Mo 28.07.2025 Tastungen, ökumenische Konferenz
Mt 13:31-35 Vom Senfkorn, vom Sauerteig, von der Gleichnisrede
Der Text
31 Ein anderes Gleichnis legte Er ihnen vor und sprach: Gleich ist das Königreich der Himmel einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinem Acker säte.
32 Kleiner zwar ist es als alle Samen, wenn es aber gewachsen ist, ist es größer als die Gewächse und wird ein Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und nisten in seinen Zweigen.
33 Ein anderes Gleichnis sagte Er ihnen: Gleich ist das Königreich der Himmel einem Sauerteig, den eine Frau nahm und in drei Scheffel Mehl verbarg, bis es ganz durchsäuert war.
34 Dies alles redete Jesus in Gleichnissen zu den Volksmengen, und ohne Gleichnis redete Er nichts zu ihnen,
35 damit erfüllt werde, was gesagt ist durch den Propheten, der spricht: Ich werde Meinen Mund auftun in Gleichnissen, werde aussprechen, was verborgen war von der Grundlegung der Welt her.
Peschitta:
In Vers 32 steht das Wort (’ilana) für „Baum“, das auch in biblischem Aramäisch für den Lebensbaum verwendet wird – eine mögliche Anspielung.
In Vers 33 lautet das Verb für „verbarg“ (ṭamar). Es bedeutet „verbergen“ oder auch „begraben“, was geistlich eine tiefe Durchdringung des Unsichtbaren mit dem Sichtbaren andeutet.
In Vers 35 ist der Ausdruck „vom Grundlegung der Welt her“ in der Peschitta sehr wörtlich: (men reš teḵanta dʿalma) – „vom Anfang der Ordnung der Welt“.
Verbergen
Menschen reden, auch wenn sie kaum etwas zu sagen haben. Sie wollen vorkommen, wichtig sein, Aufmerksamkeit – für sich.
Bonhoeffer lehrt mich: Hast du nichts zu sagen, was für den anderen wichtig ist, schweige.
„Wenn es weder wahr, noch gut, noch notwendig ist – warum soll ich es dann hören?“ so lautet die Rede, die Sokrates zugeschrieben wird.
Heute ist die Angst vor der Wahrheit groß, und die Menschen reden fast nur noch von Meinungen. Denn die Wahrheit bringt große Verantwortung. Und warum sollte ich sie tragen, gar für den anderen?
Aber: Ich soll und will sie tragen, denn sie ist Ausdruck der Verbundenheit mit dem Bruder, der Liebe zum Bruder.
Nun aber Jesus:
Er redet – und verbirgt doch den Inhalt der Botschaft vor den Hörern.
Verstehst du mich?
Viele lesen ein paar mal meine Andachten und hören dann damit auf. Sie sagen mir, es ist zu schwer, zu steil, zu viel.
Lange habe ich nicht gewusst, wie ich damit umgehen soll.
Einfacher schreiben, weniger schreiben, seltener schreiben?
Vielleicht.
Aber vielleicht ist es auch ein Schutz der Leser. Sie verstehen auch deshalb nicht, weil ihr Herz sie vor dem Anspruch schützt.
Jesus redet so in Gleichnissen, und sagt direkt zu den Jüngern, das geschieht, damit sie nicht verstehen.
Ich bin gewiss, dass Du Dich danach verzehrt hast, dass die Menschen Dich verstehen, Dich annehmen. Denn es geht mir schon so – wie viel mehr Dir!
Aufnahme über den Leib
Rede in Gleichnissen ist Rede in dem Erleben der Menschen. In dem, was ihnen nahe ist, mit dem sie vertraut sind, mit dem sie verbunden sind.
Jeder kennt Senfkörner und Senfbäume, jeder weiß, wie es mit dem Sauerteig geht.
So verbirgst Du Dich in den Dingen des Alltages, um Dich uns zu nähern.
Nähe, Verborgenheit, Handlungen.
Du gibst Dich in der Eucharistie, Du verbirgst Dich in der Liturgie.
Du hast Deine Hand auf kranke und wunde Haut gelegt und bist geblieben, wo Unglaube und offene Feindschaft Dir Schmerzen zugefügt haben.
Wenn ich die Liebe der Menschen zu Dir wecken will, soll es weniger durch Worte gehen, als ebenso und mehr durch diese Leiblichkeit.
Und wenn es bedeutet, oft zu schweigen, weil meine Worte den Menschen zu schwer werden.
Ach, dass ich dem doch nacheifere.