Mo 13.10.2025 Friedrichstadt
Lk 11:29-32
Der Text
Aus dem griechischen Urtext.
29 Als aber die Volksmenge sich drängte, begann Er zu sagen:
„Dieses Geschlecht ist ein böses Geschlecht; es verlangt ein Zeichen, und kein Zeichen wird ihm gegeben werden außer dem Zeichen des Jona.
30 Denn wie Jona den Leuten von Ninive ein Zeichen wurde, so wird auch der Menschensohn diesem Geschlecht sein.
31 Die Königin des Südens wird im Gericht auftreten gegen die Männer dieses Geschlechts und sie verurteilen,
denn sie kam vom Ende der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören; und siehe, mehr als Salomo ist hier.
32 Männer von Ninive werden im Gericht auftreten gegen dieses Geschlecht und es verurteilen,
denn sie taten Buße auf die Verkündigung des Jona hin; und siehe, mehr als Jona ist hier.“
Jona 3:10
Gott sah ihr Verhalten: Sie kehrten von ihrem bösen Weg um. Da reute Gott das Unheil, das Er ihnen angedroht hatte – und Er ließ es nicht eintreten.
Ninive
Die große, sehr große Stadt tat Buße. In Sack und Asche, mit Fasten und Tränen. Aber auch in ihrer konkreten Tat, wie Vers 10 sagt.
Solch ein Verhalten scheint mir heute fremd. Wer tut Buße?
Und wer predigt Gericht?
Und wovon sollte ich dann umkehren?
Alle Welt kennt sich selbst als Opfer. Wo erkennt sich jemand als Täter?
Psychotherapie
Dort geht es um vieles. Um Verständnis, um Stärkung, um Ermutigung – aber kaum um eigene Verantwortung, eigene Schuld.
Predigten
Welcher Pastor könnte es wagen, von unserer Schuld zu sprechen?
Von Verstehen ist die Rede und immer wieder von Gnade.
Aber der Sünder fühlt sich eher als schwaches Opfer der Umstände, der Biographie und der anderen, denn als absichtsvoller Täter.
Gnade wird zumeist als Dienst Gottes zu einem besseren Leben verstanden.
Schuldbewusstsein
Es scheint verschollen zu sein.
Aber ist es so?
Die Schuld anderer können wir gut sehen.
Und die eigene Empfindlichkeit ist ausgeprägt.
Psychologisch zumeist ein Phänomen der Projektion. Das eigene Schuldempfinden wird auf den anderen übertragen. Er hat Schuld.
Lust
Schuldempfinden ist vielleicht die größte Unlust, die ich empfinden kann.
Und die Vermeidung von Unlust ist das größte Programm der Gegenwart.
Was würde geschehen, wenn Lust und Unlust keine wichtige Rolle in meinem Leben mehr spielen würden?
Sondern Tugenden wie Treue, Mut und Tapferkeit?
Ich bräuchte immer noch einen Erlöser.
Aber diese Tugenden beleuchten dies erst. Ich höre auf, Gründe zu suchen und erkenne den Grund in mir.
Ich, ich habe Gott misstraut. Ich selbst war es, der sich selbst bevorzugt hat. Der lieblos war.
Nicht einfach das innere Kind oder die Gesellschaft.
Mein Diabetes, mein Gewicht, meine koronare Erzerkrankung – sind es Krankheiten?
Oder nicht vielmehr einfach Schuld!
Schuld meiner Lustorientierung beim Essen, meiner Disziplinlosigkeit.
Schuld meines Geistes am Leib, dem Ort, den der Geist doch als gereinigten Tempel braucht.
Jerusalem
Der Weg nach Jerusalem war weit und beschwerlich für die Königin aus Saba. Auch heute ist der Weg ins himmlische Jerusalem weit und beschwerlich.
Wer meint, Jesus wäre für ihn ElAl und würde ihn bequem hinfliegen, der irrt.
Nur dem Pilger ist Jerusalem die Ewige Stadt.
Der Staub der Unlust wird mir so zur Frage Gottes: Willst du einer der meinen sein? Willst du die Schlingen des „der andere war’s“ hinter dir lassen.
Ich erlöse dich, wenn du dich als Sünder bekennst – denn nur der wird aufgerichtet, der am Boden ist.