„Das gönn ich mir.“

Do 14.08.2025

Mt 18:21—35,19,1 Von der Vergebung („Der Schalksknecht“)

Der Text

Aus dem griechischen Urtext, Matthäus 18,21–35 und 19,1.

21 Da trat Petrus zu Ihm und sagte: Herr, wie oft soll mein Bruder gegen mich sündigen und ich ihm vergeben? Bis zu siebenmal?

22 Jesus sagt zu ihm: Ich sage dir, nicht bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzig mal sieben.

23 Darum ist das Himmelreich gleich einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte.

24 Als er aber anfing abzurechnen, wurde einer zu ihm gebracht, der zehntausend Talente schuldete.

25 Da er aber nicht zahlen konnte, befahl der Herr, ihn und seine Frau und die Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und die Schuld zu begleichen.

26 Da fiel der Knecht nieder, warf sich vor ihm nieder und sagte: Herr, habe Geduld mit mir, und ich will dir alles zurückzahlen.

27 Da erbarmte sich der Herr jenes Knechtes, ließ ihn frei und erließ ihm die Schuld.

28 Als aber jener Knecht hinausging, fand er einen seiner Mitknechte, der ihm hundert Denare schuldete; und er packte ihn, würgte ihn und sagte: Bezahle, was du schuldest!

29 Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn: Habe Geduld mit mir, und ich will es dir zurückzahlen.

30 Er aber wollte nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er die Schuld bezahlt habe.

31 Als nun seine Mitknechte sahen, was geschehen war, wurden sie sehr betrübt, gingen und berichteten ihrem Herrn alles, was geschehen war.

32 Da rief ihn sein Herr herbei und sagt zu ihm: Böser Knecht! Jene ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich gebeten hast.

33 Solltest nicht auch du dich deines Mitknechtes erbarmt haben, wie auch ich mich deiner erbarmt habe?

34 Und in Zorn geraten, übergab ihn sein Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe.

35 So wird auch Mein himmlischer Vater euch tun, wenn ihr nicht jeder seinem Bruder von Herzen vergebt.

19,1 Und es geschah, als Jesus diese Worte beendet hatte, ging Er von Galiläa hinweg und kam in das Gebiet von Judäa jenseits des Jordan.

Hinweis: Judäa liegt im Kernbereich nicht jenseits des Jordan, aber Herodes Antipas hatte dieses Gebiet ebenfalls als Verwaltungsgebiet.

Über diesen Text habe ich schon oft nachgedacht und geschrieben.

Siehe z. B.:

22.03.2022 10.000 Talente

17.08.2023 Gott ist kein Lebenscoach

05.03.2024 Wieso habe ich soviel Schulden?

Wo schaue ich hin?

Spontan schaue ich in mein Leben: Habe ich irgendjemandem nicht von Herzen vergeben?

Da ich das schon öfter getan habe, fällt mir nicht so recht etwas ein – und ich könnte mich zurücklehnen.

Mir scheint aber viel wichtiger: Was ist mit den 10.000 Talenten? Die Betrachtung dieses Aspektes entfaltet erst die Möglichkeit, falsche Forderungen an andere zu erkennen.

Ich meine, die Grundgedanken dazu habe ich in den anderen Texten formuliert, heute ein anderer Aspekt.

Ein Leben

Ich nehme ein Talent als ein Leben. So wie es im Deutschen auch gesagt werden kann, z. B. man sucht ein Talent und meint dann eine Person mit ihrer besonderen Begabung.

Kann es sein, dass ich Gott 10.000 Leben schulde?

Wie das?

Meine weitergehende Antwort: Gott sieht auf das, wozu Er mich berufen hat – nicht nur auf das, was schon ist.

Dieses Leben ist nicht der ganze Sinn des Menschen. Sondern es ist der Ort der Reifung, der Bewährung. Nicht dass ich bin, ist entscheidend, sondern dass ich werde.

Ein Saatkorn soll aufgehen (geboren werden), um Frucht zu bringen, um weitere Saatkörner zu erbringen.

Eine Ähre Weizen hat 30-40 Körner. Und ein Saatkorn kann 3–5 Ähren hervorbringen. Vergleiche die drei Ertragsangaben im Gleichnis vom vierfachen Acker.

Die eigentliche Bedeutung meines Lebens liegt nicht in meinem Leben vor dem Tod.

Sondern ich bin dazu berufen, im Kleinen treu zu sein, damit der Herr mich „über Städte“ setzen kann.

Ansonsten bin ich nur Stroh.

Kostbarkeit des Menschen

Wie oft schaue ich nur auf den Halm des aktuellen Lebens.

Da passen dann Zahlen wie 10.000 Zentner überhaupt nicht hin. Mir scheint dann, wenn ich mein Leben gut erfülle, habe ich meine Schulden bei dem Spender und Erlöser meines Lebens erfüllt.

Aber es ist nur das Trainingscamp.

Meine Frucht ist nicht mein Leben, sondern die Frucht des Lebens ist mein Leben.

Es fängt zwar schon an – aber „Das Schönste kommt noch“. Ein wunderbares Buch von Fritz Rienecker. Sein Untertitel: Vom Leben nach dem Sterben.

Übrigens: Herausgegeben nach dem Sterben des Autors, der auch der Mitgründer der Wuppertaler Studienbibel war.

Ich gehe noch weiter, als er vielleicht gegangen ist.

Mehr als das Schönste ist wichtig, dass das Eigentliche sich erst nach der Wüste des Lebens entfalten wird. NICHT für mich, sondern für den und die, denen ich DANN dienen kann – zur Verherrlichung Christi.

Dieses Leben ist zumeist Bereitung – nicht in sich schon Inhalt.

Therese von Lisieux hat das gelebt – und lebt es!

Sie wusste immer, dass ihr Wirken erst nach ihrem Tod sein wird – und so war es, so ist es.

Das gönn ich DIR

Alles, was ich mir gönne, ist wie das Verzehren von Saatkartoffeln.

Dort aber, wo ich mich in diesem Leben hineinnehmen lasse in die Formung eines „Mannes Gottes“, eines Mannes, der sich von Gott bereiten lässt, dort ist 10.000-facher Segen für Generationen keine abwegige Zahl mehr.

Wenn ich die heilige Seele des Menschen erkennen könnte, ihre Ebenbildlichkeit mit Gott, ihrem heiligen Auftrag – würde ich nicht jeden Schaden von ihr fernhalten wollen?

Nicht weil es „verboten“ ist, sondern weil es grausige Verschwendung ist.

Königliche Hoflieferanten kennen ihre Würde.

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