Do 31.07.2025 Tastungen / Teistungen
Mt 13:47-52 Reich Gottes – Gericht und von den Schriftgelehrten
Der Text
Matthäus 13,47-52
47 Wiederum ist das Himmelreich gleich einem Netz, das ins Meer geworfen wurde und Fische von jeder Art zusammenbrachte.
48 Als es voll war, zogen sie es ans Ufer, setzten sich hin und sammelten die guten in Gefäße, aber die schlechten warfen sie weg.
49 So wird es am Ende des Zeitalters sein: Die Engel werden hinausgehen und die Bösen von den Gerechten absondern
50 und sie in den Feuerofen werfen; dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.
51 Habt ihr dies alles verstanden? Sie sagen zu ihm: Ja.
52 Er aber sprach zu ihnen: Darum ist jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, gleich einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorbringt.
Verheißung
Zunächst könnte Angst da sein. Es ist von einem Gericht die Rede. Die Schlechten werden weggeworfen.
Aber solange ich Angst um mich habe, bin ich in mir selbst und sorge um mich selbst. Meine Sorge sollte sein: Bin ich nahrhaft genug, dass der andere, die Familie des Fischers, ernährt werden kann?
Überstehe ich die herausfordernde Konferenz – oder: habe ich versäumt, ein Nutzen, ein Segen für die anderen zu sein.
Das Gleichnis vom Gericht ist eine Verheißung. Zeit vergeht nicht einfach, Zeit ist Reifung.
Aber Achtung: Die Würde des Menschen ist seine Gerichtsfähigkeit. Sein: Ursache seiner selbst sein. Gott richtet nicht seine eigene Gabe, Er richtet, was ich daraus mache. Gott richtet auch nicht Sein eigens gnädig sein (oder eben nicht gnädig sein). Er richtet etwas, was aus mir kommt und für das ich Verantwortung habe.
Kann ich nicht – auch als Christ – verloren gehen, habe ich keine Würde, ja existiere am Ende gar nicht.
Das Gericht ist die Verheißung der Würde.
Ich bin frei und es ist keine Gnade als die Gnade der Freiheit selbst. Diene ich mir oder dem anderen. Ich wähle zwischen Leben und nicht Leben.
Noch ein Hinweis aus der Logotherapie.
Es ist nicht das Geben allein. Es ist auch das rechte, ernste Empfangen dessen, was der andere gibt. Mir direkt – oder über Kultur, Kunst oder Schönheit.
Mit großer Freude nehme ich die Gastfreundschaft in diesem Haus an. Und zudem: Ich freue mich an all dem Schönen, was sie hier gestaltet haben!
Schriftgelehrter
Jahrzehnte der Stille, des Lernens und Hörens sind kostbar.
Aber sie haben ihren Sinn nicht in sich selbst.
Ich bin kein Schriftgelehrter. Aber die Jünger waren es auch nur wenig. Sie waren aber Jahre in der stillen Schule Jesu.
Ein Schriftgelehrter, ein Kontemplativer, ein Beter – sie empfangen das Erbe nicht als Besitz, sondern als Boden, als Acker.
Die Kirche hat immer Neues aus dem Alten entfaltet und nicht einfach NUR Tradition weitergegeben (auch wenn das nötig ist).
Zwei-Naturen-Lehre Jesu, Trinität, Personalität.
Sie stehen so nicht in der Bibel, sie wurden entfaltet.
Und das bis heute.
Z. B. die Theologie des Leibes von Johannes Paul II.
Und ich denke, mein Ansatz, die Trinität mit der Logotherapie zu verbinden, oder genauer: Ihre Verbundenheit zu formulieren und in die Praxis der Seelsorge einzuführen, ist eine Entfaltung.
Und damit für die sichtbare Welt etwas Neues – wie Jesus es sagt.
Ferdinand Ebner (1882–1931) hat vor Buber und Rosenzweig das Dialogische Prinzip gefunden und angewendet.
Sein Kerngedanke:
• Der Mensch wird zum „Ich“ erst im Anruf durch ein Du.
• Sprache ist nicht primär Mitteilung, sondern Beziehung.
• Im Du des Mitmenschen und im Du Gottes wird der Mensch wirklich.
So hoffe ich, dass ein anderer das „trinitarische Prinzip“ zu den Seelsorgern bringt – ich bin zu klein dazu.
Aber bis dahin will ich tun, was mir gegeben ist.