht ist eine Vollmacht zum Heil und eine Vollmacht zum Gericht. Nicht zum Vollzug des Gerichts – das ist allein Gottes. Aber das Licht der heiligen Vollmacht klärt und scheidet in unübersehbarer und wohl endgültiger Weise.

Ich sehe heute auch noch etwas besonderes:

Heute

Josef und seinen Umgang mit den Brüdern zu betrachten ist lohnenswert. Unter Tränen ist er mit ihnen umgegangen – bis Juda sagt:

„Nun denn, dein Knecht will anstelle des Knaben, meines Herrn Sklave bleiben, und der Knabe soll mit seinen Brüdern hinaufziehen.“ (Genesis 44,33)

Der Knabe, von dem er spricht, ist der zweite Sohn der Rahel.

Und es ist die Rahel, die ich von ihrem Geschrei her kenne:

„So spricht der HERR:

Eine Stimme wird in Rama gehört,

Klage und bitteres Weinen:

Rahel weint um ihre Kinder;

Sie weigert sich, sich trösten zu lassen über ihre Kinder,

Denn sie sind nicht mehr.“

Es ist Rahel, die Mutter Israels. Rama ist der Sammelplatz für Verschleppte. Rahel ist Symbolfigur für das leidende Israel.

Zuerst in besonderer Weise für das Nordreich der Zehn Stämme.

Ich wage einen Vergleich.

In der Antike blühte die Kirche in Nordafrika mit Augustinus und Tertullian. Aber im siebten Jahrhundert kam das Gericht durch die islamische Expansion. Die Kirche verschwand weitestgehend – wenn auch nicht ganz.

Augustinus sah die Juden als verloren an.

Tertullian ging weiter und attackierte die Juden, z. B. in der Schrift „Gegen die Juden“ (Adversus Judaeos).

Es lohnt auch, die Pogrome gegen Juden, besonders im ersten Kreuzzug, zu betrachten. Z. B. die Rheinlandpogrome (1096) mit tausenden toten Juden, auch Massenmorden direkt in den Synagogen.

Für Israel gefangen nehmen lassen

Es ist dieses Wachsen in der Erkenntnis, dass der Antijudaismus wesentlich mit der Kirche zu tun hat.

„Da sprachen sie zueinander: Wahrlich, wir sind schuldig wegen unseres Bruders, denn wir sahen die Angst seiner Seele, als er zu uns flehte, aber wir hörten nicht; darum ist diese Not über uns gekommen.“ (Gen 42:21)

Wörtlich:

רָאִינוּ צָרַת נַפְשׁוֹ בְּהִתְחַנְּנוֹ אֵלֵינוּ

ra’inu tzarat nafsho behitchan’no elenu

„Wir sahen die Not seiner Seele, als er uns anflehte.“

Ich sehe sie – und wende mich nicht ab.

Hinterlasse einen Kommentar