Selbstsorge ist nicht neutral

Mo 27.10.2025

Lk 13:10-17 Die Heilung der verkrümmten Frau am Sabbat

Der Text

Heute in wörtlicher Übersetzung aus dem griechischen Text:

10 Er war lehrend in einer der Synagogen am Sabbat.

11 Und siehe, eine Frau war dort mit einem Geist der Schwäche seit achtzehn Jahren, und sie war zusammengekrümmt und konnte sich keineswegs aufrichten.

12 Jesus selbst aber, als Er sie sah, rief (sie) zu Sich und sagte zu ihr: Frau, du bist gelöst von deiner Schwäche.

13 Und Er legte ihr die Hände auf, und sogleich wurde sie gerade und verherrlichte Gott.

14 Der Synagogenvorsteher aber, erzürnt darüber, dass Jesus am Sabbat heilte, antwortete und sagte zur Menge: Sechs Tage sind, an denen man arbeiten muss; an ihnen kommt und lasst euch heilen, und nicht am Tag des Sabbats.

15 Der Herr aber antwortete ihm und sagte: Heuchler! Löst nicht ein jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe und führt ihn hin, um (ihn) zu tränken?

16 Diese aber, eine Tochter Abrahams, die der Satan gebunden hatte, siehe, achtzehn Jahre, sollte sie nicht gelöst werden von diesem Band am Tag des Sabbats?

17 Und als Er dies sagte, wurden alle, die Ihm widerstanden, beschämt; und die ganze Volksmenge freute sich über alle herrlichen Taten, die geschahen durch Ihn.

Zusammenhang

Der Text führt das Gleichnis vom Feigenbaum fort.

Es wird bei dieser wörtlichen Übersetzung deutlicher.

Israel ist zu mehr berufen, als nur um das Gesetz zu verwirklichen.

Israel ist nicht nur ein Baum – sondern Israel soll lebendige Frucht bringen.

Gesetz und Gesetzgeber

Das Gesetz ist gut.

Es regelt die Dinge in Abwesenheit des Gesetzgebers und in seinem Wesen ist es ein Wegweiser auf den Gesetzgeber hin.

Siehe das herrliche Gesetz – wie herrlich muss erst der Gesetzgeber sein.

Aber das Gesetz ist wie ein Raum. Er beschreibt Grenzen – aber nicht das Leben im Raum selbst. Und im konkreten Leben gibt es Lücken, die das Gesetz nicht beschreibt.

Vollmacht

Das Gesetz ist wahr – aber blind.

Wer gibt ihm Augen?

Es ist der Mensch, der ganz zum Gesetzgeber gehört.

Der Auge – und dann auch die Hand – des Vaters ist.

Gestern habe ich beschrieben, wer Vollmacht hat.

Es ist der, der ganz den anderen verwirklicht – nicht sich selbst.

Der, dessen „Sehen“ den Anderen ganz in sich hinein lässt.

Der jeden Preis bezahlt.

Erleben

Gestern war eine weitere Geburtstagsfeier in meiner Familie.

An einer bestimmten Stelle habe ich etwas, das ich gehört habe, nicht getan.

Es schien eine geringe Sache zu sein – sehr gering, und sie betraf nur mich.

Später gab es ernste Gespräche um eine Not in einem Teil der Familie. Und

ich wurde um Rat gebeten.

Ich spürte, wie meine Vollmacht eingeschränkt war – und ich wusste auch warum.

Insofern betraf die kleine Sache davor doch nicht nur mich.

Raum der Vollmacht

Eine Bedingung für Vollmacht ist der völlige Verzicht auf den eigenen Nutzen.

Und dies als personale Entscheidung – nicht als etwas, das vom Himmel fällt.

Ich kann mir selbst nicht Vollmacht verschaffen – aber ich kann den Raum dafür reduzieren, ja verderben.

Heiligkeit ist ein Eigentumsbegriff. Heilig ist das, was ganz Gott überlassen wird.

Vielleicht ein Ort, ein Gerät, eine Zeit.

Was passiert, wenn ich mich selbst ganz Gott hingebe?

Nicht schwärmerisch – sondern mit meinem Eigenwillen und meinem Eigennutzen.

Gott wird es zuerst prüfen und mir offenbaren, wie ernst ich es meine.

Und brutal springt mir der alte Adam ins Gesicht.

Paulus kämpft mit dem Eigenwillen (Rö 7).

Erst im Kampf gegen den Eigenwillen erkenne ich meine Grenzen – und erkennt Gott, wie ernst ich es meine.

Er fragt nicht nach meiner Kraft – aber Er fragt nach meiner Entschlossenheit.

Kein Spiel

In dem Umfeld, in dem ich eine Rolle spiele, gibt es große, existenzielle Kämpfe. Gott steht vor der Tür und die Dämonen kämpfen verbissen um die Seelen.

Großer Schmerz ist da und das Gefühl der Betroffenen, überwältigt zu werden.

Habe ich einen Turm angefangen zu bauen und bin nicht in der Lage, ihn zu vollenden?

Das Heil meiner Brüder lastet auch auf mir – ich sehe es klar.

Bin ich frei genug von mir selbst, um Dir nicht im Wege zu stehen, Vater?

Oder ist meine Unheiligkeit ein Fallstrick für die Brüder?

Komm, erbarme Dich über uns.

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