Die Kirche retten?

So 16.11.2025

Lk 21:5-19 Ende des Tempels; die Vorzeichen; Verfolgung

Der Text

Aus dem griechischen Urtext:

5 Und als einige von dem Tempel sagten, dass er mit schönen Steinen und Weihgeschenken geschmückt sei, sagte Er:

6 Diese Dinge, die ihr seht – es werden Tage kommen, in denen kein Stein auf dem anderen gelassen wird, der nicht abgebrochen wird.

7 Sie aber fragten Ihn und sagten: Lehrer, wann wird dies sein, und was wird das Zeichen sein, wenn dies geschehen soll?

8 Er aber sprach: Seht zu, dass ihr nicht verführt werdet! Denn viele werden unter Meinem Namen kommen und sagen: Ich bin es, und: Die Zeit ist nahe. Lauft ihnen nicht nach!

9 Wenn ihr aber von Kriegen und Unruhen hört, erschreckt nicht; denn dies muss zuerst geschehen, aber das Ende ist nicht sofort.

10 Dann sagte Er zu ihnen: Nation wird sich gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich.

11 Große Erdbeben werden sein, und an verschiedenen Orten Hungersnöte und Seuchen; schreckliche Dinge und große Zeichen werden vom Himmel her geschehen.

12 Vor all dem aber werden sie ihre Hände an euch legen und euch verfolgen, euch in die Synagogen und Gefängnisse bringen, euch vor Könige und Statthalter führen um Meines Namens willen.

13 Dies wird euch zum Zeugnis werden.

14 So nehmt euch denn zu Herzen, nicht zuvor über eure Verteidigung nachzusinnen;

15 denn Ich werde euch Mund und Weisheit geben, der alle eure Widersacher nicht werden widersprechen oder widerstehen können.

16 Ihr werdet aber auch von Eltern und Brüdern und Verwandten und Freunden überliefert werden, und einige von euch werden sie töten.

17 Und ihr werdet von allen gehasst werden um Meines Namens willen.

18 Aber kein Haar von eurem Haupt wird verloren gehen.

19 Durch eure Standhaftigkeit werdet ihr eure Seelen gewinnen.

Der Tempel

Nachdem der Tempel in Jerusalem fast 2.000 Jahre zerstört ist, lässt mich die Ankündigung Jesu, dass der herrliche Tempel zerstört wird, recht kalt.

In diesem Text steht auch nichts von der Analogie mit Jesu Leib.

Was aber, wenn mit diesem herrlichen Gebäude, der herrliche Leib Jesu, nämlich die Kirche gemeint ist?

In meinem Regal stehen die vier Bände Sacramentum Mundi. Das Wissen der Kirche. In einem anderen Regal stehen die vielen Bände von Thomas von Aquin. Dem großen Lehrer der Kirche.

Herrlich, diese Steine im Tempel der Kirche.

Der Tempel ist der Ort des Opfers. Die Kirche ist der Ort der Eucharistie.

Wie könnte dies zerstört werden?

Der Leib

Mein Leib ist der Ort, in den sich der Geist ergießen will – und es auch tut. Danke, Vater.

Es ist etwa sieben Monate her, als ich von seiner enormen Zerbrechlichkeit erfuhr.

Jetzt ernähre ich ihn gesund, bewege mich und betreibe Muskelaufbau. Manche Werte meines Körpers (z. B. mein Gewicht) sind wie in meiner Jugend.

Doch weiß ich – das ist nur eine Weile so.

Der Tempel meines Leibes wird zerstört werden, früher oder später.

Mehr als mein Leib aber ist die Kirche.

Sie ist sich sicher, dass sie nie untergeht, gemäß des Wortes Jesu an Petrus.

Die Kirche

Pastor Johannes Paulsen legt (wie andere auch) die Seereise des Paulus als prophetischen Blick auf die Kirchengeschichte aus. Schon vor vielleicht 30 Jahren habe ich das von ihm gehört.

Es gibt eine Zeit, mitten im Sturm, in der die Menschen das Schiff verlassen wollen. Paulus sagt, wer das Schiff verlässt, kann nicht gerettet werden (Apg 27:31).

Dann aber läuft das Schiff auf Grund, und alle müssen das Schiff verlassen (Apg 27:43-44).

Ich erinnere daran, dass das ewige Volk des ersten Bundes auch eine ewige Zusage seines Bestehens hatte (und hat).

Aber es war 1900 Jahre auf dem Meer der Welt verstreut.

Manche hatten „Bretter und Trümmerteile“, andere schwammen ganz allein.

Praktisch

Auch der Konservatismus wird die Kirche nicht retten.

Allerdings ist heute noch nicht die Zeit des „auf den Grund Laufens“.

Wann dies sein wird – es wird dann eines Paulus bedürfen, der es sagt.

Bis dahin wäre es gut, die Kirche wirft Ballast ab.

Den Ballast ihrer Weltlichkeit.

Ihres Einmischens in Dinge der Welt.

Unsere Bruderschaft mischt sich nicht in die Welt ein, sondern sie stärkt die Brüder, sich vor dem je eigenen Gewissen an ihrer eigenen Stelle in Welt und Kirche einzubringen, Verantwortung zu tragen.

Zeugnis

„Sorgt euch nicht, was ihr sagen sollt.“ Und:

„Ich will euch Mund und Weisheit geben.“

Aus einem unreinen Gefäß werden kaum Worte Jesu kommen.

Wer hofft, er könne einfach abwarten, und Jesus schenkt ihm alle Worte, der irrt.

Sondern: Wer sich oder die Sache noch selbst verteidigt, dem wird es nicht gegeben.

Es ist nötig, innerlich rein zu werden.

Gott redet durch den geheiligten Menschen. In gewisser Weise redet der Mensch selbst, es sind seine Worte. Sie kommen aber aus dem gereinigten, geopferten Herzen.

Wir sind keine Trompete.

Eher ein geheiligter Raum, in dem die Braut Worte des Bräutigams erklingen lässt.

Im Geist Jesu.

Dazu ist es zuerst nötig, immer weniger Falsches und Unnötiges zu sagen. Was in der Praxis heißt: Immer weniger zu sagen: einfach lange zu schweigen.

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