Fr 19.09.2025
Lk 8:1-3 Jüngerinnen Jesu
Der Text
Aus dem Urtext.
1 Und es geschah danach, dass Er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf zog, indem Er predigte und das Evangelium vom Reich Gottes verkündigte; und die Zwölf waren mit Ihm,
2 und auch einige Frauen, die von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren: Maria, genannt Magdalene, von der sieben Dämonen ausgefahren waren,
3 und Johanna, die Frau des Chuzas, des Verwalters des Herodes, und Susanna und viele andere, die ihnen dienten mit ihrem Besitz.
Fortsetzung
Der Text zeigt wunderbar, was ich gestern beschrieben habe. Lukas ist ein Freund der Frauen und bricht mit dem Üblichen seiner Zeit, denn er berichtet einfühlsam und voller Achtung von dem Dienst und dem Wesen der Frauen.
Jesus hat viele Menschen geheilt und einige Dämonen ausgetrieben.
Aber diese Frauen nehmen es nicht nur an – und gehen dann nach Hause. Sie folgen dem fremden Land-Rabbi und dienen Ihm und all Seinen Jüngeren mit ihrer Habe, ihrem Vermögen.
Was es für die Frauen bedeutet
Frauen waren, besonders als Ehefrauen, an Haus und Hof gebunden. Sichtbar in einer gemischten Gruppe zu reisen, war ein Skandal.
Zudem gab es sonst keine Jüngerinnen von Rabbis – das waren alles Männer.
Und gerade Johanna, die Frau des Haushofmeisters von Herodes Antipas, hatte sicher bestimmten Regeln und Etiketten zu folgen. Was bedeutete das für ihren Mann bei Hof?
Es ist in nichts weniger, als es das sofortige Verlassen der Netze war, wie bei den vier Fischern, Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes.
Und sie folgten vermutlich nicht so sehr dem künftigen König von Israel, wie es mehr oder weniger bei manchen anderen Jüngern war.
Frauen haben sehr oft ein Maß an Hingabe und Mut, das ich mir als Mann nicht vorstellen kann.
Verkehrte Welt
Die Frauen versorgen die Männer materiell. Puh – welch ein Skandal. Welch eine Demütigung für die Männer.
Statt die Frau zu versorgen, wie es ihre Pflicht, ihre Ehre und ihre Tradition ist, führt Gott diese starken Männer in die Abhängigkeit von Frauen.
Frauen, die gestern noch dämonisch besessen waren.
Welch merkwürdige Truppe zog da durch die Wüste.
Was es nicht ist
Es ist nicht eine grundsätzliche Umkehr. Keine neue Ordnung an sich. Frauen werden an keiner Stelle generell in die Männerrolle, in die Leitung, befördert.
Denn eine einfache Umkehr würde das Kostbarste aufheben, das darin verborgen ist.
Das Kostbare ist: Verantwortung in zerbrechlichen Gefäßen.
Der Mann leite die Frau – aus der er doch geboren wurde und die ihm an so vielen wichtigen Stellen überlegen ist.
Er leite sie in dem Bewusstsein, dass er „der Kleinere“ ist.
Gott gibt ihm diese Rolle, so wie Er Israel die Rolle der Leitung geben wird. Israel, das Gott selbst das kleinste unter den Völkern nennt.
Sobald ich aber meine, ich „habe“ die Leitung, missbrauche ich sie schon.
Ich verwalte sie mit Zittern vor Gott, der sie mir anvertraut hat, wie Er seinem Sohn die Welt anvertraut.
Diene deiner Frau
So wie Christus der Kirche dient.
Das Erste, Große, was ich von meinem Vater im Himmel gehört habe.
Noch in fast taube Ohren hinein – aber ich erinnere mich genau.
Die Autorität, die ich über meine Frau habe, habe ich nur vor Gott. In Form von Verantwortung.
Es ist keine Macht – es ist geheimnisvolle Stellvertretung.
Ich habe es kaum irgendwo besser beschrieben gefunden als in dem Buch „Der Vater“ von Jochen Klepper. Er schrieb es 1937, mitten im unfassbaren Missbrauch der Leitung, des „Königtums“, durch A. Hitler. Er schrieb von dem König Friedrich Wilhelm I. von Preußen und seiner Knechtschaft dem Volk gegenüber.
„Wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener“ (Mt 20,26).
Im Gemäuer der Ordnungen
Alle Ordnungen gelten. Aber sie beugen sich, wenn der König kommt. Sie dienen nur dem Einen.
Mache ich sie mir für mich zur Macht, habe ich missbraucht, was Gott mir gab.
Wie oft erlebe ich das auch bei „Bibeltreuen Christen“. Sie nehmen zuweilen das Gute, als wäre es das ihre, für ihre Zwecke der Macht.
Und wie schnell nehmen andere ihr Verständnis von Moral und Ethik und schlagen damit den Nachbarn „tot“ (im Bild).
Gestern habe ich einen recht guten Vortrag zur Frage einer Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten gehört.
Aber wie fast immer: mit dem moralischen, nicht hinterfragtem Maßstab unserer Welt, unseres Denkens, unseres Herzens.
Weiß ich noch, war gut ist, wenn ich den Geber des Guten nur noch als Gerücht kenne? Weit von der lebendigen Wahrheit entfernt mit dessen Erbe hantiere?
Manchmal wird ein Stein aus der Mauer der Ordnung für etwas verwendet, was wie ein Skandal aussieht.
Und es ist ein Skandal – wenn es nicht in der lebendigen Ordnung des Stifters dieser Ordnung geschieht.