So 02.11.2025 Allerseelen
Lk 7:11-17 Die Witwe zu Naïn
Der Text
Aus dem griechischen Urtext:
11 Und es geschah am folgenden Tag, dass Er in eine Stadt ging, genannt Nain; und mit Ihm gingen viele Seiner Jünger und eine große Volksmenge.
12 Als Er sich aber dem Stadttor näherte, siehe, da wurde ein Toter hinausgetragen, der einzige Sohn seiner Mutter, und sie war eine Witwe; und eine zahlreiche Menge aus der Stadt war mit ihr.
13 Und als der Herr sie sah, wurde Er innerlich bewegt über sie und sprach zu ihr: Weine nicht!
14 Und Er trat hinzu und berührte die Bahre; die Träger aber blieben stehen. Und Er sprach: Junger Mann, Ich sage dir: Steh auf!
15 Und der Tote setzte sich auf und begann zu reden; und Er gab ihn seiner Mutter.
16 Furcht aber ergriff alle, und sie priesen Gott und sagten: Ein großer Prophet ist unter uns aufgestanden, und: Gott hat Sein Volk heimgesucht!
17 Und diese Rede über Ihn ging hinaus in ganz Judäa und in der ganzen Umgebung.
Erinnerung
Ich nenne die Geschichte „Die Witwe zu Naïn“ und nicht Jüngling zu Naïn.
Denn es geht um die Witwe.
Wer niemanden hat, der um ihn weint – warum sollte er auferweckt werden?
So auch ich. Woran, an wem kannst Du, Herr Jesus, erkennen, dass ich leben soll?
Die Bahre berühren
Die Bahre eines Toten berühren, macht unrein.
Die Unreinheit des Todes strahlt auf das Leben aus.
Oder: Das Leben ist so stark, dass seine Heiligkeit auf die Unreinheit ausstrahlt. Da nicht beides zugleich bestehen kann, muss der Tod weichen.
Marie l’Incarnation hört loses, gotteslästerliches Reden ihrer Knechte.
Sie setzt sich daraufhin mit an den Tisch – und die Gespräche enden.
Ja, sie wird sogar nach Dingen Gottes gefragt.
Sie verunreinigt sich nicht, sie reinigt und heiligt.
Es erinnert mich an die Geschichte „Die Kerze“ aus dem russischen Volksgut, nacherzählt von Leo Tolstoi:
Der Bauer Peter Mikhayeff wird von seinem Vorgesetzten am Sonntag zur Arbeit auf dem Acker gezwungen. Der Bauer ging aufs Feld zum Pflügen. Er nahm aber eine Kerze mit auf den Pflug. Die Kerze brannte die ganze Zeit, auch im Wind und beim Wenden des Pfluges. Sie brannte hell und ruhig.
Der Bauer hatte die Arbeit geheiligt – die Arbeit hatte nicht vermocht, ihn profan zu machen.
Die Frage lautet nicht, was für mich gut ist, sie lautet: wofür und vor allem für wen bin ich gut?
Mächte
Vor der Stadt Naïn geschieht mehr als ein menschliches Gut-Sein für die Witwe. Es geht um mehr als darum, das Gute zu tun – denn wer kann Tote erwecken?
Das Gute, das ich tun kann, kann und soll über das Tun eines einfachen Menschen hinausgehen.
Als Mensch kann ich im Vorfeld, hier und da auch recht viel Gutes tun.
Aber es geht um mehr.
Es geht um mehr als ein richtiges Leben.
Auch um mehr, als ich in der Logotherapie vermitteln kann. Dort geht es genau um dieses Für-Sein. Wofür bin ich?
Hier geht es um viel mehr.
Der Tod ist eine Macht außerhalb menschlicher Macht.
Nur Gott kann ihn besiegen.
Und die, durch die Gott wirken kann.
Heilige.
Und ich, soweit das Heilige in mir ist.
Heilig sein
Heilig sein ist immer und ausschließlich für den anderen.
Insofern ist es kein eitles Spiel. Es ist Ausdruck der Liebe.
Die Heiligkeit ist der Ort der Liebe und die Liebe ist die Macht der Heiligkeit.
Einfacher gesagt:
Wenn ich auf mich selbst achte, wie es mir geht und was ich von diesem oder jenem habe, dann ist wenig Platz für Gott.
Was in mir soll von Gott berührt werden? Wo kann Er mir Sein Herz für jenen anderen mitteilen?
Die Liebe des Menschen ist zumeist auf ihn selbst gerichtet.
Wenn sie sich auf den anderen richtet, ist sie nicht nur die je eigene Liebe, sondern sie wird erfüllt und überflutet von der Liebe Gottes, die Er zu diesem Menschen hat.
Es ist wie beim Transistor: Ein kleiner Basisstrom bewirkt, dass der große Strom vom Kollektor zum Emitter fließt.
Ich möchte ein Funke für die große Liebe Gottes sein.