Betrachtung und Entscheidung

Mo 20.10.2025

Lk 12:13-21 Der reiche Kornbauer

Der Text

Aus dem griechischen Urtext:

13 Einer aus der Volksmenge sprach zu Ihm: Lehrer, sage meinem Bruder, dass er das Erbe mit mir teile.

14 Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat Mich zum Richter oder Schlichter über euch eingesetzt?

15 Er sprach zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor aller Habsucht; denn auch wenn jemand Überfluss hat, besteht sein Leben nicht aus seinem Besitz.

16 Und Er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Das Land eines reichen Mannes trug reichlich.

17 Und er überlegte bei sich und sprach: Was soll ich tun? Ich habe keinen Raum, um meine Früchte zu lagern.

18 Und er sprach: Das will ich tun: Ich werde meine Scheunen abbrechen und größere bauen, und ich werde dort all mein Getreide und meine Güter sammeln.

19 Und ich werde zu meiner Seele sagen: Seele, du hast viele Güter auf viele Jahre; ruhe, iss, trink, sei fröhlich!

20 Gott aber sprach zu ihm: Du Narr! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern; wem aber wird gehören, was du bereitet hast?

21 So ist es mit dem, der sich Schätze sammelt für sich selbst und nicht reich ist in Gott.

Wohin die Seele schaut –

zu dem wird sie.

Wenn ich morgens aufwache, tauchen oft noch Gedanken zu dem auf, was ich mit meiner Frau am Abend im TV geschaut habe. Gerade Serien beeindrucken sie Seele nachhaltig.

Wohin wandern die Gedanken meines Herzens, wenn ich sie nicht zügle und lenke? Was taucht spontan aus dem Untergrund auf?

Berufliche Sicherheit, Erfolg, Gesundheit, Probleme, ein neues iPhone?

Oder die Dinge aus der stillen Zeit, Freunde, Israel, Du, Vater?

Welche Saat ist im Ackerboden meines Herzens?

Und:

Baue ich diesen Gedanken meines Herzens Scheunen?

Addiere ich Gedanke auf Gedanke, bis sie ein festes Gebäude sind?

Eine Scheune, die mein Leben bergen will. Wohinein bergen? In die Welt?

Angst, Liebe, Hoffnung

Sie verbinden sich mit dem Gedankengebäude meines Herzens.

Ich lese aktuell Marie de l’Incarnation (Marie Guyart, 1599–1672).

Ich lese vorsichtig, immer nur ein paar Seiten.

Denn es beschämt mich sehr.

Ich sehe, wie unfassbar weit ich von einem gottgefälligen Leben entfernt bin.

Meine Illusion, ein doch einigermaßen frommer Mann zu sein, zerbröselt – und ich stehe nackt und beschämt da.

Das kommt davon, wenn man Gott um etwas bittet. Denn ich weiß: Mir fehlt die notwendige Ehrfurcht vor Gott. Mir fehlt es an genug Ehrfurcht vor der Aufgabe meines Lebens.

Was säe ich in mein Herz?

Vor kurzem schrieb ich: Das Angesicht fest machen. Dort ging es um den Unterschied zwischen dem Vorbereiten eines Weges und dem endgültigen Festmachen (auch noch in der Andacht am Tag danach).

Heute geht es um diesen Teil der Vorbereitung.

Ich bereite mein Herz – entweder mit der Welt oder mit dem Himmel.

Ich säe, was ich ansehe.

Also: anschaue, betrachte, bedenke, mit Emotionen auflade.

Der Kornbauer

Er überlegte bei sich selbst. Für sich selbst.

Die Sünde ist nicht, reich zu sein. Sondern sein Überlegen und Denken für den Reichtum zu verschwenden.

Überhaupt: Für sich selbst zu verschwenden.

Das Leben ist eine Leihgabe. Es ist nicht zum Verbrauchen bestimmt – sondern zum Investieren.

Mein Leben wird nicht nach dem Tod zum ewigen Leben. Es ist die Frucht meines Lebens, um die es geht. Ist sie eine Frucht bei Gott, aufbewahrt schon jetzt im Himmel, dann wird sie ewig wirksam sein.

Anders gesagt: Wo meine Frucht ist, da bin auch ich.

Der Mensch ist weder von seinem Leib noch von seinem Werk zu trennen.

Saat und Ernte

Ich säe tausend Gedanken.

Welche ich ernte, hängt auch von ihrer Quantität ab.

Säe ich zumeist Gedanken der Welt – was erwarte ich himmlische Frucht?

Säe ich Gedanken um Geld, Wirksamkeit, Genuss – werden sie zurückbleiben wie Asche, wenn ich gehen muss.

All das muss verknüpft werden mit dem „Feuerstein“, von dem ich sprach.

Wenn Gott vor mich tritt und mir etwas aufträgt: ist dann genug „Getreide“, um mit entschlossener Entschlossenheit – oder einem Angesicht wie ein Feuersein – mich nach Jerusalem zu wenden?

Wenn es nur Unkraut gibt – vielleicht fragt Er mich dann nie etwas.

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