Sa 15.11.2025 שַׁבָּת
Lk 18:1-8 Die bittende Witwe
Der Text
Aus dem griechischen Urtext:
1 Er sagte ihnen aber ein Gleichnis darüber, dass sie allezeit beten und nicht nachlassen sollten.
2 Er sprach: In einer Stadt war ein Richter, der Gott nicht fürchtete und keinen Menschen scheute.
3 Und eine Witwe war in jener Stadt; sie kam zu ihm und sagte: Verschaffe mir Recht gegenüber meinem Widersacher.
4 Und er wollte lange nicht; danach aber sprach er bei sich selbst: Wenn ich auch Gott nicht fürchte und keinen Menschen scheue,
5 doch weil mir diese Witwe Mühe macht, will ich ihr Recht verschaffen, damit sie nicht zuletzt komme und mir ins Gesicht schlage.
6 Der Herr aber sprach: Hört, was der ungerechte Richter sagt!
7 Sollte Gott nicht das Recht Seiner Auserwählten schaffen, die Tag und Nacht zu Ihm rufen, und sollte Er bei ihnen lange warten?
8 Ich sage euch: Er wird ihnen schnell Recht verschaffen. Doch wird der Sohn des Menschen, wenn Er kommt, den Glauben finden auf der Erde?
Nur ein Beispiel?
Es geht zunächst um das ausdauernde Gebet.
Aber ist das Beispiel willkürlich?
Welches Recht wollte die Witwe?
Was ist das, um das ich so ausdauernd bitten soll?
Einfach irgendetwas?
Das typische Recht und das kostbarste Recht, das die Witwe einfordern konnte – und sollte –, war die Schwagerehe.
Die Schwagerehe יִבּוּם
Die Schwagerehe ist das Recht einer Witwe, dass der Bruder des Mannes den Namen seines Hauses fortführt. Denn der Sinn des Lebens ist nicht das je eigene Leben, sondern die Dynastie.
Die Geschichte von Ruth ist keine genaue Schwagerehe, aber sie zeigt, wie weit und wie wichtig das Thema ist. Es geht um die gleiche Sache.
Unsere Welt, mein Kontext, ist so weit von den Gedanken Gottes entfernt, dass es schwerfällt, dies als so zentrales Thema anzunehmen.
Aber das ist es.
Jesus Christus hat eine Mutter.
Der Gedanke steht im Raum, dass Gott selbst dem Menschengeschlecht die Fortführung geschenkt hat, indem Er Maria die lebendige Fortführung schenkte.
Familie
Im Blick darauf ist der Kampf um die Familie neu zu betrachten.
Familie: Vater, Mutter, Kind.
Kern der Dynastie, Kern der Menschheit, Kern des Leibes Christi.
Die Familie ist nicht allein der Ort des Auslebens der eigenen Themen.
Es ist der Ort der Anteilnahme am ganzen Leib.
Vor diesem Hintergrund erkenne ich die Würde meiner Frau neu.
Weit mehr als ich ist sie Bindeglied aller aus unserem Haus. Praktisch jeden Tag, teils mehrmals, teils ohne echte Pause, ist sie hier und da in den Häusern der Kinder, denkt an ihre Themen, sorgt und besorgt, was gut und nötig ist.
Gebet
Anders als in der Geschichte aus dem Evangelium ist der Richter mehr als gerecht und noch viel mehr an meiner Familie interessiert als ich.
Denn die Welt ist eine Witwe ohne Ihn.
Die Welt zerfällt ohne Familie.
In Wahrheit verhält es sich eher umgekehrt.
Gott selbst bittet mich um meine Treue zur Familie.
Er ist ausdauernd und hartnäckig dabei, sie mir vor die Füße zu legen.
Dass ich doch Anteil nehmen möge an Seinem Schmerz an der Gefährdung und der Brüchigkeit der Familie.
Meiner Familie – und der Familien der Menschen um mich herum.
Und damit am Leib Christi, dem Reich Gottes.
PS:
Ich habe gestern in einem bewegenden Lebenszeugnis genau von diesen Punkten gehört. An zwei Stellen haben Menschen ihr eigenes Leben so in den Dienst der Familie eines anderen gestellt, wie hier beschrieben. Einer von ihnen hat als Christ in der Zeit der russischen Gefangenschaft genau dies in sein Herz bekommen, die andere hatte die eigenen Kinder verloren und wurde Mutter für jene.