Mi 01.10.2025
Lk 9:57-62 Vom Ernst der Nachfolge
Der Text
Aus dem griechischer Urtext
57 Und es geschah, während sie auf dem Weg waren, sagte jemand zu Ihm: „Ich will Dir nachfolgen, wohin Du auch gehst.“
58 Und Jesus sprach zu ihm: „Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester, der Sohn des Menschen aber hat nicht, wo Er Sein Haupt hinlegt.“
59 Zu einem anderen aber sprach Er: „Folge mir!“ Der aber sprach: „Herr, erlaube mir, zuvor hinzugehen und meinen Vater zu begraben.“
60 Er aber sprach zu ihm: „Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkünde das Reich Gottes.“
61 Es sprach aber auch ein anderer: „Ich will Dir nachfolgen, Herr; zuvor aber erlaube mir, mich von denen zu verabschieden, die in meinem Haus sind.“
62 Jesus aber sprach zu ihm: „Niemand, der die Hand an den Pflug legt und zurückblickt, ist tauglich für das Reich Gottes.“
Das Antlitz hart machen
Es baut auf den Text von gestern auf.
Und es erinnert mich an das große Gottesknecht-Lied aus Jesaja, besonders im Kapitel 50,4-9.
• Er bekommt jeden Morgen ein Ohr geöffnet, um wie ein Jünger zu hören.
• Er gibt seinen Rücken den Schlagenden, seine Wangen den Raufenden, sein Angesicht den Schmähungen.
• Und: Er macht sein Angesicht wie den Feuerstein (חַלָּמִישׁ ḥallāmīsch), weil Gott Ihm hilft.
Hart heißt nicht stur, nicht herzlos – sondern entschieden sein.
Ich sage: Es ist eine Scheidung von der Selbstbezogenheit.
Scheidung von Bequemlichkeit und Sicherheit.
Scheidung von alten Bindungen.
Scheidung vom zögernden Menschen.
Der Geist löst sich von den Schlingen des Fleisches
Nicht im Sinne einer Trennung, sondern im Sinne der vollkommenen Dominanz. Der Souverän des Geistes, wie er durch den Atem Gottes dem Menschen gegeben ist, erhält seine alte Herrschaft zurück.
Willst du dem Geist folgen – oder ihn weiter von der Umklammerung des Fleisches begrenzen lassen.
Der Feuerstein
Bei Jesaja steht: „Er macht sein Angesicht wie den Feuerstein“.
Ein kräftiges Bild für das, was dort geschieht.
Diese besondere Härte des Steines und daraus die Möglichkeit, mit Eisen Feuerfunken zu erzeugen.
Interessant ist, dass andere Steine auch hart sind – aber nicht hart genug. Mit Kieselsteinen geht es nicht.
Es ist nicht so, dass „ein wenig Nachfolge“ auch schon ganz gut wäre.
1%-Methode (Kieselstein-Methode)
Ich schätze James Clear und seinen Weg der 1%-Methode. Dort legt er dar, dass kleine Schritte, die in Gewohnheiten münden, am Ende auch große, nachhaltige Veränderungen bewirken.
Gewohnheit ist eine der stärksten Kräfte, die es gibt. Gelingt mir eine neue Gewohnheit, macht sie mir keine Mühe mehr, und ich gehe einen Schritt weiter.
Mir scheint aber, mit dieser Methode allein, werde ich keine hinreichende Klarheit in meinem Geist erzielen, was ich eigentlich will und wer ich bin oder sein will.
Es funktioniert – aber es klärt nicht.
Ich schleife den Kieselstein – aber ich werde kein geistiger Mensch.
Für mich ist Erfolg nicht die oberste Maxime – sondern „Christus in uns“.
Funken-Methode (Feuerstein-Methode)
Die entscheidenden Veränderungen in meinem Leben habe ich mit der Feuerstein-Methode erlebt. (Meine Formulierung dafür: Gleich-Ganz-Gern).
Nahe dran an diesem Text.
Aber nun noch tiefer fundiert.
(1) Klärung des wirklichen eigenen Wollens meines Geistes gegen die Versuchungen des Lebens, des Leibes.
Was ist geeignet, den Funken des Geistes zu wecken?
(2) Entschlossene Entschlossenheit. Koste es, was es wolle. Verzicht auf jedes optionale Denken.
(3) Sofort. Ist der Funke klar und eindeutig, der Ruf deutlich genug, dann springe ich, ohne einen Blick in den Abgrund zu tun, über den ich springe.
Ich schaue nicht zurück.
Beides hat seinen Raum
Ich sage: Kontinuierliche Verbesserungen haben ihren Platz und ihren Nutzen.
Sie reichen aber nicht.
Der Leib lebt in analogen Rahmenbedingungen. Frankl spricht dabei vom Körper-Seele-Kontinuum.
Er steht in Spannung zum Geist. Der ist nicht analog, sondern nimmt die Transzendenz auf.
Auch Frankl spricht vom Geist als Sprung aus diesem Kontinuum heraus. Nach meinem Kenntnisstand bekennt allein die Logotherapie den Souverän des Geistes.
Die Kieselstein-Methode arbeitet horizontal – innerhalb des Gegebenen.
Die Feuerstein-Methode nimmt das Vertikale auf.
Mit der Kieselstein-Methode allein werde ich niemals Jünger Jesus sein.