Die zweite Wegstrecke

So 05.10.2025

Lk 17:5-10 Vom Glauben

Der Text

Aus dem griechischen Urtext.

5 Und die Apostel sprachen zum Herrn: „Mehre uns den Glauben!“

6 Der Herr aber sprach: „Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: ‚Entwurzle dich und pflanze dich ins Meer!‘, und er würde euch gehorchen.

7 Wer aber von euch, der einen Knecht hat, der pflügt oder das Vieh weidet, wird zu ihm, wenn er vom Feld heimkommt, sagen: ‚Komm sofort her und setz dich zu Tisch‘?

8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: ‚Bereite mir das Abendessen, gürte dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe, und danach sollst du essen und trinken‘?

9 Dankt er etwa dem Knecht, weil er getan hat, was ihm befohlen war?

10 So auch ihr: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, sprecht: ‚Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was zu tun wir verpflichtet waren.‘“

Eine Geschichte

Ich habe diesen Text spontan wie zwei Geschichten gelesen. Die Verbindung von Glauben und Knechtschaft scheint zunächst nicht auf der Hand zu liegen.

Viele Menschen würden sich gerne „Glauben“ schenken lassen – aber sie haben ihn schon; sie müssen ihn nur vollziehen.

Solange ich etwas ahne, was ich noch zu tun habe, weil es eine sehr leise Stimme gesagt hat, und es nicht tue, solange spotte ich dem Glauben.

Glaube ist nicht an sich ein Ding, das man haben kann oder nicht.

Es ist ein Vollzug.

Ich erinnere wieder an das hebräische Denken: Es gibt gar kein Wort für „haben“ im Hebräischen. Sondern: jēsch li (יֵשׁ לִי), es gibt mir, es ist mir.

Glaube wird vollzogen – oder es gibt ihn gar nicht.

Es ist dasselbe wie mit der Liebe oder dem Hoffen. Es ist ein Tu-Wort, wie Johannes Justus schön sagt.

„Ich glaube“ heißt auf Hebräisch: אֲנִי מַאֲמִין – aní ma’amín.

Glauben heißt: fest sein, zuverlässig sein.

Man kann „zuverlässig sein“ nicht empfangen. Aber jeder kann es tun.

Ich halte fest:

Glauben kann man nicht haben – man muss ihn tun.

Einüben

Daher ist Glaube eine Übungssache, genau wie Lieben.

Beides sind Wesenseigenschaften, die wir aus unserer Gottesbildlichkeit allzumal haben.

Einüben ist eine Zustimmung in das Beenden der Rebellion.

In mir finde ich einen Status vor. Beispielsweise etwas Eingeübtes wie den Kaffee ans Bett meiner Frau zu bringen. Das kostet mich nichts mehr, da ich es schon lange tue. Das erste Mal war es anders, jetzt aber ist es leichte „Knechtsarbeit“ auf dem Feld.

Ich bin hier treu – schön.

Wie nun geht es weiter?

Die zweite Wegstrecke

Glaube ist nicht der Vollzug des schon Geglaubten,

sondern der Schritt aus der Gewohnheit heraus.

Immer wieder gibt es z. B. gefühlte Ungerechtigkeit. Ich bilde mir ein, doch schon so viel hier und da getan zu haben – aber meine Frau zürnt über eine „Kleinigkeit“.

Wenn ich den Dienst, den ich verstanden und eingeübt habe, gemacht habe, dann habe ich die Tendenz, etwas zu essen – wie in Jesu Erzählung der Knecht vielleicht denkt, jetzt wäre essen dran.

Aber der Herr sagt: „Bereite mir das Abendessen,…“

Es geht über das hinaus, was ich gelernt habe.

Mein Vertrauen (Glaube) wird angefragt, geprüft, gefordert.

Was macht es mir schwer?

Ist es nicht die scheinbar schon verschwundene Rebellion des Misstrauens?

Wo komme ich vor, wenn ich nur diene? Wenn ich mich nur bücke und wegstecke? Wenn ich mich nicht rechtfertigen darf und ich Überforderung spüre?

Vollziehe das „Zuverlässig-Sein“, das „Vertrauen“, über die Erfahrung der ersten Wegstrecke hinaus – und du wirst erleben, dass der Herr sagt:

‚Du guter und teuer Knecht. Iss und trink am Tisch deines Herren.‘

Der Glaube erhält seine Erkenntnis, seine Kraft und seinen Lohn immer NACH dem Vollzug – nicht im Voraus.

Sonst wäre es kein Glaube.

Nutzlos

Ein hartes Wort.

Aber Gott braucht unser Werk als Werk nicht.

Was Er will, ist unsere Wandlung. Unsere Bereitung zur Teilhabe an Seiner Herrlichkeit.

Erfolgsdenken und „Wert durch Werke“ denken führt in die Irre.

Aber:

Wer werde ich durch das, was ich tue?

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