Erster, zweiter und dritter Tag

Do 30.10.2025

Lk 13:31-35 Die Feindschaft des Herodes

Der Text

Aus dem griechischen Urtext.

31 In jener Stunde kamen einige Pharisäer herbei und sagten zu Ihm: Geh fort und zieh von hier weg, denn Herodes will Dich töten.

32 Und Er sprach zu ihnen: Geht und sagt diesem Fuchs: Siehe, Ich treibe Dämonen aus und vollbringe Heilungen heute und morgen, und am dritten Tag werde Ich vollendet.

33 Doch Ich muss heute und morgen und am folgenden Tag weitergehen, denn es geht nicht an, dass ein Prophet außerhalb Jerusalems umkommt.

34 Jerusalem, Jerusalem, die du die Propheten tötest und die steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft wollte Ich deine Kinder versammeln, wie eine Henne ihre Brut unter die Flügel, und ihr habt nicht gewollt!

35 Siehe, euer Haus wird euch überlassen. Ich sage euch: Ihr werdet Mich nicht sehen, bis es kommt, dass ihr sprecht: Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn.

Im Begleittext:
Jesus zeigt den Weg von der selbstbezogenen List des „Fuchses“ zur göttlichen Vollendung am dritten Tag. Vom Streben nach Größe – zur Hingabe, die allein erfüllt.

Genauer im Begleittext Erster, zweiter und dritter Tag

Der Fuchs

Schlau wie ein Fuchs sein ist im aktuellen Sprachgebrauch fast vollständig positiv belegt. Aber ich spüre noch eine leise Erinnerung, dass es auch anders sein könnte.

Im biblischen Denken ist der Fuchs nur negativ. Ein Zeichen von Verderben und schließlich Verfall. Eine Macht aus Intrigen, aber nicht aus Stärke.

Ich sehe eine Verschiebung des Sprachverständnisses und des Verständnisses von Recht.

Extrem negativ werden heute Dinge bewertet, die mit Rasse oder Volk zu tun haben. Oder Islamophobie, Homophobie u.s.w.

Aber sich staatliche Leistungen zu erschleichen, löst dagegen kaum ein schlechtes Gewissen aus – es ist ein „cleveres“ Verhalten. Wenn ich es optimiere, bin ich ein „Fuchs“.

Es ist zwar „nur“ Ethik und Moral – aber es ist der Raum, in dem Denken und Fühlen stattfinden.

Jesus folgt keiner Cleverness, Er folgt Seiner Berufung.

Jesu drei Tage

Sie meinen nicht drei Kalendertage

Sondern: Es gibt eine Zeit des einen und eine Zeit des anderen. Und das Erste läuft auf das Zweite hinaus. Nicht als einfache Folge, sondern als Krönung, als Vollendung.

In der aktuellen Literatur zu Erfolg und Motivation geht es um den Weg nach oben. Wie erreiche ich meine Ziele?

Zum Beispiel auch in Büchern zu Sport oder Abnehmen.

Besonders aber zu beruflichem Erfolg.

Wenn ich diese Ziele jedoch erreicht habe – was dann?

(Siehe die Geschichte vom Drei-Sterne-Restaurant Eleven Madison Park im Begleittext).

Erfolg ist immer oben – aber auf der Spitze des Berges geht es nicht weiter, es geht wieder nach unten.

In der Eheberatung fragen mich Menschen z. B. nach der Lösung einer Krise. Zunächst fragen sie meistens, wie sie den Ehepartner „zur Vernunft“ bringen können.

Oder wie sie auf dies und jenes reagieren sollen.

Aber es geht nicht darum, dass sich der andere oder die Situation ändert.

Es geht darum, dass ich anfange, richtig zu handeln.

Nicht im Blick auf Erfolg – sondern im Blick auf das, was aus mir wird, wenn ich so und so handle.

Eine Rettung nützt mir nichts, wenn ich derselbe bleibe, der ich war. Im Gegenteil. Es ist eine verpasste Möglichkeit.

Gegenüberstellung

Jesu Weg geht zuerst in die Verborgenheit. Viele Jahre in Nazareth als Zimmermann.

Dann führt Gott ihn durch die Taufe am Jordan in die Prüfung in der Wüste.

Erst danach geht Er in die Öffentlichkeit.

Dort wirkt er zunächst nach außen (Heilungen, Predigten).

Zudem in die Tiefe (Austreiben von Dämonen, Ausbildung von Jüngern)

Dann in ein erstaunlich paradoxes „nach oben“. Auf den Berg der Schande, der Demütigung, der Auslieferung.

Der natürliche Mensch geht sehr früh nach außen – mit noch kleinen Wurzeln. Er sucht Wachstum und Größe – oder Sicherheit und Etablierung.

Als Fuchs nutzt er Systeme und Menschen wie Sprossen einer Leiter.

Geht er den Weg des Wachstums, mündet er am Ende in der Leere. Dabei ist es egal, ob er scheitert oder Erfolg hat.

Aber auch der Sicherheitsmensch endet in der Leere der Nichtigkeit und am Ende in Krankheit und Tod.

Mir scheint dieser Weg noch schlechter zu sein als der Erste. Denn er führt zur Abstumpfung und Taubheit gegen die Anfragen des Lebens, die Anfragen Gottes.

Daniel Humm vom Eleven Madison Park hat die Leere des Erfolges erlebt. Und mir scheint, er hat im Ansatz, einen guten Weg gefunden.

Er wollte zunächst einfach der Beste sein, der Beste der Welt.

Ein Weg der Selbstvergrößerung, der Selbstliebe.

Dann aber hat er gefragt, was er für die Welt tun kann. Über sich und sein Restaurant hinaus.

Er hat das beste Restaurant im Jahre 2021 vollständig auf eine vegane Küche umgestellt.

Das dies aus einer inneren Neuorientierung kam, scheint mir deutlich; denn:

„Im Jahr 2020 schloss Küchenchef Daniel Humm das Restaurant und widmete seine ganze Energie der Zubereitung von über einer Million Mahlzeiten für Helfer in der Pandemiebekämpfung und bedürftige Bevölkerungsgruppen. Diese verteilte er an Kirchen, Obdachlosenheime und Tafeln.“

Siehe hier

Die Menschen in der Welt sind mir oft Vorbild und ich weiß: Wir werden an unseren Werken gemessen – auch wenn viele das von sich weisen.

Nicht an unserem Erfolg oder unserer Größe – aber an der Frucht.

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