Mo 29.09.2025 Fest der Engel Michael, Gabriel, Raphael
Joh 1:47-51 Berufung des Natanaël
Der Text
Aus dem Urtext
47 Jesus sah Natanaël zu sich kommen und sagte über ihn: „Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in dem kein Trug ist.“
48 Natanaël spricht zu Ihm: „Woher kennst Du mich?“ Jesus antwortete und sprach zu ihm: „Bevor Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah Ich dich.“
49 Natanaël antwortete Ihm: „Rabbi, Du bist der Sohn Gottes, Du bist der König Israels.“
50 Jesus antwortete und sprach zu ihm: „Weil Ich dir sagte, dass Ich dich unter dem Feigenbaum sah, glaubst du? Größeres als dies wirst du sehen.“
51 Und Er spricht zu ihm: „Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet sehen und die Engel Gottes hinaufsteigen und herabsteigen auf den Sohn des Menschen.“
Natanaël erkennt Jesus
Der Feigenbaum ist der Ort des Friedens, des Thora-Studiums, der Kontemplation.
Siehe auch Micha 4,4 oder 1. Kö 5,5
Jesus sah Natanaël weniger an einem Ort – sondern im Gebet.
Und Er (Jesus) wusste, dass auch Natanaël Ihn gesehen hat. Vielleicht in der Weise, wie die Emmaus-Jünger.
Vor kurzem schrieb ich:
Man sieht nur, was man zu erkennen bereit ist.
Noch besser:
Man hört nur, was man zu tun bereit ist.
Natanaël war bereit, ja sehnsüchtig dürstend nach dem Heil Israels.
Achtung: Es ging um Israel – nicht um Natanaël. Jesus sieht ihn als Israeliten, rechten Israeliten.
Reinheit
Der berühmte Pater Pio hatte engen Umgang mit Engeln. Mir fällt auf, dass er sorgsam darauf bedacht war, diesen Engel neben ihm nicht zu kränken.
Engel sind feine, sensible, reine Wesen – sehr vertraut mit dem Heiligen Gott.
Padre Pio:
„Wie oft habe ich — ach! — diesen guten Engel zum Weinen gebracht! Wie oft lebte ich, ohne die geringste Furcht, seine Reinheit zu beleidigen!“
Es gibt eine unmittelbare Nähe, vielleicht sogar Identität, zwischen den Engeln – und meinem Gewissen.
Das Gewissen.
Es kann rufen und schweigen. Es kann warten und trauern. Es kann weinen.
Und es kann stumpf werden, sich zurückziehen und lange, lange von sehr ferne zuschauen.
Das Gewissen ist vertraut mit Gott (den Engeln?). Es repräsentiert Ihn bei mir – und mich bei Ihm, dem Allmächtigen.
Die Reinheit des Gewissens entscheidet über den Ort, den ich bei Gott habe. Hier auf Erden und oben im Himmel.
Ein Beispiel aus meinem Erleben.
Wasserkanister
Ich hatte einen (von 10) Wasserkanistern im Garten gelassen. Meine Frau wies mich darauf hin und ich war ärgerlich, weil ich es wie ein Vorwurf gehört habe.
Sie hatte es mir aber schon vorher gesagt – und ich erinnerte mich nicht daran.
Ein kleiner Konflikt entstand, weil ich so sicher war, in meiner ganz leeren Erinnerung.
Als es mir schließlich dämmerte bat ich um Verzeihung.
„Nein, ich verzeihe dir nicht. Ich möchte stattdessen, dass du solches nicht mehr machst.“
Puh. Eine gewaltige Lehre:
(1) Um Vergebung zu bitten, braucht das Erkennen echter Verantwortung!
Also: Ich wollte es vergessen.
Na klar – es war mir unangenehm.
Ich habe meine Ehre über unsre Beziehung gestellt.
Das war absichtsvolle Schuld.
Denn meine Ehre habe ich bei Gott – nicht vor Menschen.
(2) Wirkliche Umkehr zeigt sich nur in der Tat. Handle ich ab jetzt anders, zeige ich erst damit, dass ich meine Verantwortung anerkenne und vollziehen werde. Ein großes Thema, das weiter betrachtet werden soll.
(3) Reinheit entsteht durch Reinigung der Beziehung.
- Der Beziehung zu meiner Frau, indem ich aufhöre mit meiner Rechtfertigung und meinem Kämpfen um Anerkennung meiner Bemühungen.
- Der Beziehung zu meinem Gewissen (Engel), der leise spricht, während ich innerlich schreie. Ich versöhne mich mit meinem Gewissen – und es verbindet mich wieder mit meinem Gott.
Die Ursache für Missverständnisse ist nicht ein Thema der Kommunikation! Ein weit verbreiteter Irrtum.
Es ist die innere Eitelkeit, die Rebellion des Ich gegen das Gewissen (den Engel).
Pater Pio sagte etwas Interessantes:
„Wenn du mich nicht erreichen kannst, sende deinen Engel“.
Der Engel des anderen spricht zu meinem mit reinen, klaren Worten.
Ich höre ihn – immer!
Immer, wenn ich „bereit bin zu gehorchen“.
Ich bin dann bereit, wenn ich glaube, dass die Liebe meines Vaters all den Mangel ausgleicht, den ich erwarte, weil ich Gehorsam bin.
Ich demütige mich nicht, um klein zu sein, sondern als Ausdruck meiner Annahme der Liebe Gottes. Wo ich klein bin, ist Seine Liebe zu mir groß.