Offenbarung braucht das Herz

Fr 15.08.2025, leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel

Lk 1:39-56 Maria besucht Elisabeth, Magnifikat

Der Text

Aus dem griechischen Urtext übersetzt

39 In jenen Tagen machte sich Maria auf und ging eilig in das Bergland, in eine Stadt von Juda.

40 Und sie kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth.

41 Und es geschah, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib, und Elisabeth wurde erfüllt mit dem Heiligen Geist.

42 Und sie rief mit lauter Stimme und sagte: Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.

43 Und woher geschieht mir dies, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?

44 Denn siehe, als der Klang deines Grußes in meine Ohren kam, hüpfte das Kind mit Freude in meinem Leib.

45 Und selig, die geglaubt hat, dass vollendet wird, was ihr gesagt worden ist von dem Herrn.

46 Und Maria sagte: Meine Seele erhebt den Herrn,

47 und mein Geist hat gejubelt über Gott, meinen Retter.

48 Denn Er hat angesehen die Niedrigkeit Seiner Magd. Denn siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter.

49 Denn Großes hat mir getan der Mächtige, und heilig ist Sein Name.

50 Und Sein Erbarmen ist von Geschlecht zu Geschlecht über die, die Ihn fürchten.

51 Er hat Macht gezeigt mit Seinem Arm, Er hat zerstreut, die hochmütig sind in der Gesinnung ihres Herzens.

52 Er hat Mächtige vom Thron gestoßen und Niedrige erhöht.

53 Hungrige hat Er mit Gütern erfüllt und Reiche leer fortgeschickt.

54 Er hat Sich Israels, Seines Knechtes, angenommen, eingedenk Seines Erbarmens,

55 wie Er geredet hat zu unseren Vätern, Abraham und seinem Samen in Ewigkeit.

56 Maria aber blieb bei ihr etwa drei Monate und kehrte zurück in ihr Haus.

Anmerkung zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch)

• In Vers 43 steht wörtlich: „Die Mutter meines Herrn kommt zu mir“ – mit Maran (mein Herr), was eine starke messianische Bezeichnung ist.

• In Vers 46 beginnt der Lobgesang mit „Meine Seele macht groß“ (rabbat napši), was in der semitischen Ausdrucksweise die innere Ausdehnung im Lob meint.

• In Vers 55 wird „Samen“ ausdrücklich als zera übernommen, wie im Hebräischen, mit dem Bezug auf die Verheißung an Abraham.

Einheit der Kirche

An der Einheit wird die Welt erkennen, dass ihr Liebende seid. Dass ihr von einem Gott zeugt – und gezeugt seid, der Liebe ist – vor allem anderen.

Wer die Einheit ablehnt – oder auch nur links liegen lässt – der versäumt das Herz Jesu.

Die Liebe ist Jesu Offenbarung – das ist mehr als das Leben selbst.

Als ich gestern Abend den Text las, und das Fest sah, was heute zu feiern ist, lag es mir zunächst schwer im Magen. Ich weiß, es ist für meine evangelischen Freunde kaum zu tragen. Lieber spreche ich über anderes – aber Gehorsam-sein ist mir unverzichtbar.

Im Begleittext ist eine gekürzte Form meiner Betrachtungen zum Inhaltlichen: Dogma und Offenbarung

Der Wille zur Liebe

Oder auch: Die Liebe will den Geliebten ganz erkennen.

Und Erkennen ist ein Prozess.

Im Hebräischen gibt es das Wort הִכִּיר (hikkir) und יָדַע (jadaʿ). Jada wird im Zusammenhang mit Gotteserkenntnis verwendet.

Gott zu erkennen ist immer ein Entfalten, ein immer tiefer Eintauchen, ein Hineingehen.

So wie ich Gott heute kenne, werde ich Ihn morgen nicht mehr kennen – sondern erstaunlich neu, anders, tiefer.

Gott ist immer vertraut – und immer – noch mehr – fremd.

Im Unterschied zu hikkir, das ein Wiedererkennen beinhaltet, ist jada auch das Einlassen auf eine Bundesgemeinschaft.

Ich lasse mich auf den anderen ein, BEVOR ich ihn kenne.

Jada geht nicht ohne Glauben – und Glaube ist keine Erfahrung.

Wird Glaube zur Erfahrung, verliert es den Charakter von Glauben.

Gen 12,1: Gott sagt zu Abraham: „Geh in das Land, das ich dir zeigen werde“.

Er geht, bevor er das Ziel kennt.

Und: Mk 1:17: „Folgt mir nach“ – noch bevor Ich offenbare.

Es ist kein einfaches Wachsen im Glauben,

es ist ein immer neues Wagnis der Liebe!

Es ist wandeln von Staunen zu Staunen.

Von Vertrautheit zur Fremdheit, von Freiheit zu Gehorsam, von Denken zu Hören, von Sicherheit zu Hingabe.

Wer sich darin nicht verliert, wird auch nicht gefunden werden.

Es ist nicht Neugier, um der Neugier willen. Sondern Mitgehen mit dem Geliebten, der nach Vertrauen fragt, nicht nach Verstehen, Logik, Erfahrung.

Ich wollte nie katholisch werden, es war keine Idee von mir – nicht im Entferntesten.

Ich weiß aber, dass meinem Vater im Himmel der Gehorsam, der aus der Liebe kommt, immer Freude macht. Und ich will Ihn erfreuen.

Und als ich katholisch war, wollte ich nicht so gern mit den alten Halleluja-Welten der Pfingstler zu tun haben – Gott aber wollte.

Denn Gott will Ökumene.

Am Ende wird es auch eine Ökumene mit den älteren Brüdern (den Juden) geben. Ich habe noch keine Ahnung, wie das geschehen wird, kennen sie doch meinen König nicht, ohne den ich nicht sein kann.

Aber ich liebe sie, weil Gott sie liebt – die Pfingstler, die Landeskirchler – und zumeist: die Juden.

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