Jesus ähnlich werden

Mi 03.09.2025

Lk 4:38-44 Jesus im Haus des Petrus

Der Text

38 Er stand auf, verließ die Synagoge und ging in das Haus des Simon. Die Schwiegermutter des Simon aber war von hohem Fieber befallen, und sie baten Ihn für sie.

39 Und Er trat zu ihr, beugte sich über sie, bedrohte das Fieber, und es verließ sie. Sofort stand sie auf und diente ihnen.

40 Als aber die Sonne unterging, brachten alle, die Kranke mit mancherlei Leiden hatten, sie zu ihm; er aber legte einem jeden von ihnen die Hände auf und heilte sie.

41 Auch Dämonen fuhren von vielen aus, indem sie schrien und sagten: Du bist der Sohn Gottes! Er aber bedrohte sie und ließ sie nicht reden, weil sie wussten, dass er der Christus war.

42 Als es Tag wurde, ging Er hinaus und begab sich an einen einsamen Ort. Und die Volksmengen suchten ihn, und sie kamen zu Ihm und hielten Ihn fest, damit Er nicht von ihnen ginge.

43 Er aber sprach zu ihnen: Auch den anderen Städten muss ich das Evangelium vom Reich Gottes verkündigen, denn dazu bin ich gesandt.

44 Und er predigte in den Synagogen von Judäa.

Anmerkungen aus der Peschitta (Syrisch-Aramäisch)

• V. 39: Statt „er beugte sich über sie“ steht wörtlich „er neigte sich zu ihr“ (ܐܬܩܪܒ – ethqarab, „sich nähern“). Der Schwerpunkt liegt stärker auf Nähe als auf physischer Beugung.

• V. 41: Die Dämonen rufen: „Du bist der Messias, der Sohn Gottes“ (ܐܢܬ ܗܘ ܡܫܝܚܐ ܒܪܗ ܕܐܠܗܐ). Das Wort M’schiḥa (Messias) steht deutlicher im Vordergrund als im griechischen Text.

• V. 42: „einsamer Ort“ wird mit ܚܘܪܒܐ (ḥurba, „Wüste, verlassener Ort“) übersetzt, was stärker an die klassische „Wüste“ als Ort der Gottesbegegnung erinnert.

• V. 43: „Ich bin gesandt“ heißt im Syrischen ܐܫܬܕܪܬ (eshtadart), von derselben Wurzel wie „Schaliach“ (Gesandter, Apostel). Das betont die Sendung stärker.

• V. 44: Die syrische Peschitta nennt als Gebiet ܟܢܘܫ̈ܬܐ ܕܓܠܝܠܐ – „die Synagogen von Galiläa“, nicht von Judäa.

Es gibt einen Begleittext, Jesus ähnlich werden. Besonders zum Thema Prozesstheologie schreibe ich dort etwas.

Zwei Naturen Jesu

Jesus ist wahrer Gott und wahrer Mensch.

Er heilt die Schwiegermutter des Petrus am Sabbat. Die anderen kommen ordnungsgemäß am Abend, als es nach jüdischer Ordnung nicht mehr Sabbat war.
Und Er heilt sie alle!

Das tut Er als Mensch. Immer wieder sagt Er, dass Er der Menschensohn sei. Seine Gottheit spielt in anderem Zusammenhang eine Rolle. Hier heilt Er als Mensch.

Genauer: Er übernimmt das Leid der Menschen auf sich.

Er zaubert die Krankheit nicht weg – Er trägt sie.

Alles Leid, alle Schuld, alle Krankheit, die Jesus heilt, trifft Ihn als Mensch und trägt Er an dem Tag Seiner Passion.

Er heilt zeitlich und räumlich begrenzt – weil Er hier als Mensch handelt.

Und ich?

Ich bin begnadigt, zu werden wie Er. Nicht wie Christus als Gott, sondern wie Jesus als Menschensohn.

Gott wartet darauf, dass ich bereit werde, damit Er mir Last anderer auferlegen kann. Nach Seinen Fügungen, nach Seinem Maß.

Nicht mein Leid aus meiner Schuld – sondern das des anderen.

Es ist diese Welt Gottes, Sein Reich, dessen Ordnung darin besteht, dass die entscheidenden Dinge aus Liebe geschehen. Den anderen zu lieben heißt bereit zu sein, sein Leid zu tragen.

Glücklicherweise ist diese Liebe flankiert von der Hoffnung und dem Glauben. Die Hoffnung darauf, dass meine Liebe bedeutsam ist. Nicht einfach ein Leiden – sondern ein wirksames Lieben durch Dich, Vater.

Nicht ein verzwecktes Lieben, aber ein hinein-lieben in das Heil Gottes.

Was hindert es?

Es sind verschiedene Dinge.

Der Mangel an Hoffnung und Glaube. Aufgeschrieben als Verheißung in den Seligpreisungen des Matthäus und des Lukas.

Was hindert mich? Vielleicht eine Angst vor Überforderung? Von wem – von Gott? Gott kennt mich doch, wie sollte Er nicht angemessen mit mir umgehen.

Er.

Denn wenn einer mich überfordert, bin ich es.

In falschem Eifer oder in Anmaßung.

Ich bin nur dort gerufen, wohin Gott mich führt. Nur der Nächste, gerade der unscheinbare kleine Nächste.

Ich bin nicht gerufen, erfolgreich zu sein, sondern treu. Treu zu bleiben und zu tragen, was mir gegeben wird. Im Joch Jesu.

Und manchmal blitzt es auf. Gerade in der Seelsorge. Dort empfange ich des Öfteren die Wucht des Leidens des anderen. Und bin in eigener Ohnmacht sprachlos und hilflos.

Aber ich weiche nicht – sondern ich stehe.

Denn es ist nicht bodenlos. Ich stehe, weil ich weiß, dass Gott wirklich ist – und neben ihm, dem anderen, steht wie ich. Er handelt nicht allein an ihm – sondern Er sucht jemanden neben Ihm – Er sucht mich.

Ich trage, weil ich getragen bin.

Ich glaube an diese Art von Liebe. Sie ist nicht tragisch – sie ist voller Hoffnung.

Wann auch immer ich es sehen werde.

Denn ich bin ganz am Anfang damit.

Und schon blitzt die Glückseligkeit durch die Fugen des Bretterzauns der Welt.

Die Herrlichkeit ist verborgen in der Dunkelheit. Darum: Scheue die Dunkelheit nicht, sie ist der Pfad zum Licht. Mitten durch „das finstere Tal der Todesschatten“ (Ps. 23).

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