Die Lösung

Mi 27.08.2025

Mt 23:27-32 Die zwei verbleibenden Weh-Rufe

Der Text

Aus dem griechischen Urtext:

27 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr seid wie getünchte Gräber, die von außen zwar schön erscheinen, innen aber voll von Totengebeinen und aller Unreinheit sind.

28 So erscheint auch ihr von außen den Menschen gerecht, innen aber seid ihr voll Heuchelei und Gesetzlosigkeit.

29 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr baut die Grabmäler der Propheten und schmückt die Gräber der Gerechten,

30 und sagt: Wären wir in den Tagen unserer Väter gewesen, so hätten wir nicht Gemeinschaft gehabt an ihrem Blutvergießen.

31 Damit gebt ihr euch selbst Zeugnis, dass ihr Söhne seid derer, die die Propheten getötet haben.

32 Und ihr, füllt das Maß eurer Väter!

Anmerkung zur Peschitta (Syrisch-Aramäisch):

• In Vers 27 wird für „getünchte Gräber“ das Bild „geschmückte Gräber“ gebraucht, was den Akzent stärker auf äußere Zierde als auf den technischen Vorgang des Tünchens legt.

• In Vers 28 steht für „Heuchelei“ das Wort ܢܣܒܐ ܒܐܦܐ (nasba b-apa = „Maske, Gesicht nehmen“), was die Vorstellung verstärkt, nach außen eine Rolle zu spielen.

• In Vers 32 klingt der Ausdruck „füllt das Maß“ wörtlich: „macht voll die Maßgabe eurer Väter“, was den Gedanken einer Vollendung oder Erfüllung des Weges eurer Väter betont.

Warum sind sie wie die Väter?

Und: Was hat das mit mir zu tun? Bin ich ein übertünchtes Grab, bin ich selbst einer, der Propheten tötet?

Wie kalt lassen mich diese Worte, weil ich sie nicht auf mich beziehen kann (oder will?).

Ich habe an anderer Stelle schon darüber geschrieben, und es ist mir unvergesslich – weil es mich doch betrifft.

Was genau ist die so schlimme Schuld jener frommen Männer des Glaubens, dass sie von Jesus im kommenden Vers als Schlangen und Otternbrut bezeichnet werden?

Es ist: Zu glauben, dass ich besser glaube, besser bin als die offensichtlich Bösen.

Wer über die Juden schweigt

An unserem Israelstand sprach ich mit einem sehr kritischen Mann. Ich sagte ihm, dass ich nicht besser bin, als die Menschen in der Nazizeit. Entsetzt trat er einige Schritte zurück und rief: Dann muss ich mich von ihnen fernhalten.

Ich bin nicht besser. Und ob ich „nur“ ein Mitläufer gewesen wäre, das weiß ich auch nicht. Bin ich nicht eher ein Eiferer?

Ich glaube, dass die Menschen in jener Zeit eher bessere Menschen waren als die Menschen meiner Zeit – und doch lagen sie so falsch.

Sondern ich frage: WIE wird man so, was bewahrt mich?

Ich habe mich daher viel mit Bonhoeffer und denen beschäftigt, die es erkannt haben (Bonhoeffer schon lange vor 1933).

Dabei meine ich nicht die, die auf der anderen Seite vom Pferd gefallen sind – mit ihren kommunistischen Irrungen.

Inquisition

Bin ich besser als die Dominikaner, die Juden zur Konversion zwangen – oder aber töten ließen? Besser als die Moslems, die für ihren Glauben sterben und töten?

Es gibt keinen sicheren Ort, an dem ich sagen kann: Meine liebe Seele, du hast nun recht und bist keiner von den Bösen mehr.

Denn genau dieser Ort ist der Ort, an dem Denkmäler zum Holocaust errichtet werden.

Letzter Zufluchtsort?

Könnte nicht die Toleranz ein Ort der Zuflucht sein? Das sowohl als auch? Überhaupt das Vermeiden von fundamentalen, radikalen Positionen?

Toleranz mündet schnell in Beliebigkeit, in innerer Distanz – ja eine Armut an Liebe. Die Toleranz überlässt den mir Anbefohlenen seinem Schicksal.

Will ich tolerant gegenüber Tätern sein?

Mehr an anderer Stelle.

Lösung

„Hast du gegessen, von dem Baum, von dem Ich dir gebot, du sollst nicht davon essen?“

An Adam lerne ich, dass ein klares: „Ja, ich habe es getan“ besser ist als „die Frau, die du mir gabst“. Mit anderen Worten: Ich bin nicht besser als meine Frau, nur dass meine Sünde ein etwas andere war (Verantwortungslosigkeit).

Mit Geduld auf den Abend warten und meinen Vater fragen. Die Nacktheit vor Gott aushalten.

Besser in die Hand des lebendigen Gottes fallen als in meine eigene!

Ein „gelöst sein“ von mir selbst, von meiner Selbstbeurteilung – die doch zumeist eine Selbstrechtfertigung ist. Ist sie eine Selbstverurteilung, ist es auch nicht besser.

Und: Ich kann nicht allein erlöst werden! Ohne die Frau, den Bruder.

Und ich kann mich nicht selbst erlösen.

Der Rest

Es bleibt ein großer Rest.

Denn ich will und muss nicht wieder mit einer neuen „Lösung“ davon marschieren.

Es ist allemal nur Wegzehrung für den Tag heute.

Dich suchen ist mein Kompass – wo auch immer ich bin.

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