Gefängnis der Befindlichkeit

Di 29.07.2025 Tastungen, Hl. Marta von Bethanien

Joh 11:19-27 Marta läuft Jesus entgegen

Der Text

19 Und viele von den Juden waren zu Martha und Maria gekommen, um sie über ihren Bruder zu trösten.

20 Als nun Martha hörte, dass Jesus kommt, ging sie Ihm entgegen; Maria aber blieb im Haus sitzen.

21 Da sprach Martha zu Jesus: Herr, wenn Du hier gewesen wärest, wäre mein Bruder nicht gestorben.

22 Aber auch jetzt weiß ich: Was immer Du von Gott bittest, das wird Gott Dir geben.

23 Jesus spricht zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.

24 Martha spricht zu Ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird – in der Auferstehung am letzten Tag.

25 Jesus sprach zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an Mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt;

26 und jeder, der lebt und an Mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Glaubst du das?

27 Sie spricht zu Ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass Du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

Peschitta:

– In Vers 25:

Das aramäische Wort für „Auferstehung“ ist ܩܝܵܡܬܵܐ‎ (qyamta), verwandt mit קוּם qūm (hebräisch: aufstehen). Wörtlich also: „Ich bin die Auferstehung und das Leben (ܚܲܝܶ̈ܐ ḥaye).“

– In Vers 27:

Die Formulierung „der Sohn Gottes“ erscheint als ܒܪܗ ܕܐܠܗܐ (barh d’Alaha) – betont wird sowohl die Sohnschaft als auch die Sendung („der in die Welt kommen soll“ = ܕܲܥܬܹܐ ܠܥܵܠܡܵܐ dʿate l-ʿalma).

Die selbst Marta

In der vorherigen Begegnung von Marta mit Jesus erlebt Marta etwas, was ich vermutlich als Kränkung empfunden hätte.

Sie eilt und macht alle Arbeit für Jesus, Maria und wohl auch Lazarus. Als sie es „bedürfnisorientiert“ benennt, sagt Jesus: „Marta, Marta“.

Das kann als Stöhnen über Marta verstanden werden.

Auf jeden Fall weist Er sie in ihrem Anliegen zurück.

Marta steht dumm da mit ihrem Gefühl von Ungerechtigkeit.

Als ich nach Tastungen fuhr, war ich gefangen von dem Bewegen meiner Befindlichkeiten. Wie „überstehe“ ich Tastungen?

Doch zurück zu Marta

Dieselbe Marta?

In dem Evangelium von heute sehe ich eine andere Marta.

Garnicht gekränkt oder in Gedanken an sich selbst.

Sondern zunächst in Gedanken an Lazarus, ihren Bruder.

Und an Jesus – der doch hätte da sein sollen.

Eben jener Jesus, der nicht zu ihr freundlich war, sondern zu ihrer Schwester. Dem nicht sie zugehört hat, sondern ihre Schwester.

Ich hätte hier Maria erwartet – aber es ist Marta

Und im Herzen von Marta ist nicht einfach innere Aussöhnung, Vergebung und Frieden.

Es ist dort viel mehr.

Sie sagt: „Aber auch jetzt weiß ich: Was immer Du von Gott bittest, das wird Gott Dir geben.“

Sie sucht weit mehr als Frieden!

Sie sucht das Leben. Das Leben für ihren Bruder und den, der das Leben ist.

Und Er offenbart sich Marta von Bethanien.

Der „Putzfrau“ des Hauses.

Hier treffen nicht nur eine Bittende und ein Segnender aufeinander.

Sondern zwei Seelen, die tief verwandt sind.

Die nicht bleiben, wo es warm und trocken ist.

Sondern wollen, sehnen, aufbrechen.

Und ich?

In der Suppe meiner Befindlichkeit sah ich meinen Freund nicht in dem Seinen – sondern nur die „Sache“. Ich habe ihn verletzt.

Und als ich es am Abend verstanden habe, hat es mir weh getan.

Und es klang in mir: Na ja, du bist eben auch nicht der, der du in deinen Andachten bist.

Puh.

Und nun?

Nun bleibt mir der Weg der Marta.

Raus aus dem Betrachten all meiner Befindlichkeiten.

Hin zu Marta, deren Seele der Seele Jesu ähnlich ist.

Die Lazarus, ihren Bruder, liebt.

Für ihn vergisst sie sich selbst und läuft Jesus entgegen.

Und trifft den, auf den Gott hört.

Den, der ganz Sohn ist und ganz zu denen kommen will, die nicht bei sich stehen bleiben.

Zu fallen, bedeutet nicht, in noch tiefere Selbstbetrachtung zu verfallen.

Sondern es ist der Startpunkt, ein Heiliger zu werden.

Ein Heiliger ist der, der unbedingt ganz zu Dir gehören will.

Und der Dir unbedingt vertraut, dass ein gefühlt kopfschüttelndes „Andreas, Andreas“ nicht das Ende ist, sondern der Anfang.

Und zudem:

Wenn ich jemandem begegne, der mit seinen Befindlichkeiten zu tun hat und ich am liebsten mit dem Kopf schütteln würde – halt. Vielleicht ist dieser auf dem Weg zu Jesus, vielleicht treffe ich gerade einen zukünftigen Heiligen.

Und wie auch immer – wir sind uns ja so ähnlich. So ähnlich wie im tiefsten die Herzen der Schwestern waren.

Hinterlasse einen Kommentar