Mi 22.10.2025
Lk 12:39-48 Warten auf Jesu Kommen II
Der Text
Aus dem griechischen Urtext:
39 Das aber erkennt: Wenn der Hausherr wüsste, zu welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er wachen und nicht zulassen, dass in sein Haus eingebrochen wird.
40 Auch ihr, seid bereit! Denn in der Stunde, da ihr es nicht meint, kommt der Sohn des Menschen.
41 Petrus aber sprach: Herr, sagst Du dieses Gleichnis zu uns oder auch zu allen?
42 Der Herr aber sprach: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr über seine Dienerschaft setzen wird, um ihnen zur rechten Zeit ihre Speise zu geben?
43 Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, damit beschäftigt findet.
44 Wahrlich, Ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen.
45 Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr bleibt noch aus, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen, zu essen, zu trinken und sich zu berauschen,
46 wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen, an dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt, und wird ihn entzweischneiden und ihm seinen Teil bei den Ungläubigen geben.
47 Jener Knecht aber, der den Willen seines Herrn kannte und sich nicht bereitet noch nach seinem Willen gehandelt hat, wird viele Schläge empfangen.
48 Wer ihn aber nicht kannte und tat, was der Schläge wert ist, wird wenige Schläge empfangen.
Jedem aber, dem viel gegeben wurde, von dem wird viel verlangt werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr fordern.
Bin ich gemeint?
Ich bin weder Apostel noch Pastor noch sonst etwas. Aber die Antwort Jesu auf die Frage des Petrus offenbart:
Wer diese Frage stellt, der ist genau der, der gemeint ist.
Und selbst der, der meint, er wüsste nichts von einem Auftrag, der wird angesprochen, wenn auch mit geringerer Verantwortung, weniger Schlägen.
Wenn ich also gemeint bin – wie diene ich recht?
Ist es genug, diese Andachten zu veröffentlichen?
Zur rechten Zeit
Um zur rechten Zeit zu geben, muss ich mindestens
- Von Dir her hören, was jetzt dran ist.
- Den kennen, dem ich es geben soll.
Zur rechten Zeit bedeutet: Es geht nicht um allgemeine Richtigkeiten. Sondern um prophetisches Handeln. Handeln in der Zeit. Worte und Taten, die nicht morgen gesagt werden sollen, sondern heute.
Ist es schon schwer, die Wahrheit zu erkennen und zu bezeugen, so ist es noch schwerer, das treffende, überführende, konkrete Wort der Wahrheit zu sagen.
Ich merke, wie oft mir das misslingt.
Ich saß mit meiner Frau in einer Lesung, die von der DIG (Deutsch Israelische Gesellschaft) veranstaltet wurde. An einer Stelle wusste ich, dass etwas Böses gesagt wurde – aber ich wusste nicht, wie und was ich jetzt sagen sollte.
Muss ich warten, bis eine Tür für das Wort aufgeht? Und drängle ich dann durch die Tür?
Was ihnen zusteht
Zumeist verteilen die geistlichen Lehrer nur Süßspeisen.
Einen Keks Trost hier, eine Praline Wertschätzung dort.
In den Evangelien finde ich wenig davon. Im Gegenteil.
Das zweischneidige Schwert, das aus Verwandten Feinde machen kann, bleibt im Museumsschrank.
Der Knecht handelt so, weil er nur von denen Speise und Getränke erhält, denen er nach dem Mund redet.
Und wenn ich schon Knecht bin – warum soll ich dann nicht Anerkennung, Respekt, Dank und Ehre empfangen?
Und das verderbe ich mir, wenn ich vom Aussatz der Sünde rede.
Was teile ich aus?
Ich teile von dem aus, was mich ausmacht.
Und das ist ein weiterer Grund, wenig auszuteilen. Denn was ist an mir von der Substanz des Herrn?
Was ich sage und selbst nicht lebe, ist eine Lüge.
Die Menschen schauen sich die Wegweiser genau an – und auch der Teufel tut es.
Und sind nicht die meisten Wegweiser eigentlich Fähnchen?
Fähnchen, die sich im Wind drehen?
Vielleicht sind sie heute richtig – aber sie bezeugen es nicht mit ihrem Leben.
Ein Wegweiser Gottes ist jemand, an dem man Gott erkennen kann – nicht ein toter Stein mit einer Aufschrift.
Marie L’Incarnation hat Gott ganz gedient und war zugleich Ehefrau, Mutter und später auch Geschäftsfrau.
Sie ist ein lebendiger Wegweiser.
Lukas war Paulus treu bis in die letzten Tage.
Er war keine Schreibmaschine Gottes – er war der Papyrus selbst, in dem sein Leben bezeugt, was er schreibt.
Jedes Wort, das ich schreibe, ist eine Anfrage – und evtl. eine Anklage an mich.
Zeugst du – oder redest du nur?
Sarah Cohen-Fantl hat auf der Veranstaltung der DIG gelesen und gesprochen. Sie bezeugte die unausweichliche Gefahr, in der jeder Jude steckt.
Für sie selbst konnte sie damit umgehen.
Aber als ihr zwei Kinder geboren wurden, war es anders.
Der Schrei zu Gott, wie sie diese Verantwortung tragen kann, war ein ganz anderer.
So auch ich selbst. Ich vertraue auf meine Rettung durch Jesus. Ja.
Aber ich fürchte den Blick der Menschen, denen ich ein schlechter Wegweiser war und bin. Dann wird mein Herz mich meiner Lauheit anklagen – furchtbar.
Eine Lauheit mir selbst gegenüber!