Do 06.11.2025
Lk 15:1-10 Vom verlorenen Schaf, vom verlorenen Silbergroschen
Der Text
Aus dem griechischen Urtext:
1 Es nahten sich aber zu Ihm alle Zöllner und Sünder, um Ihn zu hören.
2 Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sagten: Dieser nimmt Sünder auf und isst mit ihnen.
3 Er aber sagte zu ihnen dieses Gleichnis, indem Er sprach:
4 Welcher Mensch unter euch, der hundert Schafe hat und eines von ihnen verliert, lässt nicht die neunundneunzig in der Wüste und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?
5 Und wenn er es gefunden hat, legt er es auf seine Schultern mit Freude.
6 Und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.
7 Ich sage euch: Ebenso wird im Himmel Freude sein über einen Sünder, der umkehrt, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die keine Umkehr nötig haben.
8 Oder welche Frau, die zehn Drachmen hat, wenn sie eine Drachme verliert, zündet nicht eine Lampe an und kehrt das Haus und sucht sorgfältig, bis sie sie findet?
9 Und wenn sie sie gefunden hat, ruft sie die Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir, denn ich habe die Drachme gefunden, die ich verloren hatte.
10 So, sage Ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der umkehrt.
Einordnung
Gestern haben wir vom Turmbau gesprochen. Jesu Worte zu denen, die Ihm folgen, sind sehr hart. Der letzte Satz spricht gar davon, dass das Salz, das nicht salzt, nicht einmal für den Acker oder den Mist zu gebrauchen ist.
Kein Wort klingt einladend.
Und heute kommen nun zu Ihm „alle Zöllner und Sünder, um Ihn zu hören“.
Die, die nicht einmal etwas Gutes tun – welchen Turm wollen die denn bauen und welche Armeen mit 20.000 Mann denn besiegen?
Worüber freut sich der Himmel?
Er freut sich nicht über Helden, er freut sich über die, die endlich heimkommen.
Die, die zum Vater hinüberwechseln.
Und er freut sich mit so großer Freude, dass es wie ein Licht zwischen dem Vorhang des Himmels und der Erde hindurch lugt.
In diese Freude einzutreten ist Grund genug, alles hinter sich zu lassen, was mich daran hindert.
Und das, was zurück zu lassen ist, ist bei dem einen mehr und bei dem anderen weniger.
Fremdenlegion
Wer sein Leben verpfuscht hat, der kann im schlimmsten Fall immer noch zur Fremdenlegion gehen.
Bis etwa 1970 konnte jeder Mann zur Fremdenlegion gehen, um ein neues Leben zu erhalten.
Dort wurde seine alte Identität gelöscht – er bekam einen neuen Namen, einen neuen Pass.
Und:
« On ne te demande pas d’où tu viens, on te demande ce que tu veux devenir. »
„Man fragt dich nicht, woher du kommst, man fragt dich, was du werden willst.“
Auch heute gilt dies in abgeschwächter Form immer noch.
Wer ein erfolgreiches Leben führt, wer fromm ist und noch einen gewissen Stolz auf sein Leben hat, vielleicht sogar als Soldat – der geht nicht zur Fremdenlegion.
So erklärt sich, dass gerade die Gescheiterten und die Sünder zu Jesus kommen und nach diesem neuen Leben fragen.
Sie bezahlen mit dem Müll ihres Lebens – nicht mit dem Glanz ihres Erfolges.
Christian Name
Mein Vorname ist eigentlich mein neuer Name, der Name, den ich nach meinem Tod durch die Taufe erhalte. Im Englischen auch direkt Christian Name genannt.
Er ist nicht eine Identität! Nicht etwas wie ein Barcode, eine Nummer.
Es ist eher ein Programm, ein Typus, ja eine Verheißung.
Denn die Aufnahme in den Himmel ist mit der Erlösung nicht beendet.
Ich werde gefragt: „Wer willst du werden?“
Wie im zweiten Teil des Satzes der Fremdenlegion.
„Mach mich zu einem Deiner Knechte“, sagt z. B. der verlorene, heimkehrende Sohn.
Der Himmel kommt nicht zu mir
Aber er öffnet seine Türen weit.
Allerdings nur für solche, die alles je eigene zurücklassen.
Kam man mit einem Koffer zur Aufnahmestelle nach Aubagne (bei Marseille), wurde dieser dort abgegeben. Der Prozess der Neugeburt begann, inkl. einer neuen Identität.
„Der Mensch, der hierherkam, ist draußen geblieben“. So sagten viele nach einer Zeit.
So und nicht anders geht es in den Himmel.
Wer sich noch rechtfertigen will; für den ist die Pforte zu eng.
Wer ohne alles kommt, nur er selbst, wird mit Jubel und Freuden begrüßt.
Christ-Sein ist keine Ergänzung des Lebens – es ist ein gänzlich neues Leben.