Wessen Leben?

Mo 18.08.2025 Monschau, Eifel

Matthäus 19,16–22 Der reiche Jüngling

Der Text

Aus dem griechischen Urtext:

16 Und siehe, einer trat zu Ihm und sprach: Meister, was Gutes soll ich tun, damit ich ewiges Leben habe?

17 Er aber sprach zu ihm: Was fragst du mich über das Gute? Einer ist der Gute. Wenn du aber ins Leben eingehen willst, so halte die Gebote.

18 Er spricht zu Ihm: Welche? Jesus aber sagte: Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsches Zeugnis geben;

19 ehre Vater und Mutter; und: du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

20 Der junge Mann spricht zu Ihm: Das alles habe ich gehalten; was fehlt mir noch?

21 Jesus sprach zu ihm: Wenn du vollkommen sein willst, so geh, verkaufe, was du hast, und gib es den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben; und komm, folge mir nach!

22 Als aber der junge Mann dieses Wort hörte, ging er betrübt weg; denn er hatte viele Güter.

Vergl. „Der rote Faden“ vom 30.07.2025

Was will der Jüngling?

Er gehört zum Volk Gottes. Er hält, trotz seiner Jugend, die Gebote. Offenbar alle Gebote. Was will er? Bestätigung durch Jesus? So hört es Jesus nicht – sondern Er hört einen Hunger nach mehr.

Aber was ist denn mehr als alles richtig machen?

Mir scheint, die Antwort ist nicht im Bereich der Logik zu finden, es ist ein Phänomen der Gottesbildlichkeit des Menschen.

Lasset uns Menschen machen

Der trinitarische Gott ist in sich vollkommen. Aber mit Vollkommen-Sein ist Er nicht recht beschrieben.

Gott ist ein Gott des Überflusses, des Mehr, der Fruchtbarkeit.

Nach meinem Stand der Erkenntnis repräsentiert durch den Heiligen Geist. Wo Er genannt wird, entsteht das noch nicht da gewesene.

Besonders sichtbar an Maria.

Auch der Mensch ist nicht fertig in sich.

Selbst nicht in der Begegnung allein, wenn sie auch viel ist.

Mache dich hübsch, liebe Braut

Denn der Bräutigam kommt bald.

Und du willst von Ihm und mit Ihm das jeweils „mehr“.

Frucht.

„Andere Städte“, wie Jesus zu denen sagt, die die Talente gemehrt haben.

Ob ich gerettet bin oder nicht, ist nicht die Frage. Sondern wozu ich gerettet bin. Rettung ist wesentlich die Annahme eines Geschenks.

Aber um Teil des je mehr zu sein, muss ich „schön“ sein. Schön wie eine Braut.

Weil ich mehr will, will ich schöner sein.

Schöner gleich Heiliger.

Ich will, dass Gott mit mir das mehr will. Über uns beide hinaus, ja über die Kirche hinaus. So ist Gott und so hat er mich geschaffen.

Willst du mehr?

Wer nicht mehr will ist nicht vom Stamme Gottes. Wer also nur Rettung und Wonne will, ist gar nicht von Typus Gott – und gehört ohnehin nicht dazu.

Selbst wenn ich alle Gebote halte und dazu noch ganz auf die Gnade baue – was soll Gott mit solch einer Braut? Einer Braut, die sich selbst sterilisiert hat?

Aber der Keim des mehr ist ja im Menschen. Ich erlaube ihm, mir das Leben unbequem und schwer zu machen, denn ich will das Geschenk Gottes annehmen und will, dass es mehr wird.

Ich will also nicht mein Leben, sondern das Leben, das durch „Gott mit mir“ erst noch wird.

Dass Gott mehr werde. Mehr von Gott.

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