Do 16.10.2025 Friedrichstadt
Lk 11:47-54 Erinnerung und Schuld
Der Text
Aus dem griechischen Urtext:
47 Wehe euch! Denn ihr baut die Grabmäler der Propheten, eure Väter aber haben sie getötet.
48 So bezeugt ihr also und willigt in die Taten eurer Väter ein; denn sie haben sie getötet, und ihr baut ihnen (die Grabmäler).
49 Darum hat auch die Weisheit Gottes gesagt: Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden, und einige von ihnen werden sie töten und verfolgen,
50 damit das Blut aller Propheten, das seit der Grundlegung der Welt vergossen worden ist, von diesem Geschlecht gefordert werde,
51 vom Blut Abels bis zum Blut Sacharjas, der zwischen dem Altar und dem Haus umkam. Ja, Ich sage euch: es wird von diesem Geschlecht gefordert werden!
52 Wehe euch, Gesetzesgelehrte! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen; ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die Hineingehenden habt ihr gehindert.
53 Und als Er dort hinausging, fingen die Schriftgelehrten und Pharisäer an, Ihn heftig zu bedrängen und über vieles auszufragen,
54 Ihm nachzustellen, um etwas aus Seinem Mund zu erhaschen.
Wiederholung
Ich erinnere daran, was ich schon einmal geschrieben habe. Die Erinnerungskultur am 9. November zur Shoah wird uns zum Gericht werden, weil wir nichts daraus gelernt haben.
Wir erheben uns über die Generation damals, über die Nationalsozialisten, und behaupten, wir würden niemals so sein. Und indem wir das tun, sind wir schlimmer als sie.
Die Nationalsozialisten dachten, sie sind bessere Menschen, ja, sie hielten sich für Herrenmenschen. Wir halten uns für noch besser. Darum bauen wir den Toten Denkmäler, aber kritisieren die lebenden Juden so, wie es die Nazis taten.
Wir haben gestern eine lange Dokumentation über Israel und die Palästinenser gesehen. Es wurden zwar viele Fakten genannt, sie waren aber eingebettet in eine selbstverständliche Beurteilung, was richtig und falsch ist. Aus Sicht eines deutschen Redaktionsteams.
Wir sind nicht besser als unsere Väter. Und angesichts dessen, dass wir die Geschichte kennen und wiederholen, sind wir sogar schlimmer. Jesus sagt, dass diese Generation, die es weiß und sich doch wieder erhebt, die Schuld auch der Väter mittragen muss.
Wer bin ich?
Wer ich bin, hängt davon ab, wer meine Obrigkeit ist.
Ich bin nicht klüger, oder besser als andere oder als meine Väter.
Darum suche ich nach dem, der mich leiten und führen kann.
Zwar fragt mich Gott nach Zustimmung, aber Er legt mir die Wahrheit vor. Und ich erkenne an der Frucht Seiner Wahrheit, den Vater, dem ich folgen kann.
Wenn es also in meinem Herzen dunkel ist, suche ich nicht Erkenntnis in mir, ich suche meinen Vater auf. Unter dem Schatten Seiner Flügel erkennt mein Herz das Licht der Liebe.
Das kann es nicht für sich allein.
Einem falschen Führer nachzulaufen, ist schlimm. Aber dem eigenen Ego nachzulaufen, ist mindestens ebenso schlimm.
Denn der Führer ist ja seinem Ego nachgelaufen, und wir haben gesehen, was geschehen ist.
Der Teufel sagt nicht, folge mir. Er sagt, folge dir selbst.
Er sagt: Du wirst sein wie Gott. Du musst einfach nur deiner eigenen Erkenntnis folgen.
Ich aber erkenne mich selbst als einen, der kein guter Gott ist. Auch mir selbst nicht, schon gar nicht für andere.
Die Dunkelheit zu suchen, um Gottes Stern am Himmel zu erkennen, ist sehr schwer. In unserer glänzenden Zeit vielleicht schwerer, denn je.
Gericht
Ich gehöre zu Deutschland, ich gehöre zur Kirche. Beide haben nicht erkannt, was die Zeichen der Zeit ihnen gezeigt haben.
Damals nicht, und heute auch nicht.
Warum sollte unser Schicksal besser sein als das der damaligen?
Gott, ich suche dich. Nicht nur für mich, sondern für meine Kirche, für mein Land.